Ministerium des Innern.
Das Preußische Staatsministerium hat den Regierungs⸗ und Seulsee Werner in Oppeln zum Oberregierungsrat ernannt.
—₰
Dem Oberregierungsrat Werner ist die Stelle des zweiten Dirigenten der Kirchen⸗ und Schulabteilung bei der Regierung in Oppeln übertragen worden. 6
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Die neue Zinsscheinreihe zu den Schuldverschrei⸗ bungen der preußischen konsolidierten 3 ⅛ (vp. 4) zinsigen Staatsanleihe von 1882 und der 3 ⅛ zinsigen Reichsanleihe von 1892/˙93 werden vom 1. Dezember 1921 ab durch die bekannten Vermittlungsstellen ausgereicht.
Berlin, den 2. November 1921.
Hauptverwaltung der Staatsschulden
und Reichsschuldenverwaltung. — —
Ministerium für Volkswohlfahri.
7 „Dem Oberregierungsrat Dr. Weber im Ministerium für Volkswohlfahrt ist die nachgesuchte Entlassung aus dem Staats⸗ dienst erteilt worden.
Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.
Die Wahl des bisherigen Direktors der Stadttöchter⸗ schule II. in Hannover Dr. Wülker zum Oberstudiendirektor der städtischen Sophienschule in Hannover ist namens des Preußischen Staatsministeriums bestätigt worden.
6
Die von heute ab zur Ausgabe gelangende Nummer der Preußischen Gesetzsammlung enthält unter
Nr. 12 192 das Gesetz über den Staatsvertrag, betreffend den Uebergang der Wasserstraßen von den Ländern auf das Reich, vom 26. September 1921.
Berlin W., den 14. November 1921. Gesetzsammlungsamt. Krüer.
54
“
Nichtamtliches Deutsches Reich.
Das Reichskabinett, das gestern nachmittag zu einer Sitzung zusammentrat, behandelte die schwebenden Fragen der Reparationsverhandlungen und der Kreditaktion der Industrie; an den Beratungen nahmen neben den Ministern die Staatssekretäre der verhandelnden Ressorts teil. Die Be⸗ ratungen des Kabinetts werden heute nachmittag fortgesetzt.
Ueber die Besprechungen mit der Reparationskommission gehen in der Presse die verschiedensten Gerüchte um. Laut Meldung des „Wolffschen. Telegraphenbüros“ mwird hierzu fest⸗ gestellt, daß alle Mitteilungen über die Verhandlungen auf Kombinationen beruhen, die geeignet sind, die öffentliche Meinung zu verwirren. Solange die Verhandlungen dauern, können amtliche Erklärungen darüber aus Gründen des Staatsinteresses nicht erfolgen. Alsbald nach Abschluß der Beratungen wird ihr Ergebnis bekanntgegeben werden. Ge⸗ gebenenfalls wird die Regierung im Reichstag Mitteilung machen.
— —
Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrats für Haushalt und Rechnungswesen und für innere Verwaltung hielten heute eine Stzung. 6
Die Vertreter des Gesamtbetriebsrais 8 Werkes Spandau der Deutschen Werke A.⸗G. unter Führung des Vorsitzenden Lück haben gestern im Auftrage der deutschen Arbeiterschaft mit General Nollet verhandelt. Bei der Besprechung war auch General Bingham zugegen. In der mehrstündigen Besprechung, begründete der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ berichtet, die Forderungen der Arbeitnehmer, die auf Zurück⸗ ziehung der seit September 1921 gegen die Deutschen Werke A.⸗G. erlassenen Noten abzielten. Die Vertreter der Arbeitnehmerschaft ließen keinen Zweifel darüber, daß sie auf Erfüllung ihrer Forderungen bestehen würden. General Nollet versprach, die von den Arbeitnehmervertretern gegen die Ententemaßnahmen vorgebrachten Gründe’ der Botschafter⸗ konferenz zu übermitteln, da er diese Gründe für Aufhebung der Noten durchaus würdige. Die Arbeitnehmer haben ihre weitere Haltung davon abhängig gemacht, ob die alsbaldige Rücknahme der Noten durch die Botschafterkonferenz erfolgt.
