1921 / 267 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 14 Nov 1921 18:00:01 GMT) scan diff

8 8 8 7. S 88 1““ hinzuweisen und dringende Hilfe zu ersuchen. war als einziger Verhandlungsgegenstand die Neuregelung der Beamten⸗ und Angestelltenbesoldung sowie der Arbeiterlöhne, und deren Deckung in: den deutschen Städten auf die Tagesordnung ge⸗ setzt. Das Referat hatte der Oberbürgermeister Boeß⸗Berlin über⸗ nommen, der es, wie die Blätter berichten, mit der Bekanntgabe einer Entschließung des Vorstandes einleitete, die folgendes besagte: „ie deutschen Städte sind völlig außerstande, mit ihren gegen⸗ wärtigen finanziellen Möglichkeiten Mehrlasten aufzubringen, wie sie ihnen durch die Erhöhung der Beamten⸗ und Angestellten⸗ besoldung und der Arbeiterlöhne auferlegt werden. Es fehlen ibnen sogar die Barmittel für die ersten unaufschiebbaren Auszahlungen. Zur Ermöglichung der erforderlichen Zahlungen fordern die Städte die sofortige allgemeine und laufende Ueberweisung von Vorschüssen zur Deckung der Mehraufwendungen, unter Ablehnung jeder Abstufung nach der Bedürftigkeit. Vor allem erwarten die deutschen Städte von der Reichsregierung, dem Reichsrat und dem Reichstag die vorbehaltlose Bewilligung der endgültigen Deckung für die neuen Ausgaben. Damit verbinden sie im Interesse der Erhaltung und Stärkung ihrer Selbstverwaltung das Verlangen, daß nun endlich ihnen die erforderlichen Grundlagen zur Erfüllung ihrer dringenden Autgaben geschaffen werden. Sie erblicken die einzig mögliche Lösung darin, daß ihnen ihre noch porhandenen Einkünfte völlig gesichert und durch planvolle Aufteilung aller öffentlichen Ein⸗ nahmequellen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden ergänzt werden.“ Nach längerer Aussprache, in der der Not der deutschen Stadt⸗ und Landgemeinden Ausdruck verliehen wurde, gelangte die erwähnte Ent⸗ schließung des Vorstands zu einstimmiger Annahme. In einer weiteren Entschließung zur Besoldungsreform erklärten die Ver⸗ ammelten: „Die deutschen Städte protestieren dagegen, daß die Be⸗ oldungsordnung ohne Mitwirkung der Gemeinden geschaffen worden st, obwohl die Städte durch die notwendige Gleichstellung ihrer Be⸗ amten, Angestellten und Arbeiter mit denen des Reiches an der Regelung im verstärkten Maße interessiert sind.“ Nach einem Schlußwort des Oberbürgermeisters Boeß wurde die Tagung ge⸗ 8 8

schlossen.

Arbeitsstreitigkeiten.

Der Berliner Magistrat hat Sonnabend folgenden Beschluß gefaßt: In voller Anerkennung der durch die S Teuerung hervorgerufenen Notlage der Arbeiter und Hilfskräfte soll möglichst heute die L ohnaufbesse⸗ rung, welche das Reich mit den Organisationen der Arbeiter vereinbart hat, für die Monate Oktober und November ausgezahlt werden. Es sollen er⸗ halten: In Lohnklasse I (ungelernte Arbeiter) 584 ℳ, i Lohnklasse II. (angelernte Arbeiter) 636 ℳ, in Lohn⸗ klasse III (Handwerker ꝛc.) 710 ℳ, in Lohnklasse IV (jugend⸗ liche Arbeiter) 500 ℳ, in Lohnklasse V (mindererwerbsfähige Arbeiter) 500 ℳ, in Lohnklasse VI (ungelernte Arbeiterinnen) 460 ℳ, in Lohnklasse VII (angelernte Arbeiterinnen) 480 ℳ, in Lohnklasse VIII (qualifizierte Arbeiterinnen) 522 Arbeiterinnen ꝛc.) 354 und in Arbeiterinnen) 354 ℳ. sollen 250 gezahlt p und Forstarbeiter soll ebenfalls sofort geregelt werden. Bei den oben genannten Zahlen ist im Hinblick auf die bereits erfolgte Lohnerhöhung ein Betrag von 10 für die Stunde in Anrechnung gebracht worden. Die Verhandlungen über den 7. Lohntarif sollen sofort in Angriff genommen und nach Möglichkeit gefördert werden. Soweit durch Streik oder passive Resistens die Arbeit bereits versäumt wurde, soll ein Lohn für die in Frage kommende Zeit nicht gezahlt werden. Dieser Beschluß hat hiesigen Blättern zufolge der Ausstandsbewegung der Gas⸗ arbeiter ein En de gemacht. 8 „In Halle sind, wie „W. T. B.“ meldet, die Verhand⸗ tungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Braun⸗ kohlenbergbau am 11. d. Entgegenkommenabgeschlossen worden.

Nachdem die Metallarbeiter in Düsseldorf den in der Lohnbewegung gefällten Dortmunder Schiedss pruch mit überwiegender Mehrheit abgelehnt haben, haben am Freitag⸗ abend die Funktionärversammlungen des Deutschen Metallarbeiter⸗

verbandes und des Christlichen Metallarbeiterverbandes beschlossen, heute Montag, in den Ausstand zu treten. Diesem Beschluß haben sich auch die Hirsch⸗Dunckerschen Gewerkvereine angeschlossen. Vom ö betroffen werden alle der Arbeitgebervereinigung angehörenden Bettiebe.

w beeclaste X (mindererwerbsfähige Für jedes noch

werden. Die Frage der Güter⸗

Theater und Musik.

1 Im Opernhause wird morgen, Dienstag, „Madame Butterfly“, mit den Damen von Catopol, von Scheele⸗Müller,

Wurm⸗Meisenberg und den Herren Ziegler, Lücke, Stock, Duͤttbernd

und Krasa besetzt, gegeben. Musikalischer Leiter ist Dr. Fritz Stiedry. Anfang 7 ½ Uhr. 1“ .Im Schauspielhause wird morgen „Othello“ mit Fritz Kortner in der Titelrolle, Albert Steinrück als Jago und Johanna Hofer als Desdemona wiederholt. Anfang 7 ½ Uhr.

Der Musikverein „Der Anbruch' veranstaltet im Laufe der

SEvpielzeit im Großen Schauspielhause bei niedrigen Ein⸗ trittspreifen eine Reihe von Aufführungen Mahlerscher Werke mit dem Philharmonischen Orchester unter Leitung von Klaus Pringsheim. In Aussicht genommen sind zunächst die

9. Symphonie (16. November), die 3. und die 6. Symphonie.

Handel und Gewerbe.

Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichs⸗ bank und Post erfolgt laut Meldung des „W. T. B.“ in der Woche vom 14.— 20. November d. J. zum Preise von 850 für ein Zwanzig⸗ markstück, 425 für ein Zehnmarkstück. Für die ausländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise getaher 1 8 Ueber die Fragen des infolge des Krieges beschlagnahmten deutschen Eigentums in Amerika ist die Handelskammer in Berlin bereit, den hiervon betroffenen Kreisen ihres Bezirks Aus⸗ kunft zu erteilen. Sie sieht sich zu dieser Bekanntgabe durch die zahl⸗ reichen an sie gelangenden Anfragen, insbesondere aber dadurch ver⸗ anlaßt, daß voreilige oder falsche Schritte auf diesem Gebiete den Beteiligten erhebliche Schädigungen bringen können. 1 Die Verkaufsstelle vereinigter Fabrikanten

solierter Leitungsdrähte, G. m. b. H., Berlin SW. 61, teilt laut Meldung des „W. T. B.“ mit, daß für alle vom 14. No⸗

ember d. J. ab bestätigten Aufträge statt des bisherigen Teuerungs⸗

uschlages von 30 vH bis auf weiteres ein Teuerungszu schlag von 40 vH cuf die derzeit geltenden Preise zur Anrechnung gelangt. Ledi“ich für wetterfest isolierte Freileitungen und für nicht gummi⸗ isolierte Schwachstromleitungen verbleibt es bei dem Teuerungs⸗ zuschlag von 30 vH. 1 „— Die Vereinigung Deutscher Kerzenhersteller G. m. b. H., Berlin, teilt dem „W. T. B.“ mit, daß die von ihr festgesetzten Preise nur für ihre Mitglieder Geltung haben und das Verkaufsyreise an Verbraucher seit Aufhebung der Verordnung über den Aufdruck der Kleinverkaufspreise auf den Kerzenpaketen von ihr überhaupt nicht mehr festgesetzt werden. 9 Der Abschluß der Berliner Maschinenbau⸗Actien⸗ Gesellschaft vormals L. Schwartzkopff für das Ge⸗ fahr 1920,21 zeigt laut Meldung des „W. T. B.“ nach Vor⸗ der Abschreibungen sowie nach Errichtung eines Werk⸗ skontos’“ und einer Bazreserbe einen Reingewinn von Mislionen Mark. Der auf den 8 Dezember enden Generalversammlung wird die Verteilung von sowie die Ueberweisung von 4 Millionen Mark an ob fahrtskassen u, Stiftungen der Gesellschaft vor⸗ Ferner wird die Verdoppelung des zurzeit

8

in seiner Sitzung am

, in Lohnklasse IX (iugendliche

zu versorgende Kind ꝛc.

M. unter beiderseitigem

39 467 ℳ. Verteilt werden an

aus 36 Millionen Stammaktien und 18 Millionen Vorzugsaktien bestehenden Gesellschaftskapitals beantragt. Von den neuen Stammaktien ist beabsichtigt, 27 Millionen den Aktionären im Verhältnis von 4: 3 zum Kurse von 115 vH zubieten, während 9 Millionen vorerst zur Verfügung der Gesellschaft bleiben. Die neuen Aktien erhalten volle Dividendenberechtigung für das laufende Geschäftsjahr.

Die Dynamit A.⸗G. vorm. Alfred Nobel & Co. in Hamburg teilt dem W. T. B. mit: Nachdem der Konzern neue Industrien im Großbetrieb aufgenommen hat, und hierdurch eine Stärkung der Betriebsmittel wünschenswert erscheint, hat der Auf⸗ sichtsrat der Dynamit A. G., Hamburg, beschlossen, in einer auf den 10. Dezember einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung die Erhöhung des Stammaktienkapitals von 100 Millionen Mark auf 125 Millionen Mark mit Gewinnberechtigung vom 1. Januar 1922 vorzuschlagen. Die neuen Aktien ollen durch Vermittlung eines Bankenkonsortiums den alten Aktionäre im Verhältnis von 4:1 zum Kurse von 400 vH angeboten werden. Gleichzeitig foll das Vorzugsaktienkapital von 30 Millionen Mark durch Ausgabe von 45 Millionen Mark neuer Aktien auf 75 Millionen Mark ge⸗ bracht werden. Ebenso wird bei der Köln⸗Rottweil A⸗G. in Berlin in einer auf den 8. Dezember einzuberufenden au erordent⸗ lichen Generalversammlung über die Ausgabe von 25 Mil⸗ lionen Mark neuer Stammaktien mit gleichen Begebungs⸗ bedingungen und von 75 Millionen Mark einstimmiger sechsprozentiger kumulativer Vorzugsaktien beschlossen werden. Die Vorzugsaktien beider Gesellschaften werden von der Ad. Astra Verwaltungs⸗ gesellschaft G. m. b. H. in Hamburg, der Spitzengesell⸗ schaft des Konzerns, zu dauerndem Besitz übernommen. Das Dividendenbezugsrecht soll für die Zeit des Besitzes ruhen. Die mit der Dynamit A.⸗G. und der Köln⸗Rottweil A.⸗G. durch Anschluß⸗ vertrag verbundene Rheinisch⸗Westfälische Spren g⸗ stoff A.⸗G. und die A.⸗G. Siegener Dynamitfabrik in Köln nehmen gleichfalls eine Erhöhung des Stammaktienkapitals vor, und zwar soll die Rheinisch⸗Westfälische Sprengstoff A.⸗G. zehn Millionen und die Siegener Gesellschaft 450 000 neue Stammaktien mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1922 aus⸗ geben, welche durch ein Bankenkonsortium den alten Aktionären im Verhältnis von 4:1 zum Kurse von 350 vH angeboten werden sollen. 1““ beider Gesellschaften finden am 12. De⸗ zember statt. 1“ Nach dem Geschäftsbericht der Köln⸗Bonner Eisen⸗ bahnen Aktiengesellschaft für die Zeit vom 1. April 1920 bis 31. März 1921 entsprach das Ergebnis des Geschäftsjahres 1920 nicht den anfangs gehegten Erwartungen. Die am 1. März 1920 eingeführte Erhöhung der Tarife, von der man einen Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben erhoffte, ergab zwar im ersten Halbiahr einen Ueberschuß, die Tariferhöhung genügte jedoch in den folgenden Monaten nicht, um die Folgen der bereits im Frühjahr 1920 einsetzenden Entwertung der Mark aufzuheben. Gegenüber den erhöhten Ausgaben wurden die Einnahmen beeinträchtigt durch den ungewöhnlich lange anhaltenden niedrigen Wasserstand des Rheins. Die Ausgaben überschritten infolge⸗ dessen die Einnahmen nicht unerheblich. Es betragen im Rechnungsjahre 1920 die Einnahmen 47 089 092 gegenüber 20 331 226 im Jahre 1919 und die Ausgaben 49 860 318 ℳ, gegen 20 614 010 im Jahre 1919, so daß das Jahr 1920 mit einem Betriebsverlust von 2 771 287 abschließt. Die Einnahmen sind um 131,6 %, die Ausgaben um 141,8 % gestiegen. Befördert wurden 1920 12 078 062 Personen, 3 767 875 t Güter. Die Be⸗ triebseinnahmen aus dem Personen⸗ und Geväckverkehr betrugen 22 524 425 ℳ, aus dem Güterverkehr 23 271 291 ℳ, verschiedene 1,293 315 ℳ. Die Bilanz zum 31. März 1921. weist für 1921 einen Verlust von 4 494 449 ℳͤ, der sich durch den vorjährigen Ver⸗ lust von 133 994 auf 4 628 443 erhöht, auf.

