1921 / 232 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 04 Oct 1921 18:00:01 GMT) scan diff

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1 seiner burgengekrönten Ufer und seiner von einer jahr⸗ hundertelangen Geschichte erzählenden Städte mit ihren Münstern Türme und die nicht minder prächtigen, im Barockstil erbauten Kirchen von assau, Wil⸗ 1 fesselten der stolze Rundbau der Be⸗ freiungshalle und der edele, klassische Tempelbau der Walhalla bei 1 Ebenso abwechflungsreich waren die Land⸗ schaf Zug durch ebenes Gelände, bald eingeengt zwischen den Gebirgszügen zeigten, die er auf seinem Lauf durchbricht. Den Schluß bildeten Bilder aus dem einst o lebensfrohen Wien und seiner schönen Umgebung bis zum Semme⸗ 2* Aufnahme und

die stolzen von Ulm und

und Prunkbauten vorüber. Da ragten

Schiffe der gotischen Dome Regensburg und von St. Stephan in Wien hering, Melk und Krems auf,

Regensburg das Auge. aftsbilder, die den Donaustrom bald in ruhigem

ing. Der Vortrag fand mit Recht eine freundli ifte manche Wiederholung erleben. t.

Der Fremdenverkehr Groß Berlins übertraf im September mit 127 332 Gästen den voraufgegangenen 31] tägigen Die sehr auf⸗

Ausländerbesuchs hat 18 1 er 19 782 Ausländer ver⸗ zeichnet die amtliche Statistik, also mehr als 16 vH des Gesamtfremden⸗ verkehrs, eine Zahl, die vordem auch annähernd noch in keiner deutschen Stadt und früher kaum in irgendeinem internationalen Badeort er⸗ nach der Feststellung er „Zentrals wieder die skandinavischen Länder mit insgesamt 7766 Gästen. In einem Monat nahezu soviel wie früher in einem ganzen Jahr. Aus Schweden kamen 3286, aus Dänemark 3015, aus Norwegen 1465, aus Holland 2500. Oesterreich, das sonst den

ersten Platz einnahm. Aus Rußland kamen 1165, aus Amerika 1145, aus

August im Tagesdurchschnitt noch um ein Geringes.

fällige Erscheinung des zunehmenden sich im September noch erheblich gesteigert.

reicht worden ist. An erster Stelle erscheinen, der „Zentralstelle für den Fremdenverkehr Groß Berlins“

Erst an fünfter Stelle erscheint mit 1568

England 1059. aus Polen 899, aus der Schweiz 866, aus Fraakreich 597, aus Ungarn 593, der Türkei 283, aus Spanien 203, aus usw. Die Zunahme des Ausländerverkehrs, die wesentlich mit dem Sinken der deutschen Währung zusammenhängt, ist eine bedeutsame Erscheinung, mit deren wirtschaftlichen Auswirkungen sich eine in diesen Tagen von der Centralstelle für den Fremdenverkehr einberufene Vor⸗ standssitzung unter Teilnahme der hervorragenden wirtschaftlichen Or⸗ ganisationen beschäftigen wird.

Der Nutzen des Naturschutzes ist fast stets nicht nur ideell, sondern sehr häufig auch materiell. Ein Beispiel für den Schaden bei fehlendem Naturschutz trat, wie die „Umschau“ mitteilt, in einer Verhandlung der Lübecker Bürgerschaft zutage. Bei Be⸗ sprechung des Etats wurde auch der schlechte Ernteausfall der Straf⸗ anstalt Lauerhof erwähnt. Neben Mangel an Knunstdünger und Getreiderost war dieser vor allem auf die ö der Engerlinge zurückzuführen. Früher wurden die Maikäfer durch die Möven niedergehalten, die in den frischgepflügten Feldern jede Larve aufnahmen. Heute zeigen sich nur vereinzelte Möven, und die Engerlinge nehmen überhand. Massenhaft wurden die Mäven abgeschossen, und noch stärker geht ihre Zahl zurück durch den schonungslosen Eierraub. Hie so verursachte Störung des biologischen Gleichgewichts zwischen „Engerlingen und Maikäfern durch den Menschen rächt sich an diesem jetzt bitter. Sie führt aber hoffentlich Uhenen zur Einsicht über die Notwendigkeit eines geregelten Natur⸗ utzes.

Die holländische Firma Pierson u. Co. in Amster⸗ dam stiftete „W. T. B.“ zufolge für die Opfer des Oppauer Unglücks 100 000 ℳ. Durch Leistung von vier Ueber⸗ stunden der gesamten Belegschaft der Tüll⸗ und Gardinenweberei Akt.⸗Ges. in Plauen⸗Haselbhrunn i. V. und Hinzufügen der gleichen Summe durch die Be⸗ triebsleitung konnte das genannte Unternehmen dem Rei chs⸗ hilfsausschuß für Oppau 11000 überweisen.

Halle, 3. Oktober. (W. T. B.) Ein Besuch im Ammoniakwerk Leuna der Badischen Anilin⸗ und Sodafabrik gab heute Nachmittag hiesigen und auswärtigen Pressevertretern einen Einblick nicht nur in den imposanten Riesen⸗ betrieb, sondern auch in die Arbeitsverhältnisse, die von kom⸗ munistischer Seite als efahrvoll dargestellt worden sind. Durch Befragung berufener Persönlichkeiten aus der Werksverwaltung sowie der Arbeitervertretung konnte festgestellt werden, daß die Besorg⸗ nisse, es könne sich in diesem der durchaus gefahrlosen Stickstoß. erzeugung dienenden Werk ein Unglück wie das in Oppau er⸗ eignen, ebenso unbegründet sind, wie die Behauptung, das Akkord⸗ und Prämiensystem werde zum Schaden der Arbeiterschaft und unter Zuhilfenahme von übermäßig vielen Ueberstunden durch⸗ L1“— A11“ wurden die Sicher⸗

eitsverhältnisse als durchaus normal, die Arbeitsverhältnisse als vor⸗ bildlich feftgestellt.

Hamburg, 3. Oktober. (W. T. B.) Heute Nachmittag fuhr auf dem Bahnhof Sternschanze ein aus der Richtung O 1 orf E Zug auf ee hen nach Altona ab⸗ gelassenen Vorortzug auf. Vier Fahrgäste wurd leicht verletzt. Der Sachschaden ist bedeutend. 6 8

Wien, 3. Oktober. (W. T. B.) Der Internationale Kongge der Kriegsopfer aller Länder hielt heute seine Schlußsitzung ab. Der Kongreß genehmigte ein⸗ stimmig die von der Kommission ausgearleiteten gemeinsamen Ziele der an die Internationale angeschlossenen Organisationen. In das Exekutivkomitee wurden Barbusse und Mauny für Frankreich, Dudenstädt und Tiede für Deutschland und Brandei und Schmied für Oesterreich berufen.