Der Unterausschuß Asphalte und Asphalt⸗ produkte hat in seiner am 28. Oktober 1921 in der Außen⸗ handelsstelle Chemie abgehaltenen Sitzung für sein ganzes Arbeitsgebiet die Fakturierung in Auslandswährung, Mindest⸗ ausfuhrpreise und Lieserwerksbescheinigung vorgeschrieben.
Vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirt⸗ schaft ist durch Erlaß vom 15. Oktober 1921 dem Unter⸗ ausschuß für Klebstoffe und Appreturmittel der Außenhandelsstelle Chemie die Zuständigkeit für die Bearbeitung von Ein⸗ und Ausfuhranträgen für Stärke und Stärke⸗ erzeugnisse, Klebstoffe und Appreturmittel, alles für technische Zwecke, gegeben worden.
In der Ausschußsitzung vom 1. November 1921 wurde die Fakturierung in Auslandswährung und Beibringung der Lieferwerksbescheinigung beschlossen.
8 Der Unterausschuß für Kampfer, und Roh⸗ zelluloid hat in seiner Sitzung vom 4. November 1921 neue Richtlinien für die Erteilung von Ein⸗ und Ausfuhrbewilligungen aufgestellt, die im einzelnen bei der Außenhandelsstelle Chemie erfragt werden können. 5* 1 —
Bayvern. Der Ministerpräsident Graf Lerchenfeld ist aus Berlin zurückgekehrt. Der Korrespondenz Hoffmann zufolge hatte er bei seinem Aufenthalt in Berlin Gelegenheit, mit dem Reichs⸗
V
auf Kabinetts bezüglich angesehen werden könne.
kanzler und einer Anzahl von Reichsministern sich über die allgemeinen Fragen der inneren und äußeren Reichs⸗ politik, dabei vor allem über die Bayern berührenden Ange⸗ legenheiten auszusprechen. Hier stand die Sorge um Maß⸗ nahmen gegen ie Preiskreiberei und Teuerung sowie die Sicherstellung der Versorgung Bayerns mit Kartoffeln und Getreide im Vordergrunde. Dabei ist der bayerische Stand⸗ punkt in weitestgehendem Maße anerkannt worden. Was die in der Presse wiederholt erwähnten Verhandlungen über das Konkordat anbelangt, so ergaben sich diese aus dem Zusammen⸗ treffen der Reise des Nuntius mit der Reise des Minister⸗ präsidenten nach Berlin. Dabei handelte es sich lediglich um Vorbesprechungen über den Abschluß eines Reichskonkordats mit der Maßgabe, daß der Fortführung der Verhandlungen über ein selbständiges bayerisches Konkordat zwischen der bayerischen Regierung und der Kurie nichts Braunschweig. v“““ In der Landesversammlung legte gestern vor Ein⸗ tritt in die Tagesordnung der Abgeordnete Erdmann (Soz.) unter Bezugnahme auf tumultarische Vorgänge in den letzten beiden Sitzungen, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ meldet, Ver⸗ wahrung dagegen ein, daß der Abgeordnete Blasius seine verurteilende Kritik an dem Staatsministerium so allgemein gehalten habe, daß sie auch als f die beiden mehrheitssozialistischen Mitglieder des Das sei aber unberechtigt. Den unabhängigen Abgeordneten müsse der Vor⸗ wurf gemacht werden, daß sie durch ihr Verhalten Ansehen und Würde des Hauses schwer geschädigt hätten. Auf Wunsch der U. S. P., die zu dieser Erklärung Stellung zu nehmen wünschte, wurde die Sitzung sodann auf heute vertagt.
Amtlich wird gemeldet, daß die Bundestruppen gestern die vorgeschriebene Marschlinie ohne Störung erreicht haben. Nordwestlich Oedenburg sind die Truppen nach Ueber⸗ schreitung der Vulkabachlinie in Rohrbach, weiter in Draßburg und Siegendorf, nördlich von Oedenburg in St. Margarethen
und Moerbisch eingezogen. Oestlich des Neusiedlersees sind die
Truppen bis Halbthurn und Nickelsdorf, nordöstlich des Sees bis Jarnburg und Kitsee gekommen. Auch heute wurden die Truppen bei den Burgenländern überall sehr herzlich empfangen.