Der Aufsichtsrat der Brauerei⸗Gesellschaft Rettenmeyer⸗Tivoli A.⸗G., Stuttgart, hat beschlossen, der auf den 14. Dezember d. J. einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung von 10 vH sowie die einmalige Sonderausschüttung von 10 vH vorzuschlagen.

Köln, 13. November. (W. T. B.). Mit Rücksicht auf den Feiertag am Mittwoch, den 16. d. M. (Buß⸗ und Bettag), finden in der kommenden Woche nur zwei Wertpapierbörsen statt, und zwar Montag den 14. und Freitag den 18. November. Die Devisen⸗ notserungen erfolgen dagegen täglich, mit Ausnahme des Feiertags.

ach dem Bericht über den Geschäftsbetrieb der Berg⸗ brauerei Riesa, Aktiengesellschaft zu Riesa a. d. E. vom 1. Oktober 1920 bis 30. September 1921 belebte sich das Geschäft nach Aufhebung der Zwangswirtschaft und nachdem die Herstellung eines Bieres in der Vorkriegsqualität freigegeben wurde, zumal während der anhaltend warmen Sommerwitterung ent⸗ wickelte sich der Absatz in aufsteigender Linie. Auch der Abteilung für alkoholfreie Getränke kam das günstige Wetter zustatten. Die in der außerordentlichen Generalversammlung vom 25. Juni d. J. beschlossene ven et. ebhaß ist inzwischen zur Durchführung Febna che und der dabei erzielte Ueberschuß mit 43 052 dem gesetzlichen Reserpefonds zugeführt worden. Im neuen Geschäftsjahre sind die hauptsächlichsten Rohstoffe, deren die Brauereien bedürfen Gerste und Hopfen —, ungeahnt im Preise gestiegen; außerdem droht die

*

in Aussicht genommene Biersteuer. Einschließlich des Vortrags ergiebt

sich ein Rohgewinn von 153 694 ℳ, die Abschreibungen betragen die Aktionäre 10 vH, auf neue Rechnung werden vorgetragen 17 620 ℳ.

Nach dem Bericht der Liquidatoren der Terrain⸗Aktien⸗ Gesellschaft in Liqu. Neues über das Jahr 1920 haben sich die dem Grundbesitz auferlegten Steuern und sonstigen Lasten im Berichtsjahre weiter erhöht, und auch die Verwaltungskosten

sowie die Aufwendungen für notwendige Reparaturen sind entsprechend der Verteuerung von Materialien und Löhnen

t wesentlich gestiegen. Da die unter der Herrschaft der Zwangswirtschaft auf dem Gebiete des Wohnungswesens festgesetzten Höchstmieten diesen Mehraufwendungen nicht im entferntesten Rechnung tragen, erforderte der Hausbesih der Gesellschaft im abgelaufenen Geschäftsjahre wiederum Zubußen. Grundstücksverkäufe fanden im Berichtsjahre nicht statt, dagegen konnten im Jahre 1921 bisher vier Hausgrund⸗ stücke zu angemessenen Preisen verkauft werden. Es blieb 1920 ein

Verlust von 57 23 % der den vorjährigen Fehlbetrag auf 2 334 325 80 erhöht. 8

Wien, 11. November. (W. T. B.) Nach der Uebersicht der Desterreichisch⸗Ungarischen Bank vom 31. Ok⸗ tober 1921 betrugen (in Klammern Zunahme und Abnahme im Vergleich mit dem Stande vom 23. Oktober 1921) (in 1000 Kronen): die Anlagen Metallschatz: Goldmünzen der Kronen⸗ währung, dann Gold in Barren, in ausländischen und Handels⸗ münzen, das Kilo fein zu 3278 Kronen gerechnet, 74, Goldwechsel auf auswärtige Plätze und. ausländische Noten (Pfd. Sterl., Franken und Mark), eingestellt zur Münzparität nach Artikel 84 der Statuten. 5305, Silberkurant⸗ und Teilmünzen 4, zu⸗ sammen 5384 (Zun. 206), Kassenscheine der Kriegsdarlehens⸗ kasse 255 424 (Abn. 2202), Eskontierte Wechsel, Warrants und Effekten 6 025 678 (Zun. 561 408), Darlehen gegen Hand⸗ pfand 528 230 (Zun. 23 889), Cffekten 83 898 437 (Zun. 6 715 800),

esterreichische Staatsscheine 777 (Abn. 281), Oesterreichische Devisenzentrale —,— (Abn. —,—), Oesterreichisch⸗Ungarische Bank „Liguidaticnemasse“, vom Jahre 1920 7 720 994 (Zun. 1805), andere Anlagen 3 892 346 (Zun. 447 078). Ver⸗ Banknotenumlauf 90 904 398 (Zun. 10 158 280), e Verbindlichkeiten 6 635 669 Oesterreichisch Ungarischen Bank (Zun. 1359), sonstige Verpflichtungen

Speisefette. Bericht von Gebr. Gaufe. Berlin 12. No. vember. Butter. Veranlaßt durch die starke Erhöhung der Schmalz⸗ und Margarinepreise, ist die Nachfrage lebhaft. Die Notierung wurde wiederum heraufgesetzt. Die heutige amtliche

pflichtungen. Gixoguthaben und sonstige sofort fälli (Abn. 1 498 662), Guthaben der „Liquidationsmasse“ 1 052 424 3 734 780 (Abn. 912 511).