London, 3. Oktober. (W. T. B.) Wie⸗ „Evening News“ meldet, hat Lloyd George sehr ernste Berichte über 89 Aus⸗ dehnung der Arbeitslosigkeit und die Möglichkeit heftiger Arbeitslosenkundgebungen erhalten und ist dadurch zu der Ansicht ge⸗ kommen, daß eine sofortige Aeußerung über die Absicht der Regierung mehr als je notwendig ist.

Ein großes Flugzeug ist heute über dem Flugplatz von Menstown in Brand geraten und abge .:9. Zwei Offiziere und vier Mechaniker wurden getötet.

Lissabon, 3. Oktober. (W. T. B.) Laut Havasmeldung ist die „Quest“, das Fahrzeug, mit dem Shackleton bb Forschungsreise in das antarktische Meer unter⸗ nimmt, auf der Höhe von Kap Roca von einem turm erfaßt worden und hat um Hilfe gebeten. Ein Schlepper ist

von Lissabon zur Unterstützung abgegangen.

Kopenhagen, 3. Oktober. (W. T. B.) Der „Berlingske Tidende“ wird aus Helsingfors gemeldet: Die amerikani sche Hilfsaktion in Petersburg hat neun Speiseanstalten eröffnet, die täglich 60 000 Kinder seisen können. Die Sowjet⸗ behörden haben die amerikanische Regierung gebeten, auch Speisen für

die Erwachsenen zu liefern, was jedoch abgelehnt wurde.

Nr. 79 des „Zentralblatts der Bauverwaltung“ mit Nachrichten der Reichs⸗ und Staatsbehörden, herausgegeben 12 preußischen Finanzministerium am 1. Oktober, hat folgenden Inhalt: Amtliches: Dienstnachrichten. Nichtamtliches: Technik und Wirtschaft in Argentinien. V. Die Wohnungsfürforge in der preußischen Berg⸗, Hütten⸗ und Salinenverwaltung. VI. (Schluß.) Vierzehnter Tag für Denkmalpflege in Münster vom 21. bis 23. Sep⸗ tember 1921. Vermischtes: Sitzung des Deutschen Verbandes Technisch⸗Wissenschaftlicher Vereine („Deutscher Verband“) in Berlin.

M bSo PSnzae M Betriebstechnische W

aus den Balkanstaaten 533, aus Italien 316, aus Asien 165, aus Portugal 134

Handel und Gewerbe.

89

Telegraphische Auszahlung. 8

zmnachst zur Folge, daß der Verkehr in Devisen und Valuten

ͤͤ 3. Oktober

Geld Brief Geld Brief 3976,00 3984,00 4045 95 4054,05

39,95 40,05 40,20 40,30 864,10 865 90 889,10 890,90 1503,45 1506,55 1550,90 1554 10 2237,75 2242,25 2272,70 2277,30

2762,20 2767,80 2832,15 2837,85 8 182,0 1827 179,30 179,70 . 489,50 490,50] 504,45 505,55 1 462,50 463,50 473,00 474,00 3 123,87 124,13 127,37 127,63

Amsterdam⸗Rotterdam Buenos Aires (Papier⸗ bbvEVö1ö6“ Brüssel und Antwerpen Christiania u“ Kopenhagen Stockholm und Gothen⸗ 3 Helsingfors. Italien 4 London. New York. Paris. . Schweiz.. Spanien.. 1 Wien (altesg) ... Wien (Dtsch.⸗Oesterr.) abgestemcgu... Budapest 8 Bulgarien.. Konstantinopel.

879,10 880,90 899,10 900,90 2155,30 2159,70 2213,75 2218,25 1610,85 1614,15 1663,30 1666,70

7,57 129,90 17,52

7,48 129,60 17,98

8

7,52 129,90 18,02

*

Ausländische Banknoten vom 4. Oktober. Geld Brief 123,10 123,40 122,10 122,40 854 00 856,00

2227,75 2232,25 461,50 462,50 460,75 461,75

1 180,00 180,50

8 874,50 876,50

1 3965,00 3973,00

. 474,50 475,50

Amerikanische Banknoten 1000 —5 Doll.. 8 e6“*“ Belgische

1 rI28.

Dänische 6

Englische roff (100 500 Lstrl.) 8 1 Lstrl. u. darunter.

frnen.

Französische

Italienische

Norwegische Oesterreichische

9

8 100 Frcs.

1 100 Fl..

8 100 Lire

8 100 Kr.. 1 alte 11900 )

1493,50 1496,50

7 7

—.—

alte (10 100 Kr.). neue (1000 Kr.). . neue (10 u. 100 Kr.) 500 u. 1000 Lei. unter 500 Lei.

Ir909bbbö

Schweizer für 100 Fr. ..

Tschecho⸗slow. Staatsnot., neue (100 Kr. u. darüber) 8 unter 100 Kr..

—.—

5,45 5,55 106,80 107,30

2752,00 2758,00 2151,75 2156,25 1603,25 1606,75 128,95 129,45 127,75 128,25

Rumänische Schwedische

0 9 995ᷓ

2 9

Am Mittwoch, den 5. Oktober, und am Freitag, den 7. Oktober 1921, werden nach einer Meldung des „W. T. B.“ die Börsenräume in Berlin bereits um 10 Uhr geöffnet. Die Feststellung der ersten Kurse beginnt um 11 Uhr, die der Einheitskurse um 12 ½ Uhr. Ende 3 Uhr. Bis 11 Uhr ist jeder Handel in Wertpapieren untersagt. Zwecks Erledigung von Rekla⸗ mationen und zur Entgegennahme von Aufträgen werden die Kurs⸗ makler am Dienstag, den 4. Oktober, und Donnerstag, den 6. Ok⸗ tober d. J. in der Zeit von 12 bis 2 Uhr in den Börsenrzumen an⸗ wesend oder vertreten sein. Die Sitzung der Dreimännerkommission beginnt an diesen Tagen um 12 Uhr.