Ungarn. Nach einer Meldung des „Ungarischen Korrespondenz⸗ büros“ gab der Ministerpräsident Bethlen dem Reichsverweser die Demission der Regierung bekannt. Der Reichsverweser behielt sich die deeseh ees vor und ersuchte die Regierung
“
8.
die Geschäfte weiterzuführen.
Großbritannien und Irland. Der König von England hat am Sonnabend in einem Telegramm an den Präsidenten Harding anläßlich der Er⸗ öffnung der Washingtoner Konferenz seine guten Wünsche für den Erfolg der Beratungen eee Der gute Wille des britischen Volkes für die Erhaltung des Friedens sei der Konferenz sicher. 11“
— Gestern vormittag wurde unler dem Vozsitz Lloyd Georges ein Ministerrat ahgehalten, in dem hie Antwort
auf die letzte Mitteilung des Kabinetts von Nord⸗ irland zur Erörterung kam. Entsprechend einer früheren An⸗ kündigung wird kein Bericht darüber veröffentlicht werden. Die Sinnfeiner⸗Delegierten, die mit Ausnahme von Grissith das Wochenende in Dublin verbrachten, um sich mit Devalera zu besprechen, werden erst am Dienstag wieder in London er⸗
Zu der durch die französische Regierung erfolgten Kü gung des französisch⸗italienischen Handelsabkommens veröffentlicht die „Havas⸗Agentur“ eine offiziöse Note, aus der folgende Stelle hervorgehoben zu werden verdient:
Es handle sich nicht, wie einige italienische Blätter geglaubt zu haben scheinen, um eine glatte Kündigung der Konvention von 18388 und 1917, sondern um eine bedingungsweise Kündigung. Diese würde nur dann wirksam werden, wenn der ganz und gar unwahrscheinliche Fall eintrete, daß bis zum 1. Februar keine Verständigung über ein Uebergangsregime zustande käme. Dieser modus vivendi würde übrigens den beiden Regierungen gestatten, mit aller wünschenswerten Vorsicht an die Verhandlung über ein neues Handelsabkommen heran⸗ zugehen, das besser den augenblicklichen französisch⸗italienischen Handels⸗ interessen entspreche als die Konventionen von 1898 und 1917.
— Der Finanzausschuß der Kammer hat einstimmig einen Abänderungsantrag des Abgeordneten Dariac zum Finanzgesetz angenommen, der dahin geht, für das Jahr 1920 die Zahl der Beamten um 50 000 zu ermäßigen. Seit dem Jahre 1914 ist die Zahl der Beamten um 140 000 er⸗ höht worden.
6“ 9
E1“
Dänemark.
In seiner im Folketh ing gehaltenen Rede über die grönländische F 8e der Minister des Aeußern Scavenius laut Bericht des „Wolffschen Telegraphen⸗ buros“ u. a.: 8
Wenn man auf verantwortlicher norwegischer Seite zu der An⸗ schauung kommt, daß die Polemik zwischen den beiden Ländern lange genug gedauert hat, wird hoffentlich der Zeitpunkt gekommen sein, in dem wir von norwegischer Seite darüber einen Horschlag erhalten, Verhältnissen denkt. Ein solcher Vorschlag wird dänischer⸗ eits im Geiste des Verständigungswillens behandelt werden, der alle Zeit das dänische Ministerium des Aeußern beseelt hat und dies auch heute tut. Solange ich dänischer Minister des Aeußern bin, wird der Gedanke der nordischen Zusammen⸗ arbeit keine bloße Redensart sein. Daraus folgt aber auch, daß ich mich nicht daran beteiligen will, eine Polemik förtzusesen und auszu⸗ dehnen, die nur zu Zeitverlust führt und einen kuüͤnftigen Gedanken⸗ austausch zwischen den beiden Ministerien des Aeußern hindert. Was mich betrifft, so könnte ich mir denken, daß ein eventueller Vorschlag darauf ausgehen müßte, Sachkundige beider Parteien eine Unter⸗ suchung des Konflikts vornehmen zu lassen. Beide Regierungen müßten durch gegenseitige Verhandlungen auf der Grundlage der Untersuchungen der Sachverständigen zu einer Einigung zu gelangen versuchen, um die Verluste auszugleichen, die Norwegen möglicher⸗ weise durch die Erweiterung des dänischen Monopols erlitten q(qCä 1
Die Marinekommission hat der „Berlingske Tidende“ zufolge einen Bericht über die Neuregelung der See⸗ verteidigung Schwedens erstattet. Der Bericht wird geheim gehalten. Der Marinestab ist mit der Ausarbeitung eines Auszuges beschäftigt, der an die Reichstagsmitglieder verteilt und der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. In
im Wege stehe.