5

Notierung ist: I1a Qualität 41 ℳ, IIa Qualität 38 ℳ, abfallende

an⸗

30 31 ℳ. Geschäft Teil

vorläufig des

Margarine.

Konsums

Bei erhöhten Preisen chwach, da sich ein

Preisen eingedeckt hat

85

zu, alten

Schmalz. Auch in dieser Woche waren die Preise heftigen Prese

schwankungen unterworfen, welche durch die Bewegungen am D markt hervorgerufen wurden. D en Anfang der Woche folgte ein scharfer Rückschlag gegen

Der starken Erhöhung der Pregiücr

Mitte ee

Woche, der jedoch wieder durch ein abermaliges Heraufgeben zum Sälsf

der Woche 8. wurde. Da die Kleinhändler ihre Vorräf ausperkaufen,

evor

G e er sie eine Ergänzung derselben zu den häben

Preisen vornehmen, ist das Geschäft zurzeit ganz minimal bei noni.

nelle

n Preisen.

im Schmalzhandel.

ganz

Wagengestellunga

irregulär.

Speck

Auch hier liegt das Geschäft Umsätze fanden kaum statt, und die

7 2 ½

für Kohle,

ebenso wie Preise sund

Koks und Briten

1 Riuhrrevier Oberschlesisches Revie Anzahl der Wagen

2 8 4 9 8

Gestellt.. Nicht gestellt. Beladen

geliefert.

Gestellt..

Nicht gestellt.

Beladen geliefert..

zurück⸗

zurück⸗

am 10. November 1921: 1141“ 1822

19 428

am 11. November 192 1 19 586

2 8

Berichte von auswärtigen Wertpapiermärkitn

Köln, 12. N

ovember. (W. T. B.) (Amtliche Devisenkurfe)

Holland 10021,95 G., 10050,05 B., Frankreich 2067,90 G. 2072,10 G

elgien 1968,00 G.,

England —,— G. Italien 1208,75 G.,

Norwegen 4105,85 G.

1972,00 B., Amerika 287,71 G. 288,2) 9 —,— B. Schweiz 5394,60 G., 5405,40 1211,25 B., Dänemark 5804,05 G., 5315,95 9 4114,15 B. Schweden 6493 50

6506,50 B., Spanien 4065,90 G., 4074,10 B., Prag 284,70 6;

285,30 8,12 B

282,71 G., 283,29 8 zahlungen: Warschau Pommerellen —,— G, —,— .

Danzig, 12.

B., Budapest 24,72 G., 24,78 B., Wien (neue) 808 G.

November. (W. T. B.) Noten: Amerskanisc Englische 1108,85 G., 1111,15 B. Holländische Polnische —,— G. —,— B. Ar. 7,28 ½ G., 228 B. Posen —,— G., —,— .

London, 12. November. W. 8. B.) Devisenkurse. Paris 54,4, Belgien 56,97 ¼, Schweiz 20,86 ½, Holland 11,36 ½, New York ghu⸗ Spanten 28,97 ⅛. S 095

London, 12.

Lieferung 37,75. 1 Paris, 12. November. (W. T. B.) Devisenkurse. Deutschland 4¹⁵⁄16, Amerika 1386,50, Belgien 96,00, England 54,52 ½, Helland —,—, Italien 56,62, Schweiz 262,00, Spanien 189,50.

Zürich, 12.

1,85, Wien 0,16,

hage

Buenos Aires 172,00, Budapest 0,45, Bukarest 340,00, London 11,36 ½, Berlin 1,03, Paris 20,85 ½, Kopenhagen 54,25 5

287,87, Brüssel

ländi

London 20,85, ss 38,20, Italien 21,65,

n 98,00, tock

Amsterdam,

Amsterdam ee Staatsanle

November.

Stock 19,95, Madrid —,—,

talien 96,37 Deutschland 1 B November. (W. T. B.) Silber 38,25, Sillber an

(W. T. B.) Devisenkurfe. Berlh Prag 5,60, Holland 183,50, New York 52990, holm 122,00, Christiania 77,50. Madrid 79 10, Agram 170,00. (W. T. B.) Devisenkurse ),85 ½, Schweiz 54,40, Wien 0 00 9 olm 66,55, Christiania 43,00, New Alett Italien —,—.

12. Novpember. (W. T. B.) 5 % Nieder ihe von 1915 90,00, 3 % Niederlnd, Shͤun⸗

12. November.

anleihe 62 ⁄1., 3 % Deutsche Reichsanleihe Januar⸗Juli⸗ECouprr

—.—

Linie 155,75, Atchison —,—, Southern Pacisic 91,00, Southern Railway —,—,

Königlich

Niederländ. Petroleum 425,00, Holland⸗Amerit⸗

Rock IJzland

son, Topeka & Santa Fe. —,—, Union

Poerihe Anaconda 98,50 United States Steel Corp. 9481. Matt.

Kopenhagen, London 21,05, Antwerpen 36,80, Zürich 100,35,

New

12. November. (W. T. B.) York 536,00, Hamburg 2,05, Amsterdam 185,50,

Devisenkurse. Paris 380, Stockholm

122,90, Christiania 80,00, Helsingfors 10,30.

Christranta, London 26,40, Hamburg 2,50, Paris 48,50,

Amsterdam 233,00, 47,00, Stockholm 155,00, Kopenhagen 126,00.

12. November. (W. T. B.) Dervisenhnse 6 New NYork 668,00, Zürich 122,09, Helsingfors 13,25, Antnere

12. November 1

Aeron 8

autisches Observatorium. indenberg, Kr. Beeskow. 921. Drachenaufstieg von 5 ¼ a

b bis 6 ¼ 8.

Seehöhe

m mIim

Luftdruck

Wind

Gelchwind. V Selund⸗

Relative

Feuchtig⸗ keit

Temperatur C0

oben unten Meter

122

2

753,7 718 674 637

9

(Fortssetzung des Nichtamtlichen in der Ersten

Opernhaus.

Schneede

——

Sicht: 3 km. Starker Reifansatz

cke. I

und Zweiten Beilage.)

Theater.

(Unter den Linden.) 88 ienstag:

bezugsvorstellung. Madame Butterfly. Anfang 7 ½ Uhr. MNiittwoch: Tristan und Isolde. Anfang 6 Uhr. Donnerstag: Mignon. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. (Am Gendarmenmarkt.) Dienstag: 224. Daner vxNC Othello, der Mohr von Venedig. Amtang Uhr.