London, 29. September. (W. T. B.) Ausweis der Bank von England. Gesamtrücklage 21 822 000 (Abn. gegen die Vorwoche 1,639 000) Pfd. Sterl, Notenumlauf 124 973 000 (Zun. 567 000) Pfd. Sterl., Barvorrat 128 414 000 (Abn. 3000) Pfd. Sterl., Wechselbestand 80 494 000 (Abn. 4 626 000) Pfd. Sterl., Guthaben der Privaten 105 421 000 (Abn. 9 783 000) Pfd. Sterl., Guthaben des Staates 12 231 000 (Abn. 1 729 000) Pfd. Sterl., Notenreserve 20 072 000 (Abn. 566 000) Pfd. Sterl., Regierungssicherheiten 33 360 000 (Abn. 6 330 000) Pfd. Sterl. Verhältnis der Rück⸗ lagen zu den Verpflichtungen 18,60 gegen 14,97 vH in der Vorwoche. Clearinghouse⸗Umsatz 585 Millionen, gegen di entsprechende Woche des Vorjahres 110 Millionen weniger. .“

8 8

Koks und Briketts.

Wagengestellung für Kohle

ens gh

Ruhrrevier Oberschlesisches Revier Anzahl der Wagen

am 1. Oktober 1921. 18 936 2 995 18 224 am 2. Oktober 1921.

Nicht gestellt.. 43 Beladen zurück⸗ 5 583

geliefert. Oktober 1921.

9 873 1 947

18 937

Gestellt.

Nicht gestellt.

Beladen zurück⸗ geliefert..

am 3. Gestellt... 1 Nicht gestellt. Beladen zurück⸗

gellefert . .

——

„Die Elektrolytkupfernotierung der Vereinigung sh ers. F.eeeäe siers sich laut Berliner Meldung von „W. T. B.“ am 3. Oktober auf 3642 (am 29. September au

3596 ℳ) für 100 kg. 8 8 f

Hamburg, 3. Oktober. (W. T. B.) Börsenschlußkurse. Deutsch⸗Australische Dampfschift⸗Gesellschaft 339,00 bis 292 00 Hapag 316,00 bis 340,00 bez., Hamburg⸗Südamerika 511,00 bis 543,00 bez., Norddeutscher Lloyd 332,00 bis 368,50 bez. Vereinigte Elbeschiffahrt 732,00 bis 768,00 bez., Schantungbahn 600,00 G., 620,00 B., Brasilianische Bank —,— G., —,— B., Commerz⸗ und Privat⸗Banfk 268,00 G., 270,00 B., Vereinsbank 240,50 G., 246,50 B., Alsen⸗Portland⸗Zement 940,00 bis 1001,00 bez., Anglo⸗ Continental —,— G., —,— B., Asbest Calmon —,— G., Renner 698,00 bis 705,00 bez., Nordd. Jutespinneret —,— G., Mercksche Guano 506,00 bis 581,00 bez., Harburg⸗Wiener Gummi B., Caofo —,— G., —,— B., Sloman Salpeter Neugumnea 590,00 G., 620,00 B., Otavi⸗Minen⸗Aktien . 8 do. do. Genußsch. —X,— G., —,— B. Fest.

Danzig, 3. Oktober. (W. T. B.) Noten: Amerikanis 125,87 G., 126,13 B., Englische —,— 9. —,— B., mescane 2,13 ½ G., 2,16 ½ B. Fiszaleing Warschau 2,06 G., 2,09 B,,

Posen —,— G. Zahlungseinstellung eines

G., —,—

27 7

Valutenspekulanten wurde

anderausstellung in Berlin. Technische z,

Wien, 3. Oktober. (W. T. B.) Die dank den Maßnahmen, die zur Vermeidung

schwerer Komplikationen getroffen wurden, ruhig aufgesaßt und hatt

11A““ ““

ruhig und erst später in geringem Umfang aufgenommen wurde. Der Effektenmarkt eröffnete teilweise schwächer; die Stimmung erfuhr aber im weiteren Ver⸗ lauf eine Befestigung, die ihren Ausgang von Kruppaktien nahm, welche vorübergehend sich um 2000 Kronen höher stellten. Auch zahlreiche Schrankenwerte gingen sprunghaft in die Höhe, doch war das Geschäft nicht so umfangreich wie sonst. Am Anlagemarkte setzten ungarische Renten ihre Steigerung fort, während österreichische keine gleichmäßige Kursbewegung aufwiesen. Die österreichische Gold⸗ rente büßte 45 vH ein, die Kriegsanleihe war wenig verändert.

Wien, 3. Oktober. (W. T. B.) Türkische Lose 10 160, Staatsbahn 11 000 Südbahn 4850, Südbahnprioritäten 4720, Oester⸗ reichische Kredit 2580, Ungarische Kredit 7400, Anglobank 4700, Unionbant 2030, Bankverein 1993, Länderbank 5100, Oesterreichisch⸗ Ungarische Bank —,—, Alxine Montan 10 710, Prager Eisen —,—, Rima Muranyer 10 200, Skodawerke 14 800 Salgokohlen 25 000, Brüxer Kohlen —,—, Galizia —,—, Waffen 2300,00, Lloyd⸗Aktien —,—, Poldihütte —,—, Daimler —,—, Oesterreichische Goldrente 330, Oesterreichische Kronenrente 122, Februarrente 128, Mai⸗ rente 122, Ungarische Goldrente —,—, Ungarische Kronenrente 410, Veilscher —,—, Siemens⸗Schuckert 3520.

Wien, 3. Oktober. (W. T. B.,) Notierungen der Devisen⸗ zentrale: Amsterdam 85250 G., Berlin 2107 G., Kopenhagen 43075 G., London 9890 G., Paris 18480 G. Zürich 46275 G., Marknoten 2102 G., Lirenoten 10390 G., Jugoslawische Noten 4356 G., Tschecho⸗Slowakische Noten 2772 G. 8

Prag 3. Oktober. (W. T. B.) Notierungen der Devisen. zentrale: Berlin 77,00 G., Marknoten 77,25 G., Wien 3,47 ½ G.