ndi⸗
wie sich Normwegen einen Schutz seiner Interessen unter den be⸗
einem Schreiben, das dem Bexicht beigegeben ist, jeilt dee Kommission in großen Zügen ihre Vorschläge mit, die daram hinausgehen, die Zahl ber Torpedo⸗ und Minenfahrzeuge eif Kosten der großen Artilleriefahrzeuge zu erhöhen. Ferner ist eine Entwicklung der Unterseeboote sowie eine Neuregelung des Flugwesens der Marine empfohlen. Laut Meldung der Litauischen Telegraphen⸗Agentur aus Wilna sind Zeligowski und der Vorsitzende der Wilnaer Verwaltungskommission Mokrzecki zurückgetreten und nach Warschau gereist. An die Spitze der eüservameng ist der polnische Großgrundbesitzer Aleksander eisztowitsch, der im Kownoer Gebiet Güter besitzt, und an die Spitze der Militärverwaltung General Konarzewski getreten.
Auf der kürzlich beendeten Wirts aistonferaan n Riga, an der Litauen, Lettland, Estland, Finnland und Sowjetrußland teilgenommen haben, wurden Vereinbarungen über Handels⸗, Finanz; und Wirtschaftsfragen getroffen. Ferner wurde ein vorläufiges Büro der Fefakenatziltehnet eingerichtet, um die Rückbeförderung des in Rußland befind⸗ lichen, den Vertragsstaaten zugesprochenen Besitzes zu he⸗ schleunigen und die in den abgeschlossenen Verträgen por⸗ gesehenen Konzessionen schneller zu verwirklichen. 3
5 — Südslawien.
Die „Prawda“ meldet aus Skutari, daß in Tirana große Panik wegen der Niederlage der Regierungstruppen im Kampfe mit den Miriditen herrsche. Man befürchte, daß die Miriditen gegen Tirana oder Skutari ziehen werden, denn die Regierung von Tirana besitzt keine genügende Zahl von Truppen mehr, um diesem Vormarsche entgegenzutreten. Aus Elbasan meldet man, daß das ganze Miriditengebiet in⸗ folge der Niederlage geräumt worden sei. Eine neue Abteiluug von Regierungstruppen aus Tirana, denen der Rückzug durch die Miriditen abgeschnitten wurde, hat die jugoslawische Grenze überschritten und ist interniert worden.
Griechenland.
Der griechische Kronprinz ist gestern in Smyrna eingetroffen.
Der Premierminister Gunaris umd der Minister des Aeußern Baltazzi haben das Ersuchen gestellt, bei der Er⸗ örterung der albanischen Frage vor dem Völkerbund gehört zu werden.
Rumänien.
Nachrichten aus Bessarabien besagen der „Agentur Orient Radio“ zufolge, daß die Sowjettruppen die Grenze am Dnjestr verlassfen, weil eine Verschlimmerung der Aufstande⸗ bewegung in der Ukraine sie zum Rückzug zwingt.
Amerika.
Der Präsident Harding hat gestern die Proklamation
unterzeichnet, in der der Frieden zwischen Ameritoe und Deutschland erklärt wird.
— Die Führer der Delegationen der fünf Großmächte,
Hughes, Balfour, Briand, Admiral Kato
Schanzer, sind gestern vormittag zusammengetreten, um das
Programm der Abrüstungskonferenz und das während
dieser Konferenz zu verfolgende Verfahren zu besprechen. Am Nachmittag hielten die Vertreter der fünf Großmächte mit den belgischen, chinesischen, niederländischen und partugiesischen Ver⸗ tretern eine Besprechung ühber das Programm der Konferenz. betr. den Fernen Osten, ab. Sobald das Programm für die Arbeiten der Konferenz endgültig festgestellt ist, wird es peröffentlicht werden.