Mittwoch: Tor

Donnerstag: Peer Gynt. Anfang 7 ½ Uhr.

quato Tasso. Anfang 7 ½ Uhr.

Verantwortlicher Schriftleiter: Direktor Dr. Tyrol. Charlottenburz Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftsstele

Rechnungsrat

engering in Berlin.

88 Verlag der Geschäftsstelle (Menaering) in Berlin 8 Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsanstalt

Berlin Wilhelmstr 32 Fünf Beilagen

Berlin, Montag, den 14. November

(Fortsetzung aus dem Hauptblatt.)

DSDeutscher Reichstag. 144. Sitzung vom 11. November 1921, Nachmittags 2 Uhr. (Bericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger“).)

Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen.

Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Moses (U. Soz.) wird re⸗ vgierungsseitig erwidert, daß der Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten gegenwärtig dem Reichsrat vorliegt und daß auf seine beschleunigte Erledigung hingewirkt werden wird. Ein Entwurf zu einem Tuberkulosegesetz ist ausgearbeitet und wird voraussichtlich noch in dieser Tagung dem Reichstag vorgelegt

werden. Die gesetzlichen Maßnahmen gegen den Alkoholmißbrau⸗

werden im Reichswirtschaftsministerium bearbeitet; die Verhand⸗ lungen mit den Landesregierungen sind noch nicht zum Abschluß elommen.

3 Eine Anfrage des Abg. Kün sih⸗ r (u. Soz.) führt Beschwerde darüber, daß bei der Beisetzung des früheren bayerischen Königs eine Ehrenkompagnie der Reichswehr gestellt worden ist. Die Ant⸗ wort der Regierung lautet dahin, daß dem verstorbenen König Ludwig von Bayern die ihm als Generalfeldmarschall zustehenden militärischen Ehren erwiesen worden sind. Eine Ergänzungs⸗ anfrage, ob die Reichsregierung eine Anweisung des Reichswehr⸗ ministers zum Salutschießen durch eine bayerische Batterie billigt, wird nicht beantwortet. 8“

Eine Anfrage des Abg. Dr. Breitscheid (u. Soz.) nach den Gründen der Verweigerung einer Einreiseerlaubnis für den däni⸗ schen Dichter Andersen⸗Nexö wird dahin beantwortet, daß vor etwa einer Woche die deutsche Gesandtschaft in Kopenhagen angewiesen worden ist, die Einreiseerlaubnis zu erteilen, und die badische Regierung gebeten worden ist, die Aufenthaltserlaubnis zu geben.

Die Abgg. Hemeter (D. Nat.) und Genossen verlangen Aus⸗ kunft, warum nicht rechtzeitig genug Eisenbahnwagen zum Kar⸗ toffeltransport bereitgestellt sind. In der Antwort der Regierung wird festgestellt, daß die Eisenbahnverwaltung sich der Wichtigkeit der rechtzeitigen und ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit Winterkartoffeln von Anfang an bewußt war und daß sie alles getan hat, um den Wagenbedarf zum Kartoffeltransport zu be⸗ friedigen. Der Erfolg ihrer Maßnahmen war, daß bis zum 10. Oktober d. J. die Wagengestellungszahlen von Tag zu Tag an⸗ stiegen. Die Gestellung ging allerdings Mitte Oktober zurück, weil im Eisenbahndirektionsbezirk Königsberg die Verladung von Kar⸗ toffeln vollständig gesperrt werden mußte, da die polnischen Bahnen die ihr angebotenen Frachtenzüge nur zögernd übernahmen und des⸗ halb eine vollständige Verstopfung auf den ostpreußischen Eisen⸗ bahnen drohte. Die Eisenbahnverwaltüng griff in diesem Augen⸗

blick sofort ein und ließ die Annahme von Frachtstückgut

aller Art sperren. Diese Sperrmaßnahmen hatten den Erfolg, daß die tägliche Wagengestellungszahl für Kartoffeln vom 22. Oktober ab wieder 6000 überstieg. Trotz der bekannten ungünstigen Ver⸗ hältnisse ist es der Eisenbahnverwaltung gelungen, in der Zeit vom 1. September bis 31. Oktober d. J. 44 Millionen Zentner Kartoffeln zu befördern. Außerdem sind in Berlin beispielsweise in der Zeit vom 16. bis 22. Oktober fast 96 000 Zentner Kartoffeln als Stückgut eingegangen. In Pommern sind in der Zeit vom 1. September bis 31. Oktober d. J. für den Kartoffelversand 10 246 Wagen mehr gestellt worden als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Obwohl seit Anfang November die Wagenanforde⸗ rungen für Kartoffeln stark zurückgegangen sind, wird alles getan, um den Bedarf an Wagen zu befriedigen.

Eine Anfrage der Abgg. Hemeter und Behrend (D. Nat.) verlangt Auskunst, ob die in der Presse aufgetauchten Gerüchte von der Ausfuhr erheblicher Mengen von Kartoffeln und Zucker nach dem Ausland mit Genehmigung der Regierung zutreffen. Die Re⸗ gierungsantwort erklärt, es sei nicht richtig, daß mit Genehmigung der deutschen Regierung erhebliche Mengen von Zucker und Kar⸗ toffeln in das Ausland ausgeführt worden sind. Für Zucker ist überhaupt keine Ausfuhrgenehmigung erteilt worden. An Kartoffeln sind lediglich nach Oesterreich 6000 Tonnen ausgeführt worden und außerdem 5200 Tonnen Saatkartoffeln nach Belgien und Frankreich, zu deren Lieferung wir auf Grund des Versailler Friedensvertrages verpflichtet waren.

Schließlich wird eine Anfrage des Abg. Dr. Rosenfeld (u. Soz.) dahin beantwortet, daß die Büste des früheren Kaisers Wilhelm II. im Mai d. J. aus dem Großen Sitzungssaal des Reichsgerichts entfernt und in dem dahinterliegenden Beratungs⸗ zimmer untergestellt worden ist. Sie befindet sich jetzt nicht mehr in den Diensträumen des Reichsgerichts.

Der Gesetzentwurf über Notstandsmaß⸗ nahmen zur Unterstützung von Empfängern von Renten aus der Invalidenversiche⸗ rung wird auf Vorschlag des Präsidenten Löbe dem Sozialen Ausschuß debattelos bheewie süih.

Das Haus tritt in die zweite und britte Beratung der dritten Ergänzung zum Besoldungsgesetz ein.