London, 3. Oktober. (W. T. B.) 2 ½ % Engl. Konsols 48 ¾ 5 % Argentinier von 1886 94,00, 4 % Brasilianer von 1889 50,00, 4 % Javaner von 1899 66,00, 5 % Mexikanische Goldanleihe von 1899 68,00, 3 % Portugiesen 22,50, 5 % Russen von 1906 11,00, 4 ½ % Russen von 1909 6,00, Baltimore and Obio 51,00, Canadian

vollständig

Pacific 151,00, Pennsylvania 49,50, Southern Pacific 106,00, Union

162,50, United States Steel Corporation 106 50, Rio into 28,00, De Beers 11,75, Goldfields 1, Randmines 2 %. London, 3. Oktober. (W. T. B.) Wechsel auf Paris 52,82 ½ Wechsel auf Belgien 54,25, Wechsel auf Schweiz 21,47 ½8, Wechsel auf Holland 11,63 ¾, Wechsel auf New York 373,00, Wechsel auf Spanien 28,63, Wechsel auf Italien 94,00, Wechsel auf Deutsch⸗ land 473,50. 1 London, 3. Oktober. (W. T. B.) Silber 42 ½, Silber auf

Lieferung 41 ⅛, do. auf Gold —,—. 8 Paris, 3. Oktober. (W. T. B.) 5 % Französische Anleihe 81,45, 4 % Französische Anleihe 65,60, 3 % Französische Rente 56,15, 4 % Spanische äußere Anleihe 152,75, 5 % Russen von 1906 27,00, 3 % Russen von 1896 —,—, 4 % Türken unifiz. 37,50, Suezkanal 59,50, Rio Tinto 621.

Paris, 3. Oktober. (W. T. B.) Devisenkurse. Deutschland 11,25, Amerika 1413,00, Belgien 98,75, England 52,73, Holland 454,75, Italien 56,25. Schweiz 245,50, Spanien 184,00.

Zürich, 3. Oktober. (W. T. B.) Devisenkurse. Berlin 4,15, Wien 0,35, Prag 6,50, Holland 184,50, New York 576,00, London 21,46, Paris 40,55, Italien 22,75, Brüssel 40,30, Kopen⸗ hagen 102,25, Stockholm 128,75, Christiania 70,75, Madrid 75,50, 6 Aires 185,00, Budapest 0,80, Bukarest 510,00, Agram

Amsterdam, 3. Oktober. (W. T. B.) Wechsel auf London 11,63 ½¼, Wechsel auf Berlin 2,46, Wechsel auf Paris 22,10, Wechsel auf Schweiz 54,32 ½, Wechsel aut Wien 0,19, Wechsel auf Kopenhagen 55,90, Wechsel auf Stockholm 69,70, Wechsel auf Christiania 38,50, Wechsel auf New York 311,75, Wechsel auf Brüssel 21,85, Wechsel auf Madrid 40,70, Wechsel auf Italien 12,35. 1

Amsterdam, 3. Oktober. (W. T. B.) 5 % Niederländ. Staatsanleihe von 1915 90 ⅜, 3 % Niederländ. Staatsanleihe 61,75, 3 % Deutsche Reichsanleihe, Januar⸗Juli⸗Coupon —,—, Königlich Niederländ. Petroleum 428,25, Holland⸗Amerika⸗Linie 158,00, Atchison, Topeka u. Santa —,—, Nock Island —,—, Souther Pacific —,—, Southern Railway 26 ³, Union Pacisic —,—, Anaconda 100,25, United States Steel Corp. 101,00. Behauptet.

Kovpenhagen, 3. Oktober. (W. T. B.) Sichtwechsel auf London 20,64, do. auf New York 554,00, do. auf Hamburg 4,50, do. auf Paris 39,35, do. auf Antwerpen 38,65, do. auf Zürich 96,50, do. auf Amsterdam 178,00, do. auf Stockholm 123,85, do. auf Christiania 68,25, do. auf Helsingfors 8,10.

Christrania, 3. Oktober. (W. T. B.) Sichtwechfel auf London 30,25, do. auf Hamburg 6,50, do. auf Paris 58,00, do. auf New York 814,00, do. auf Amsterdam 259,25, do. auf Zürich 141,25, do. auf Helsingfors 11,50, do. auf Antwerpen 57,25, do. auf Stock⸗ holm 181,50, do. auf Kopenhagen 147,00.

Stockholm, 3. Oktober. (W. T. B.) Sichtwechsel auf London 16,71, do. auf Berlin 3,55, do. auf Paris 32,00, do. auf Brüssel 31,80, do. auf schweiz. Plätze 78,00, do. auf Amsterdam 143,75, do. auf Kopenhagen 81,25, do. auf Christiania 55,45, do. auf Washington 449,00, do. auf Helsingfors 6,60. v“

8

Berichte von auswärtigen Warenmärkten.

Hamburg, 3. Oktober. (W. T. B.) An der Hamburger Zuckerbörse wurde heute erstmalig nach Kriegsbeendigung wieder eine amtliche Notierung vorgenommen: Rübenzucker per Kilo unversteuert und unverzollt erstes Produkt Oktober 820 B., 720 G., November 800 B., 700 G., Dezember 800 B., 700 G., Januar 810 B., 710 G, Februar 820 B., 820 G., März 830 B., 830 G.

(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage

88 Opernhaus. (unter den Linden.) Mittwoch: Mittags 12 Uhr: Symphonie⸗Mittags⸗Konzert. (Vortragsfolge wie am Abend.) Abends 7 ½ Uhr: I. Symphonie⸗Konzert der Kapelle der Staats⸗Oper. 8 Donnerstag: Tristan und Isolde. Anfang 6 Uhr.

Schauspielhaus um Gendarmenmarkt.) Mittwoch: 198. Dauer⸗ bezugsvorstellung. Die Verschwörung des Fiesco zu Genua.

Anfang 7 ½ Uhr. 9 Donnerstag: König Richard der Dritte. Anfang 7 ½ Uhr.

Fäamiliennachrichten.

Gestorben: Hr. Landgerichtspräsident, Geh. Oberjustizrat Georg Baecmeister (Bad Sachsa). Hr. Kommerzienrat Guido Lang (Weilheim).

Verantwortlicher Schriftleiter: Direktor Dr. Tyrol, Charlottenburg.

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteber der Geschäftsstelle J. V.: Rechnungsrat Meyer in Berlin.

Verlag der Geschäftsstelle (F. V: Meyer) in Berlin. Druck blagsanstalt, Fünf Beilagen eßlich Warenzeichenbeilage Nr. 88 A und B) 85 und Erste, Zweite und Dritte Zentral⸗Handelsregister⸗Beilage.

Abg. Dr. Pinkerneil

Berlin, Dienstag, den 4. Oktobe

Nichtamtliches.

(Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) 5

. Prreußischer Landtag. 48. Sitzung vom 3. Oktober 1921, Mittags b (Bericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger“).)

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratun g des Haushalts der Handels⸗ und Gewerbe⸗ verwaltung für das Jahr 1921.