Offiziell wird angekündigt, daß in der heutigen Sitzung
der Konferenz Balfour eine Rede halten wird, in der er im
Prinzip den amerikanischen Vorschlag, betreffend die Begrenzung der Rüstungen zur See, annehmen wird. Nach einer Havasmeldung hatte der Staatssekretär Hughes estern eine lange Konferenz mit Briand und dem französischen Botschafter 1; über die Lage Frankreichs gegen⸗ über Deutschland, über die französische Heeresstärke und den Betrag, den Deutschland schulde. — Das amerikanische Hanb elsbeHerte megn hat gefterg der „Chicago Tribune“ zufolge eine Ueber cht über ie Gesamtheit der deutschen Reparationsschuld per⸗ öffentlicht, die sich hiernach auf 32 455 600 000 Dollar beläuft und durch Schuldverschreibungen der Serien A, B, C gehes⸗ sei, von denen die Serie C noch nicht e.g sei. Bei ein festen Jahreszahlung von 476 600 000 Dollar, die vierteljährlich zahlbar ist, und einer 26 pro 1S. Abgabe vom Wert der deutschen Ausfuhr, die ebenfalls viertelzährlich, und zwar in bar oder in Waren zahlbar ist, werden — so sagt die Ver⸗ „öffentlichung — die geanten Zahtungen für bas am 30. April 1922 endende Reparationsjahr sich auf 5 512 730 000 Dollar belaufen. Die bis jetzt bezahlte Summe sei 369000000 Dollar.
Asien. 8
Der neue japanische Ministerpräsident Takahashn erklärt
nach einer Havasmeldung, daß er vollständig der Politik des
verstorbenen Hara hinsichtlich der Washingtoner Konferenzs
beistimme. Er sei überzengt, daß diese Konferenz von Erfolg gekrönt sein würde.
— Das japanische Budget sieht dem „New Vork Herolde zufolge für das kommende Jahr im Abschnitt für das Heer eine Herabsetzung von 273 Millionen auf 253 Millionen, für die Flotte eine solche von 490 auf 394 Millionen Yen vor.
—
Parlamentarische Nachrichten.
„Der Kohlensteuerausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsxats beriet am 12. Entwurf eines Gesetzes über Aenderung des Kohlensteüergesetzes. Die Steuer soll nach der Regierungs⸗ vorlage auf 40 pH des Wertes der gelieferten oder sonst abgegebenen ꝛc. Kohlen eihöht werden. Die Sätze sind aber für die verschiedenen Bergwerke und Kohlensorten verschieden bemessen. So kommen u. g. von den 40 % Kohlensteuer für die Kohle des niederschlesischen Steinkohlenbergbaues 66,5 zur Hebung, für die Kohle des Braunkohlenbergbaues im Westerwald und im Lande Hessen 29 vH, für die Kohle des rheinischen kohlenbergbaus 111,5 vH. Der Berechnung der Sätze ist der Ruhrkohle zugrunde gelegt worden. Für die in der Aufstellung nicht besonders angeführten Kohlen sind bei Steinkohle 100 vo bei Braunkohle 90 vH vorgeseben. Der Reichesminister der Finanzen kann mit Zustimmung des Reichskohlenrats und des s 66 Steuersatz ermäßigen. Das Gesetz soll bis zum 31. März 1923 gelten. Von den Vertretern des Reichsfinanz⸗ und des Reichswirtschaftsministeriums wurde ausgeführt:⸗
und
einer
November den
Braun⸗ der Pieis
amer geeignet als ein Demokrat oder Sozialdemokrat.