Abg. Frau Zietz (u. Soz.) begründet einen Antrag ihrer

Fraktion, der Eb1 der bisherigen 13 Befosdungs⸗ gruppen in sseben und eine Erhöhung der in der Regierungs⸗ vorlage vorßesehenen Gehaltssätze verlangt. Der unsoziale Charakter des Regierungsentwurfs werde ganz besonders dadurch verschärft, daß die unteren und mittleren Beamten den höͤheren Beamten gegenüber außerordentlich schlecht wegkommen. Diese Ungerechtigkeiten müssen unbedingt abgestellt werden. Ei⸗ tuglantrag der Unabhängigen, den die Rednerin dann befürwortet, will es bei den bisherigen 13 Gehaltsgruppen belassen, sieht aber für diese Gruppen erhöhte Anfangs⸗ und Endgehälter vor. Die Besoldungsordnung soll in der Weise geändert werden, daß das Endaehalt nach 10 Jahren in fünf Stufen erreicht wird. Die An⸗ geherigen der Reichswehr sollen aus der Beamtenbesoldungs⸗ ordnung gestrichen und in eine besondere Besoldungsordnung ein⸗ gruppiert werden. Für den Fall, daß die Reichswehr in der Be⸗ so dungsordnung A 1 verbleibt, sollen die Beamten der Gruppe in die Gruppe II eingereiht werden. Der Teuerungszuschlag soll für alle Gehaltsgruppen 9000 betragen. Alle männlichen und weiblichen außerplanmäßigen Beamten der Reichsverwaltung ollen im ersten und zweiten Jahre des Diätatendienstalters 95, im dritten 98 und im vierten und sänfte Jahre 100 Prozent des Anfangsgrundgehal’s derjenigen Gruppe erhalten, in der der außerplanmäßige Beamte beim“ regelmäßigen Verlauf seiner Dienstlaufbahn zuerst planmäßig angestellt wird. Wenn Sie, so führt die Rednerin zur Begründung der Anträge aus, unseren Anträgen zustimmen, dann haben Sie wenigstens einen Teil dessen wieder gu’gemacht, was in der Vorlage schlecht gemacht worden ist, und Sie würden damit die ungeheure Erregung, die bei 28. mitleren und Unterbeamten zum Ausdruck gekomneen in, wenigstens einigermaßen abmildern. Mit der Entschließung die —y

* Mit Ausnahme der durch Sperrdruck hervorgehobenen Reden der Herren Minister, die im Wortlaute wiedergegeben sind.

Ein Even⸗

von den bürgerlichen Parteien eingebracht worden ist, ist es nicht getan; Sie haben die Beamten bis jetzt noch bei jeder Neuregelung auf die Zukunft vertröstet, und damit werden sie sich nicht mehr zufrieden geben. In den Kreisen der mittleren und Unterbecamten herrscht eine ungeheure Erbitterung; der Gemeinden und Städte ist erst heute morgen hier an dieser Seelle eine Kritik an der geübt worden, die scfärser als die, die wir geübt haben; selbst im Reichsrat hat sich eine heftige Opposition egen die Vorlage geltend gemacht. Mit dieser riesigen Oppossttso müssen Sie rechnen, und wenn Sie trotzdem die Vorlage an⸗ nehmen, dann müssen Sie auch die Folgen tragen, die sich daraus ergeben werden. (Beifall bei den U. Soz.)

Damit schließt die Besprechung.

Art. 1 wird unter Ablehnung der Anträge der Unab⸗ hängigen in der Fassung der Vorlage angenommen, ebenso die Artikel 2 und 3.

Zu Artikel 4 (Witwen⸗ und Wartegelder) begründet

Abg. Frau Zietz (U. SSs einen Antrag, wonach die Re⸗

ierung vor der endgültigen Regelung die im Entwurf vorge⸗ ee Erhöhungen der Einzelgehälter, der Wartegelder und der Witwenpensionen in den Gruppen X bis XIII nicht auszahlen darf. Der Höchstbetrag des Wartegeldes, so führt Rednerin aus, soll von 18 000 auf 60 000 erhöht werden. Dabei befinden sich unter den Beziehern dieses Wartegeldes frühere Beamte, die in der Industrie hochbezahlte Posten mit Gehältern bis zu 150,000 und 200 000 bekleiden. Andere haben sich geweigert, eine ihnen im Reichsdienst angebotene Tätigkeit zu übernehmen. Den Inva⸗ liden will man das bißchen anrechnen, was sie sich durch ihrer Hände Arbeit mühselig verdienen; hier sollen Riesensummen für Wartegelder und Witwengelder hinausgeworfen werden. Wenn Sie diese Bestimmungen annehmen, so wird dis Ansehen des Reichstags, das sowieso schon tief genug gesunken ist (Ruf rechts: Durch Sie!), noch mehr herabsinken.

Ministerialdirektor v. Schlieben: Ich kann mitteilen, daß die Reichsregierung schon seit einiger Zeit einen Gesetzentwurf vorbereitet hat, durch den die Wartegeldempfänger bei Verlust ihres Wartegeldes gezwungen werden sollen, eine ihren Fähig⸗ keiten und sonstigen Verhältnissen entsprechende Tätigkeit im Reichsdienst wieder zu übernehmen. Dieser Gesetzentwurf liegt augenblicklich dem Reichsrat vor, und es ist anzunehmen, daß er in kurzer Zeit dem Reichstag zugehen wird.

Abg. Frau Zietz (U. Soz.): Dann würde um so mehr Anlaß vorliegen, die Auszahlung dieser erhöhten Beträge einstweilen zu inhibieren, bis die Frage im Zusammenhange mit dem ange⸗ kündigten Gesetzentwurf geregelt werden kann.

Artikel 4 wird unter Ablehnung des Antrags Zietz (u. Soz.) angenommen, ebenso unverändert der Rest des Gesetzes.

Eine von den sämtlichen bürgerlichen Par⸗ teien und den Mehrheitssozialdemokraten ge⸗ meinsam eingebrachte Entschließung wird angenommen, wonach die Regierung baldmöglichst in eine Nachprüfung der Bezüge der Reichsbeamten sowie der noch vorhandenen Spannung in den Bezügen der Beamten der einzelnen Orts⸗

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klassen eintreten soll.

Abg. Bartz (Komm.) befürwortet eine Entschließung seiner Partei, wonach die Beamten der Besoldungsgruppen I bis VII. sowie die Reichs⸗ und Staatsarbeiter und Diätare mit einem Jahreseinkommen unter 30 000 Mark eine einmalige Wirtschafts⸗ bei ilse von 3000 Mark und 500 Mark für jedes Kind erhalten sollen, die bis zum 15. d. M. ausgezahlt werden soll. Er begründet diese Entschließung mit dem Hinweis auf die gegenwärtige Teue⸗ rung und den notwendigen Ausgleich mit den viel mehr erhöhten Gehältern der höheren Beamten.