Der Hauptausschuß beantragt durch den Berichterstatter Annahme des Etats mit einigen

nderungen in den Ausgaben, die eine Vermehrung höherer Dienststellen im Ministerium vorsehen und Beträge insbeson⸗ I für die Bauunterstützung für die preußischen Messen in Breslau, Köln, Frankfurt a. und Königsberg mit je 2 500 000 Mark und Zuschüsse für Neueinrichtung von Haus⸗ haltungsschulen und hauswirtschaftlichen Berufsschulen vor⸗ sehen. Außerdem stellt der Ausschuß eine Reihe von An⸗ trägen, von denen der eine eine baldige allgemeine Revision des Gesetzes, betreffend die Erwerbs⸗ und Wirtschafts⸗ genossenschaften, fordert; ein anderer verlangt schleunige Wahlen zu den Handwerkskammern. Weitere Anträge ver⸗ langen die Anstellung von Frauen als planmäßige Beamtinnen in der Handels⸗ und Gewerbeverwaltung, insbesondere auch als Gewerberäte, die Hinzuziehung eines Vertreters des Hand⸗ werks als Referenten beim Ministerium, die Möglichkeit des Ueberganges befähigter Absolventen der Fachschulen zur Tech⸗ nischen Hochschule, die Verleihung des selbständigen Promo⸗ tionsrechtes an die Handelshochschule Berlin. Ferner fordert der Ausschuß Berücksichtigung des preußischen Handwerks bei der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen für Nordfrank⸗ reich und Belgien, Beschleunigung der notwendigen Instand⸗ setzungsarbeiten an staatlichen Gebäuden und schließlich Ver⸗ besserung einzelner Hafenanlagen, wie Emden, und bessere Ausgestaltung der Seefahrtschulen.

Die Deutsche Volkspartei beantragt Bereit⸗ stellung von Mitteln zum Bau einer Lehrwerkstätte für die Zieglerschule in Frankfurt a. O.

Abg. Frau Hanna (Soz.): Der Haushalt der Handels⸗ und Gewerbeverwaltung ist in erster Linie für die breiten Schichten der Bevölkerung von Bedeutung, die auf Erwerbsarbeit angewiesen sind. Früher hat man in der Verwaltung und Gesetzgebung die Bedeutung dieser Volksschichten lange nicht in dem notwen igen Maße erkannt und gewürdigt. Die Zukunft unseres Wirtschafts⸗ lebens hängt, zumal bei der Unsicherheit über unser Schicksal und bei der Ungeheuerlichkeit der Lasten, die wir tragen sollen, sehr stark von der Leistungsfähigkeit unserer Arbeit ab. Wollen wir wieder lebensfähig sein und bleiben, so müssen wir Qualitäts⸗ arbeit leisten. Bis jetzt gab es für die große Masse der Arbeiter⸗ schaft keine Möglichkeit, sich zu Qualitätsarbeitern zu entwickeln. Sehr stark sind wir darin behindert worden durch die große Verarmung des Volkes und andere verhängnisvolle Kriegsfolgen, aber vielfach hat es besonders in- Preußen auf diesem Gebiete auch an Einsicht und gutem Willen gefehlt. Für die Ausgestaltung des Fortbildungswesens ist erst vet 1911 ein gesetzgeberischer Fort⸗ schritt zu verzeichnen, aber noch heute steht es im Belieben der Gemeinden, für alle männlichen und weiblichen jugendlichen Arbeiter obligatorische Fortbildungsschulen einzuführen oder nicht. Soweit man vor 1911 dem Gedanken näher trat, war das Ziel nicht etwa die Heranbildung qualifizierter Arbeitskräfte, sondern man war darauf aus, auf diesem Wege der Sozialdemokratie Abbruch zu tun. Und dem entsprechend wurden dann auch, zumal der frühere Handelsminister Sydow von ähnlichen Anschauungen sich leiten ließ, die Lehrpläne gestaltet. Für die praktische Aus⸗ bildung in Lehrwerkstätten und dergl. hat die frühere preußische Regierung so gut wie nichts übrig gehabt. Die Meisterlehre allein kann nicht entfernt den Bedarf decken. Auf diesem Gebiet liegt nach wie vor noch sehr viel im argen. Auch die Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten für 1920 bestätigen, daß die Lehrlinge viel zu viel noch mit häuslichen Arbeiten beschäftigt werden, und daß auch für sie der Achtstundentag in Wirklichkeit nicht besteht. Diese Beamten stehen doch gewiß nicht im Verdacht, einseitig zu⸗ gunsten der Arbeiterschaft zu urteilen. Ueberhaupt scheint der Achtstundentag im Handwerk zu einem erheblichen Teil gar nicht vorhanden zu sein. Hinzu kommt, daß im Sommer auf dem platten Lande und in den kleinen Städten die Bestimmungen der Landarbeiterordnung auch für Handwerksbetriebe in Geltung sind, so daß dort nicht nur acht, sondern zehn und elf Stunden Arbeit ganz allgemein üblich sind. Diese Ausnutzung der Lehrlinge hat einen solchen Umfang angenommen, daß sogar der Minister sich genötigt gesehen hat zu verfügen, daß die Geltung der Landarbeits⸗ ordnung nur auf Orte mit weniger als 10 000 Einwohner sich erstrecken darf. Aber nicht das Handwerk allein verdient den Vor⸗ wurf, die Lehrlinge auszunutzen und nicht genügend auszubilden, auch der Industrie und dem Handelsgewerbe ist der gleiche Vor⸗ wurf zu machen, und im letzteren liegen die Dinge deswegen noch schlimmer, da an die Befähigung der Lehrherren keinerlei An⸗ forderungen gestellt werden. Eine Ausnahme bilden mer einige wenige mustergültige Großbetriebe, die eigene theoretische Lehr⸗ kurse und praktische Lehrwerkstätten eingerichtet haben. Diese Ver⸗ anstaltungen sind wiederum beim Handwerk wenig geschätzt, da sie angeblich eine handwerksmäßige Ausbildung nicht verbürgen. Da andererseits die Zahl der Kinder, die dem Handwerk zugeführt werden, abnimmt, weil die Eltern Bedenken tragen, die Kinder mangels genügender Garantie für ordentliche Ausbildung zu Handwerksmeistern zu geben und nicht mehr wie früher drei oder vier Jahre lang die Kinder in der Lehre durchhalten können, so muß mit aller Kraft dafür gesorgt werden, daß der Entwicklung des Handwerks zur Qualitätsarbeit möglichst reichliche Ge⸗ legenheit ggeben wird, indem man die dazu geeigneten vorhandenen Einrichtungen nicht unbenutzt läßt. Das ist heute leider der Fall; überall her ertönen die Klagen über den schwachen Besuch der Fortbildungsschulen. Diese Erscheinung ist zum Teil auf die bedauerliche Verrohung der Jugend, zum Teil aber auch darauf zurückzuführen, daß die jugend⸗ lichen Arbeitskräfte durch die Arbeitgeber vom Besuch zurück⸗ gehalten werden. (Widerspruch rechts.) Ein anderer Uebelstand ist, daß selbst noch in heutiger Zeit die Arbeitskraft der Lehrlinge vielfach ganz umsonst ausgenutzt wird. Eine Handwerkskammer hat als Entschädigungssäte für Lehrlinge im ersten bis vierten Lehrjahre wöchentlich je 12, 18, 24, 30 Mark vorgeschlagen! Es ist doch klar, daß die Lehrlinge im dritten und vierten Jahre häufig

chon vollwertige Arbeitskräfte ersetzen. Damit wird nur, wie auch ie amtlichen Berichte bestätigen, die Schmutzkonkurrenz gefördert.