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28
bone durch die swwegung tteueret
ser hbat nur ein gexinger „Teil der Exveortgewinne aßt werden können. Durch erhöͤhte Besteuerung der Kobhle d die Ausfuhrabgabe ergänzt werden können. Dazu kommt, daß niedrige Kohlenpreis die durchaus notwendige Sparsamkeit im Flenverbrauch in Frage stellt. Der Inlandskohlenpreis wird auf sstkostenpreis gehalten. Die Fabrikatpreise nähern sich dagegen Weltmarktpreisen. Der entstehende Unterschied erzeugt unver⸗ ltrismäßige Uebergewinne. Außerdem wird eine vertikale Ver⸗ sung durch die niedrigen Kohlenpreise begünstigt, die nicht not⸗
pdig wäre, und auch die Aufrechterhaltung unwirtschaftlicher Be⸗
zglicht. Eine wesentliche Beeinträchtigung der Kaufkraft der Kohlensteuererhöhung dürfte nicht stattfinden. Die Preis⸗ ist auf fast allen anderen Gebieten längst vorangeeilt. Die höhung wäre aus allen diesen Gründen zur Annahme zu rjehlen. Die Mehrheit des Ausschusses stellte sich auf Standpunkt, daß allenfalls ein Steuersatz von 30 % als tragbar zefrachten jei. Die Erhöhung der Kohlenpreise würde das Niveau ebenshaltung der breiten Masse noch mehr herabdrücken, weitere teizsteigerungen auf anderen Gebieten zur Folge haben und außer⸗ dem Resche nur eine vorübergehende finanzielle Erleichterung staffen. Auf jeden Fall würde der mögliche Vorteil der Erhöhung Nachteile nicht aufmwiegen. Von Verbraucherseite wurde keut eine besondere Berücksichtigung des Hausbrandes empfohlen. Ausschuß nabm den Entwurf mit Mebhrheit unter mahme folgender Aenderungen an: 1. Der Steuersatz foll nicht H, sondern nur 30 88 betragen. Der Differenzierung wird im tiwen zugestimmt. 2. Die Ermächtigung des Reicheministers der enzen, den Steuersatz zu ermäßigen, soll nicht nur an die Zu⸗ nmung des Reichskohlenrats und des Reschsrats, sondern auch an zutachtliche Anhörung des Reichswirtschaftsrats gebunden sein. — Der Zwölferausschuß des vorläufigen Reichswirt⸗ gaftsrats sowie der Unterausschuß für Landwirtschaft und sihrung hielten heute Sitzungen.
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A
der Hauptausschuß des preußischen Landtages ge gestern die Vorberatung des Haushalts des Ministe⸗ ums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung 1 Wie das „Nachrichtenbüro des Vereins deutscher Zeitungs⸗ seger“ berichtet, nahm der neuernannte Minister für Wissenschaft, unst und Volksbildung Dr. Bölitz das Wort und erklärte, daß bindendes Programm noch nicht vorliegen könne. Staatssekretär iter habe sich bereit erklärt, weiter mitzuarbeiten. Die ttigkeit des Pts ramms in der Schule sei gesichert. Er vachte sich als inister der Koalition, nicht als Minister er Partei. Die Ueberbrückun der sozialen Gegensätze [eine Hauptaufgabe. Mit aller Macht müsse die Erziehung zur antsgesinnung bei festem Willen zur Besahung dieses Staates cchgeführt werden. In hezug auf Geschichtslehrbücher empfehle sich ee gutgeschriebene Tatsachensammlung und ein Quellenbuch. Der snister sprach sich sodann über den Artikel 146 Absatz 2 der Reichs⸗ sasung (Reichsschulgesetz) aus. Et sei grundsätzlich geaen jede ltriebene Vereinheitlichung. Die Syntheise zwischen Gewissens⸗ eit und staatlicher Notwendigkeit müsse gefunden werden. Einen urkampf halte er für ein Verbrechen am Volke. Der Kultur⸗ of in der Vergangenheit sei zu verurteilen, nicht nur weil er it geglückt, sondern weil er versehlt gewesen sei. In der Lehrer⸗ dung stehe er im wesentlichen auf dem Boden des Programms es Vorgängers. Abg. König (Soz.) verlangte für den scichtsunkerricht Ausschaltung alles Unwahren und Dyrestischen. Minister solle bei Differenzierung der Begabung erst einmal von nanfangen, sonst müsse man befürchten, daß er bei der Grund⸗ al andere Gründe habe. Die Umgestaltung des Reichsschulgesetz⸗ vrurfs durch Einsetzung der preußischen Stimmen im Reichsrat sei bewirken. Die Berufsansbildung der Lehrer müsse in engstem An⸗ uß an die Universitäten stattfinden. Abg. Heltz (U. Soz.) lehnte Minister als reaktionär ab. Die Bildung des Proletariats werde tangehalten werden. Zu einer Einheit des Lehrerstandes werde es öt kommen. Ueber die Frage, ob die Lehrerbildung konfeisionell