Die Entschließung Bartz wird gegen die Stimmen der Unabhängigen und der Kommunisten abgelehnt.

Abg. Frau Zi % (U. Soz.) begründet eine Entschließung ihrer Partei, wonach die Kosten, die den Gemeinden aus der Erhöhung der Beamtenbezüge erwachsen auf das Reich zu übernehmen sind. Sie führt aus, daß, wenn diese Entschließung nicht angenommen würde, die Vertreter der Gemeinden in den Vorzimmern der Minister antichambrieren müßten, und daß dann diejenigen am meisten berücksichtigt werden würden, die die besten Beziehungen haben. Das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden würde dadurch untergraben und die Gemeinden würden in völlige Abhängigkeit von der Regierung geraten. Deshalb müßten die Gemeinden einen Rechtsanspruch darauf erhalten, daß ihre Kosten für die Gehaltsverbesserungen vom Reiche getragen werden. Den Ge⸗ meinden habe man ja ihre Einnahmequellen so gut wie verstopft.

Ministerialdirektor v. Schlieben verweist auf seine gestrige Erklärung, daß schon über die Deckung der Kosten der Länder und Gemeinden Richtlinien mit dem Reichsrat vereinbart seien; es sollten nicht nur Vorschüsse, sondern eventuell Zuschüsse an die Länder und Gemeinden gegeben werden. 1 1

Abg. Frau Zietz erwidert, daß die Gemeinden bekanntlich sehr schwer solche Zuschüsse erlangen könnten und daß dabei parteiisch verfahren werde.

Die Entschließung Zietz wird gegen die Stim der Unabhängigen und der Kommunisten abgelehnt.

n der dritten Lesung erklärt

xbg. Alpers (D. Hann.): Der Gesetzentwurf entspricht nicht den Wünschen der Beamten, namentlich werden viele Klagen über die Ortsklasseneinteilung laut. Wir würden dem Gesetz wider⸗ sprechen, wenn nicht die Spitzenorganisationen selbst auf die Ver⸗ abschiedung drängten. Wir stimmen nur mit schweren Bedenken in der sicheren Erwartung zu, daß die Regierung sehr bald eine Nachprüfung vornimmt und die vorhandenen Härten und Unge⸗ rechtigkeiten beseitigt. 8

Abg. Frau Zietz (U. Soz.): Während die Regierung sich den Anschein gibt, als bemühe sie sich um die Linderung der Not der Beamten, gibt es eine ganze Anzahl von Beamten und Angestellten bei der Reichsversicherungsanstalt, die noch nicht einmal in den Besitz der Bezüge gekommen sind, die ihnen auf Grund des Gesetzes vom 30. April 1920 zustehen. (Hört, hört! links.) Andere Beamte dieser Behörde, die auf die ihnen gesetzlich zustehenden 1 Sers güsf⸗ erhalten haben, sind vom Präsidenten Koch aufgefordert worden, diese Vorschüsse in vier Vierteljahresraten zurüzuzahlen. Eine solche Maßnahme ist geradezu unerhört und unerklärlich und läßt geradezu an der Zurechnungsfähigkeit dieses Herrn zweifeln. Die in Betracht kommenden Beamten und Angestellten verlangen denn auch mit Recht die Abberufung des Präsidenten Koch, der monarchistisch gesinnte Beamte bevorzugt und dieserhalb wahr⸗ scheinlich die Kbeh hinaufsallen wird.

Abg. Plettner (Komm.): Der vorliegende Gesetzentwurf hat bei den Beamten größten Unwillen hervorgerufen. Das lam besonders deutlich in der gestrigen Protestversammlung der Beamten in der Neuen Welt zum Ausdruck. Wenn die Vertreter der Beamtenspitzenorganisationen dieser ügestinimt haben, so haben sie das nur unter dem Druck der egierung getan, die einfach erklärte, nicht mehr geben zu können. Die staat⸗ lichen unteren Beamten, Angestellten und Arbeiter werden aber bald, durch die Not gezwungen, von dem letzten Mittel, der

ten

Bezüge

Arbeitsverweigerung, Gebrauch machen und so eine Regelung nach

den Grundsätzen der sozialen Gerechtigkeit erzwingen. Wenn der Reichstag seinerseits dieser Vorlage zustimmt, ohne den Versuch einer e Regelung zu machen, so schaltet er sich selbst aus. Wir unsererseits werden alles tun, um die Beamten und Staats⸗ arbeiter davon zu überzeugen, daß ihre Interessen vom Reichstag nicht hinreichend wahrgenommen worden sind. Die Beamten müssen endlich den Standesdünkel aufgeben. Wenn sie mit den Arbeitern zusammenhalten, sind sie ein Machtfaktor gegenüber der Regierung. Die jetzige Besoldungsregelung ist unzulänglich, wie

werden den Beamten sagen, daß sie alsbald neue Forderungen stellen sollen. 1

Die Vorlage wird unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen.

Es folgen die Interpellationen in bezug auf die Getreidewirtschaft und den Waren⸗ wucher.

Die Deutschnationalen Hergt und Genossen inter pellieren die Regierung, ob sie rechtzeitig Maßnahmen zur Sicherung der Einfuhr ausländischen Brotgetreides ergreifen und die Zwangswirtschaft für Zucker, Milch und Milch⸗ produkte und Getreide aufheben wolle. (Diese Interpellation ist bereits am 29. April 1921 eingebracht worden.)

Die Deutschnationalen interpellieren ferner die Regierung darüber, welche Maßnahmen sie gegen die Ver⸗ schiebung von Getreide in das Ausland ergreifen will.

Die Mehrheitssozialdemokraten Müller⸗Franken und

Genossen interpellieren unter Hinweis auf die Preissteige⸗

rung für Getreide, Kartoffeln, Leder und Rohwolle die Regie⸗ rung, wie sie die Preissteigerung der Waren deutscher Her⸗ kunft und den offen betriebenen Wucher unterbinden wolle.

In Verbindung mit diesen Interpellationen findet die erste Beratung des von den Unabhängigen Sozia listen eingebrachten Gesetzentwurfs über die Regelung des Verkehrs mit Kartoffeln statt, wonach für das Wirt schaftsjahr 1921/22 6 Millionen Tonnen Kartoffeln im Wege der Umlage aufzubringen sind.