*) Mit Ausnahme der durch Sperrdruck hervorgehobenen Reden der Minister, die im Wortlaute wiedergegeben sind.

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Die Festsetzung dieser Entschädigung dar lieben 8 Lehrherken gestellt wherben. ir bestreiten den Hand⸗ werksmeistern das Recht, über den Rahmen der beruflichen Arbeit hinaus auf die Lehrlinge eine Erziehungsgewalt auszuüben. Viele Handwerker verhieten den Lehrlingen, 1 an Versammlungen zu beteiligen und sich bestimmten Vereinigungen anzuschließen. Das steht auch mit Artikel 159 der Reichsverfassungs im Gegensatz. Die Berliner Bäcker⸗ und Konditoreninnung hatte sogar ein der⸗ 5 grundsätzliches Verbot in ihr Statut aufgenommen; der Handelsminister hat verfügt, daß dieses Verbot zu beseitigen ist. Der Einfluß der Arbeiterorganisationen auf das Handwerk muß gestärkt werden. Das eben erwähnte Verhalten von Handwerks⸗ meistern ist außerordentlich kurzsichtig. Das Handwerk als solches ist von der Sozialdemokratie nie bekämpft worden, nur gegen die Arbeitsmethoden hat sie sich gewandt. ir begrüßen es, daß das Handelsministerium mit der Absicht umgeht, Berufsschulen ein⸗ und sind auch unsererseits dafür, daß die an diesen Schulen anzustellenden Lehrkräfte nicht nur praktische, sondern auch pädagogische Kenntnisse haben. Wir unterstützen auch den Wunsch, daß statistisch festgestellt wird, wieviel die Gemeinden für den Berufsschulunterricht nach Geschlechtern getrennt ausgegeben haben, befürworten dabei aber nicht etwa die Trennung des Unterrichts. Die Fachschulen müssen ausschließlich der Berufs⸗ ausbildung dienen und sollten nicht als bloße Ergänzung der Volksschulausbildung angesehen werden. Sparsamkeit ist im Fort⸗ bildungswesen nicht am Platze. Es handelt sich um die Erhaltung volkswirtschaftlicher und ethischer Werte, die wir gerade jetzt be⸗ sonders dringend nötig haben. Die Berufsberatung und die Lehr⸗ stellenvermittlung steckt noch in den Kinderschuhen. Wir bedauern, daß in früheren Zeiten, wo genügend Mittel vorhanden waren, nichts auf diesem Gebiete getan worden ist. Das frühere Ab⸗ geordnetenhaus hat alle dahin gehenden Anträge abgelehnt. Erst den Sozialdemokraten war es vorbehalten, in dieser Beziehung die Regierung vorwärts zu bringen. Wir haben positiv mitgearbeitet und in erster Linie dafür gesorgt, daß eine Arbeiterschutzgesetz⸗ gebung als Ergänzung der Gewerbeordnung erlassen wurde. Die Gewerbeaufsichtsbeamten können ihre Aufgaben gar nicht erfüllen, dazu reicht ihre Zahl nicht aus. In die kleinen Betriebe hinein⸗ zugehen ist geradezu unmöglich, und die Kontrolle der Großbetriebe ist sehr schwer. Ich erinnere an das große Unglück in Oppau. Wir haben auch in Preußen ähnlich große Betriebe. Wenn wir auch hoffen, daß wir von ähnlichen Unfällen verschont bleiben, so ist doch für eine ausgiebige Kontrolle dieser Betriebe Anlaß geboten. Die Gewerbeaufsichtsbeamten sind mit allen möglichen Arbeiten belastet, so mit Tariffragen; sie haben bei Aussperrungen einzugreifen, sie wirken beim Demobilmachungsausschuß und bei der Kriegshinterbliebenfürsorge mit, und sind besonders auch durch das Betriebsrätegesetz von neuem belastet. Die Rede des Abg. Brey im Reichstag über das Oppauer Unglück hat in erschütternder Weise gezeigt, wie die Arbeiter in den Betrieben durch Angabe ihrer Beobachtungen für die Sicherung der Betriebe beitragen können. Fabrikfremde Personen sind gar nicht in der Lage, die Vorkommnisse in den Werken so genau zu übersehen. Wir fordern die Heranziehung der Arbeiter und Arbeiterinnen zur Tätigkeit der Gewerbeaufsichtsbeamten. Bei dieser Gelegen⸗ heit muß ich mit Entschiedenheit gegen die Behandlung unserer Forderungen im Ausschuß Protest erheben, die uns von seiten des Vertreters des Handelsministeriums zuteil geworden ist. (Beifall bei den Soz.) Die Arbeitsbedingungen der weiblichen Angestellten in Schankwirtschaften müssen reformiert werden. Man darf diese Angestellten nicht auf die Straße noch mehr als bisher schon hinaushetzen, sondern muß ihre Stellung durch bessere Anstellungsbedingungen bessern. Ihre Anstellung sollte nur gegen festes Gehalt erfolgen. Wir müssen dringend eine schärfere Durchführung des Arbeiterschutzes verlangen, das ist aber nicht möglich ohne Erhöhung der Zahl der Beamten. Wir glauben nicht daran, daß die Gewerbeaufsicht ihre sich ständig ver⸗ mehrende Aufgabe erfüllen kann, zumal jetzt auch die Gärtnerei⸗ betriebe in die Kontrolle einbezogen sind. Auffallend ist es, daß gerade die kleinste gewerkschaftliche Organisation einen Ver⸗ treter als Beiratsmitglied im Ministerium hat, nicht aber die großen Gewerkschaften. Das erfüllt uns mit Mißtrauen. In der Landesauftrags⸗Verteilungsstelle müssen auch Vertreter der Arbeiter wirken. Wenn jetzt der überseeische Verkehr wieder auf⸗ genommen wird, so muß es im Auslande eigenartig wirken, wenn die ersten ausfohrenoen Schiffe ausgerechnet die Namen „Hinoen⸗ burg“, „Ludendorff“ und „Tirpitz“ führen. Den Anträgen des Ausschusses stimmen wir zu, auch der Forderung auf Erteilung des Promotionsrechtes an die Berliner Handelshochschule. Hin⸗ sichtlich des Antrages, der die Errichtung eines Beirates aus Vertretern der wirtschaftlichen Kreise beim Ministerium für Handel und Gewerbe Füerpen der die Preußischen Verkehrsbelange in Eisenbahn⸗ und Wasserstraßenangelegenheiten wahrzunehmen und das Ministerium in diesen Angelegenheiten zu beraten ver⸗ mag, fordern wir eine Erklärung der Regierung, o auch weibliche Arbeitskräfte dazu herangezogen werden sollen. Von dieser Erklärung machen wir unsere Zustimmung abhängig.

Abg. Dr. Horster (Ztr.). Das Preußische Handels⸗ ministerium muß sich mehr als bisher im Verwaltungskörper Geltung verschaffen, als wichtige Wirtschaftsgebiete des Landes ich erinnere an Oberschlesien und das Rheinland gefährdet erscheinen. Ein schwerer Druck ist uns durch Aufhebung der Sanktionen genommen. Jeder, der einmal die Zollgrenze hat passieren müssen, weiß, mit welcher Freude dieser Erfolg des Kabinetts 1.. wird. (Beifall im Ztr.) Die Entente hat nun an Stelle der Sanktionen neuerdings eine neue Ueber⸗ wachungskommission uns aufgezwungen, die die gleichmäßige Ver⸗ teilung von Einfuhrlizenzen an die Entente⸗Staaten zu über⸗ wachen hat. Wir wissen nicht, inwieweit die deutsche Regierung den Alliierten hat Zugeständnisse machen müssen. Im Prinzip müssen wir auch an dieser Stelle betonen, daß wir jede Ver⸗ pflichtung über den Versailler hinaus, die unser Wirtschaftsleben weiter erschwert und die Erfüllungsmöglichkeit noch weiter einengt, auf das entschiedenste ablehnen müssen. (Sehr richtig im Zentrum.) Neben den wirtschaftlichen Sanktionen müssen wir auch von den militärischen Sanktionen baldmöglichst befreit werden. (GBeifall.) Wir dürfen auch an dieser Stelle unserer Befriedigung über diesen Erfolg der Politik des Reichskanzlers Wirth Ausdruck geben. Wir haben einen Antrag eingebracht, auf die Reichsregierung einzu⸗ wirken, im Saar⸗ und dem übrigen besetzten Gebiet erstens ein beschleunigtes, abgekürztes Abschätzungsverfahren der Kriegs⸗ und Besatzungsschäden zu veranlassen, zweitens für beschleunigte Regulierung der festgesetzten Schäden Sorge zu tragen, drittens in erhöhtem Maße durch Vorschußzahlungen die Not der Geschädigten zu mindern. Wir bitten Sie, diesen Antrag wohlwollend auf⸗ nehmen zu wollen. Mit Ungeduld sehen wir der Entscheidung über Oberschlesien entgegen, wir vertrauen, daß unseren oberschlesischen Volksgenossen und dem deutschen Volk auch in diesem Falle ihr Recht wird, und daß uns dies für die deutsche Wirtschaft unentbehrliche Gebiet erhalten bleibt. Wir erwarten das um so bestimmter, als wir mit der Annahme des Ultimatums die weitgehendsten Verpflichtungen übernommen und deren Er⸗ füllung auch mit aller Energie in Angriff genommen haben. Ob freilich die Verbandsländer an der gänzlichen Erfüllung desselben