Abg. Hemeter (D. Nat.): Es ist bedauerlich, daß unsere Interpellation, die mit Unterstützung aus der Deutschen Volks⸗ partei und dem Bayerischen Bauernbund schon im Frühjahr ein gebracht worden ist, erst jetzt zur Beratung kommt. Infolgedessen ist sie bezüglich des Zuckers und der Milch schon überholt, nuc beim Getreide ist das Umlageverfahren geblieben. Das Getreide⸗ umtageverfahren ist gegen unseren Willen durchgesührt worden: es sind große Ungerechtigkeiten damit verbunden. Ein Teil der Landwirte muß jetzt mehr abliefern, als zu Zeiten der Zwangs⸗ het hats Das Ablieferungsergebnis ist nach den Erklärungen der Regierung zufriedenstellend gewesen. Von der Gesamtumlage von 2,5 Millionen Tonnen sollten bis zum 15. Oktober und 15. De⸗ zember je ein Viertel, bis zum 15. Dezember also 1 250 000 Tonnen abgeliefert werden. Bis zum 2. November sind aber bereits 1 145 000 Tonnen = 56 Prozent abgeliefert worden. Trotzdem richten wir erneut den Appell an unsere Landwirte, alles zu tun, um ihrer Ablieferungspflicht nachzukommen. Die Landwirtschaft hat also ihre Pflicht getan. Wir halten aber an unserer Forde⸗ rung fest, daß für die Ernte von 1922 die Getreidebewirtschaftung 1 vollkommen freigegeben wird. Die Zwangswirtschaft hat die Pro⸗ duktion vermindert. Die Anbauflache für Roggen und Weizen zusammen betrug im Deutschen Reich nach dessen Bestand vom Jahre 1921 im Jahre 1913 7 014 000 Hektar, 1920 5 706 000 Hekrar, 1921 5 738 000 Hektar. Es ist also nach dem Rückgang von 1920 wieder eine Vermehrung im Jahre 1921 eingetreten, die durch die Lockerung der Zwangswirtschaft erfolgt ist. Dasselbe zeigt sich beim Ertrag pro Hektar. Er betrug an Brotgetreide zusammen für den Hekkar im Jahre 1913 43 Doppelzentner, 1920 27 Doppel⸗ zentner, 1921 33 Doppelzentner. Also wieder eine wesentliche Besserung infolge Lockerung der Zwangswirtschaft. Die Freigabe der Getreidebewirtschaftung im nächsten Jahre dient zur Hebung der Produktion. Die Förderung der landwirtschaftlichen Pro⸗ duktion ist gerade jetzt wichtig, wo die Lasten des Ultimatums schwer auf uns drücken. Daher sehen wir in der Reneer1

ewaltige Bestrebungen, um die Produktionsförderung in schnelleres Tempo zu bringen. Zu diesem Zweck hat die Spitzenorganisation der Landwirtschaft den Reichsausschuß. speziell zur Anregung der Produktion einen besonderen Unterausschuß ins Leben gerufen. Die Grundlage für die Förderung der Produktion ist die völlige Freia⸗ gabe der Bewirtschaftung. (Zwischenrufe links.) Die Unab⸗ hängigen beantragen nun ein Gesetz zur Uebertragung des Umlage⸗ verfahrens auch auf den Kartoffelverkehr, sie wollen außerdem die Umlagemenge für Getreide von 2 ½ auf 3 ½ Millionen Tonnen erhöhen. Beide Anträge haben keine andere Tendenz, als die Zwangswirtschaft von neuem einzuführen.

Bei diesem Versuch werden sie den schärfsten und entschlossensten Widersktand der Landwirtschaft finden. Unsere Bauern sind nicht mehr gewillt, sich so unwürdig behandeln und schikanieren zu lassen wie unter der Zwangswirkschaft. Der Versuch der Wiedereinführung der Zwangswirtschaft muß betrachtet werden als eine Schikane gegen-⸗ über der Landwirtschaft (Gelächter und Lärm links); er bedeuiee auch infolge der Produktionsverminderung eine Herabdrückung der Ernährungsmöglichkeiten unseres Volkes. Damit komme ich zu der zweiten von uns eingebrachten Interpellation. Ernte 1920 ist bekanntlich ein Teil der Ernte an Brotgetreide freigegeben worden. Dieses freie Getreide ist nun infolge der dauernden Geldentwertung im Preise wesentlich gestiegen und im Zusammenhang damit sind in der Bevölkerung eine enge von Gerüchten in die Welt gesetzt worden, die Preissteigerung sei die unmittelbare Folge der dauern⸗ den Verschiebungen von Inlandsgetreide nach dem Auslande. So baben verschiedener Richtungen Meldungen über angebliche treideverschiebungen nach dem Auslande gebracht. Danach sollen vom Bahnhof Bebra aus, von Blankenburg a. H., von Rosenberg (Schles.) aus Verschiebungen ins Wer gesetzt worden seien. Weiter wird behauptet, daß die Polen große Mengen deutschen Getreides aufgekauft haben. Der Landrat von Meiningen hat sich veranlaßt geseben, eine öffentliche Warnung vor Getreide⸗ verschiebungen zu erlassen. Das mußte natürlich in der Bevölke⸗ rung die Auffassung erwecken, daß an diesen Gerüchten doch etwas Wahres sein müsse. Positive Beweise für all diese Gerüchte haben sich nach unseren Feststellungen nicht beibringen lassen. Neue Nahrung haben sie bekommen durch die Gerüchte über Kartoffel⸗ verschiebungen, die allerdings eine greifbarere Form angenommen zu haben scheinen. Redner bezieht sich auf eine Eingabe des Be⸗ zirksbetriebsrats der Eisenbahndirektion Berlin sowie auf Mel⸗ dungen der ‚„Freiheit“ und eine Eingabe des Zweckverbands der Berliner Fruchthändler, welch letztere sogar behauptet, daß in der Berliner Zentralmarkthalle Agenten gegen hohe Provision Kar⸗ toffeln aufzukaufen suchen. Neben diesen Fällen allgemeiner Art sind aber auch durch die Presse Fälle ganz bestimmter Art nam⸗ haft gemacht worden. So ist in Zwickau ein Bankbeamter zu einem Jahr Zuchthaus und 100 000 Mark Geldstrafe nebst den üb⸗ lichen Nebenstrafen verurteist worden, weil er mehr als 40 Zentner Kartoffeln nach der Tschechossowakei eingeschmuggelt hatte. Der Landbund Eisleben gibt die Namen zweier Firmen bekannt, die

Mit Beginn der