ein Interesse haben werden, scheint mehr wie zweifelhaft. Schon

nicht allein in das Be⸗

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die Leistung der ersten Goldmilliarde Ende August hat gezeig welche unheimlichen Verheerungen dieser Goldstrom nicht nur be uns, sondern in Europa und in der Welt überhaupt anzurichte droht. Wenn vor dem Kriege für das Wirtschaftsleben des Volke die kusere Farn-lolitis von grundlegender Bedeutung war, se haben sich jetzt die Verhältnisse stark verschoben, weil uns handels politisch durch den Versailler Vertrag die Hände gebunden sin dann aber auch, weil die nie gekannten Schwankungen der Valuta die Wettbewerbsverhältnisse des Auslandes so unübersehbar machen, daß eine Politik auf lange Sicht kaum möglich ist. Die Lösung des äußeren Finanzproblems ist die Voraussetzung eine kontinuierlichen Hande Spolitik. Für die unumgänglich notwendi Einfuhr, für feste Reparationsleistungen, für die 26 prozenti Ausfuhrabgabe und für die Verzinsung der Auslandsschut brauchen wir 10,8 Milliarden Goldmark, welchen nur 6 Milliarde durch die Ausfuhr gegenüberstehen. Es bleiben immer noch 4, oder, wenn man eine Milliarde für Sachleistungen annimm noch 3,8 Milliarden Goldmark jährlich zu beschaffen. Sollte da mit Hilfe der Notenpresse geschehen müssen, dann würde uns Währung noch weiteren schweren Erschütterungen werden. Wir müssen mit Aufbietung aller unserer Kräfte dara arbeiten, das Ultimatum zu erfüllen, und gerade die schaffende Kräfte im Erwerbsleben müssen sich zusammentun, das Reich be⸗ dieser gigantischen Aufgabe zu unterstützen. Auf der Industrie tagung in München ist vor einigen Tagen der Wille dazu zum Durchbruch gekommen, und wir freuen uns, daß dieser Wille durch die Zustimmung zu der beabsichtigten Aktion zur Beschaffung de Goldkredite in die Tat umgesetzt worden ist. Wir hoffen, daß da Zusammenarbeiten der Regierung mit den maßgebenden Faktoren unseres Wirtschaftslebens einen Schritt aufwärts bedeutet, obwoh uns bei dem ständigen Fallen der Mark in den le die Angst beschleichen kann, i 8 Wenn eine englische Zeitung wicklung der Mark sei ein Mysterium, so dürfte es auch drübe bald dämmern, daß die Beschaffung von Golddevisen gegen Papier mark für Reparationszahlungen die Mark noch viel tiefer sinke läßt. Schon heute zeigen sich die verderblichen Folgen überall. Di Arbeitslosigkeit in der Schweiz, in Skandinavien, in England und Amerika wächst in erschreckendem Maße. Bei uns ist ja dieses Schreckgespenst Gott sei Dank bisher noch nicht so groß geworden aber trotzdem wir einigermaßen ausreichend beschäftigt sind, werden wir bei dieser Scheinkonjunktur nicht reicher, sondern ärmer (Sehr wahr! rechts.) Der nie geahnte Tiefstand der Mark bringt uns die Gefahr des Ausverkaufs unserer Erzeugnisse an das Ausland wieder drohend näher. Ein Dollar 132 Mark! Wir freuen uns, daß die Reichsregierung angesichts der immer Lebensmittelteuerung auch eine Aktion plant, um er Not der kleinen Rentner zu steuern. Wir sind der Zuversicht, daß die Staatsregierung und das Handelsministerium dieser Ent⸗ wicklung besondere Aufmerksamkeit widmen wird, und wir hoffen, 8 die wirtschaftliche Notlage aller Länder schließlich die Brücke schlagen wird zu einer Verständigung, die Deutschland nicht nur ermöglicht zu leben, sondern es auch in den Stand setzt, an der Wiedergutmachung mit Erfolg zu arbeiten. Die Verhandlungen wissthen Rathenau und Loucheur sind dazu ein Anfang, wir ringen ihnen lebhaftes Interesse entgegen, nehmen aber dazu nicht Stellung, solange die Einzelheiten nicht bekannt sind, und verurteilen deshalb auch die scharfe Kritik, die hier und da schon 8 eingesetzt hat. Wir vertrauen auch, daß der Minister bei den Ver⸗ handlungen über die Ausführung der Sachleistungen Preußens Interessen nach besten Kräften wahren wird. Wir wünschen und hoffen, 89 den Landesauftragsstellen mehr Einfluß gewährt wird, daß die Aufträge auch der kleinen und mittleren Industrie und dem Handwerk zugeführt werden. Wir iffen und wünschen weiter, daß sich alle ehrlich gesinnten Kreise zusammentun mögen, um der wucherischen Ausbeutung, die gerade jetzt wieder besonders drohend ist, nachdrücklich und unnachsichtlich zu Leibe zu gehen. Wir bitten den Minister, sich gerade auch der Bekämpfung des Wuchers besonders anzunehmen. (Zustimmung.) Die angedrohten drakonischen Strafen sollten auch zur Durchführung gebracht werden; die Kontrolle der Durchführung der ergangenen Ver⸗ ordnungen sollte auf das sorgfältigste von oben bis zur untersten Stelle durch erfolgen. Besonders glauben wir, den Handel in seinem eigenen Interesse mit zu dieser Aktion aufrufen zu müssen, damit er sich von diesen Elementen befreit und damit nicht der ganze Stand in seinem Ansehen geschädigt wird. (Beifall.) Für Fer Wiederaufbau des Vaterlandes ist ein gesund fundiertes Wirt⸗ schaftsleben eine zwingende Notwendigkeit. Auch bei der Steuer⸗ E setzgebung muß daran gedacht werden, daß es für die schaffenden rwerbsstände eine Grenze der steuerlichen Belastung gibt, daß die Grundlage des Unternehmens nicht untergraben werden darf, daß ihm auch für schlechte Jahre die Existenzmöglichkeiten ge⸗ lassen werden müssen. Die Erwerbsstände sind sich der schweren Lage des Staates bewußt, sie wollen opfern und arbeiten, aber die Lebensnotwendigkeiten dürfen nicht zu tief verletzt werden. s gilt nicht nur für Reich und Staat, sondern auch für die meinden, denen ihre 1528 not nach dem Wegfall der Ein⸗ köommensteuer jetzt die Gewerbesteuer als Steuerobjekt in den Vordergrund gerückt hat. Bei der Heranziehung derselben ist den Kommunalverwaltungen leider vielfach das richtige Augen⸗ maß verloren gegangen. Auch diese Belastung darf nicht durch übermäßige Z läge unerträglich gemacht werben. Von großer Bedeutung für unser Wirtschaftsleben ist auch das Verkehrswesen. Dankenswerterweise ist der Eisenbahnverkehr schnell wieder auf eine respektable Höhe gebracht worden, aber einen Mangel abzu⸗ 1,89 ist noch immer nicht gelungen, das ist der Mangel in der agengestellung, besonders der Mangel an gedeckten Waggons., Im Industrierevier sind dadurch schon große Schwierigkeiten in bezug auf die Kartoffelzufuhr entstanden. Auf einer Station fehlen weit über 100 gedeckte Wagen seit Anfang September. Es besteht die große Gefahr, daß die Landwirte, die die Kartoffeln nicht versenden können, sie einmieten und daß wir dann im Winter und Frühjahr nicht nur Mangel, sondern auch san hohe Preise haben. Wir bitten den Handelsminister dringend, beim Reichsverkehrsministerium für Abhilfe zu wirken. Nicht bloß die Kartoffelzufuhr wird durch diesen Mangel beeinträchtigt, sondern auch ein beträchtlicher Teil der Ausfuhr. Es liegt im Interesse der deutschen Industrie wie im Interesse des preußischen Staates und der preußischen Wirtschaft, daß die Exportaufträge nach Möglichkeit glatt erledigt werden. Wir begrüßen, daß der Handelsminister sich der preußischen Eisenbahnverkehrsinteressen durch die Beschaffung einer besonderen Ministerialabteilung annehmen will. Wir bitten den Minister, auch die wichtigen Eisenbahnprojekte, die in Preußen noch schweben, im Auge zu behalten und der Ausführung näherzu⸗ bringen so namentlich die Projekte zur Entlastung der Ruhr⸗ Sieg⸗Strecke. Ebenso sollte er sich der e Kleinbahnen annehmen, die teilweise ihren Betrieb kaum noch aufrecht⸗ exhalten können. Sehr am Herzen liegt uns auch die Ab⸗ wicklung der Kriegsgesellschaften. Da muß gründlich aufgeräumt werden, und es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Bestände nicht in die Hände von Schiebern und Wucherern geraten. Die gegen⸗ wärtigen Zustände auf diesem Gebiete halten wir nicht für er⸗ träglich und bitten den Minister, mit größter Energie einzu⸗ schreiten. Eine Spezialität hat für unsere Fraktion stets die Förderung des Handelskammermwesens gebildet. Die Handels⸗ ammern müssen den Verhältnissen entsprechend ausgestaltet

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