folle, babe der Minister geschwiegen. Dem Ministerjum sage
e Partei den schärfsten Kampf an. Abg Dr. Meyer (Kommun.) nerte daran, daß der jetzige Minister Bölitz am 9. Januar ge⸗ habe, niemand werde uns die Hohenzollern aus dem Herien
hen; mit Genugtuung hlicke er auf Baͤyern, das die
in überwunden habe. Es sei zu bedauern, daß die in sich in das Schlepptau von Bölitz begehen. Abg. M. hler (DNat.) befscs es, daß der frühere Minister ecker sich wieder a
*. Der Redner bezweifelte aber lügenden Uebereinstimmung zwischen ddem Staatssekretär. 1— t in dem Sinne werde durchsetzen können, wie er sich früher aus⸗ brochen habe. Mit der Regelung der Frage des Geschichtsbuches ne er einverstanden sein. Er müsse aber die Frage erheben: was lehrbar? Die Schule werde auch ein besonderes preußisches Gesicht en missen. Die Universität solle man nicht mit Aufgaben über⸗ en, die sie nicht habe. Es sei besser, wenn die früheren Schüler Universität Aufgaben der Arbeiterbildung übernehmen. Abg. ilman n. (D. Volksp.) verteidigte den Minister gegen Angriffe Lnken. Ein gesunder Fortschritt müsse sich bemerkbar machen. ungsschulen für Lehrer könne man unter keinen Umständen felen. Abg. Dr. Lauscher (Zentr.) begrüßte es, daß der Minister t Parteiminister sein wolle. neulich sei, daß der frühere Minister dem Ministerium als Staats⸗ ktar erhalten bleibe. Der Antrag des Abg. König (Soz) zum gschalgesetz sei abzulehnen. Der Redner verlangte Gewissens⸗ heit, Freibeit aller auch für den kleinsten Bruchteil unseres Volkes er Schulgestaltung. Abg. Dr. Gottschalk (Dem.) begrüßte Erklärung des Ministers, daß er den festen Willen zur Bejahung es Staates bekunden wolle. Gerade ein Volksparteiler 8 dazu Seine diesem Sinne den Minister im Auge behalten. In bezug Art. 146 Abs. 2 der Reichsvertassung vermisse er eine bestimmte Er⸗ ung des Ministers, der sich als Abgeordneter so bestimmt und klar krrückt habe. Zu verlangen sei ein Reichsschulgesetz im Sinne der heverfassung. Von übertriebener Vereinheitlichung des Schulwesens der Minister nicht reden; die Einheit des Schulwesens liege im ne der Einheit des Staates. Die Lehrerbildung müsse an Instituten 2 die an die Universitäten angeschlossen sind. Dringend zu em sei, daß der Ruf zbeinischer Gemeinden nach lateinlosen gen Schnlen vom Ministerium nicht weiterhin überhört werde. 1 hürfe die Gefahr der französischen Kurse, die die Ueber⸗ ung der deutschen Kultur zum Ziele hätten, nicht übersehen. ie allgemeinen Anträge wurden von den einzelnen Parteien ebalecn mit Rücsicht darauf, daß im Januar bereits der neue 8* büeraten wird und dabei Gelegenheit gegeben ist, die Anträge 8 dder. Angenommen wurde eine Entschließung des Inhalts, a. ebrerbildungswesen als besonders wichtiger Teil der Reform seaic zu fassen ist. daß siehenklassige Seminare aber unbedingt dienen sind. Weiter soll eine Vergünstigung für auswärtige
hinsichtlich der Fahrtkosten herbeigeführt werden.
die dem
Möglichkeit einer jetzigen Minister
itei werde in
2
Statistik und Volkswirtschaft.
Ueber die B s schs ftzlageir Heutschland
chtet dos gp. um Mitte Oktober 1921 1
lalt das „Reicksarbeitsblatt“ auf Grund von Angaben der wirt⸗
grös Verbände und 1559 Einzelmeldungen typischer Betriebe,
— dm herer Unternebmungen, die über die Lage in den vier Wochen
den 70, Oktober und über die Auss'chten für die Beschäftigung
1 lgenden zwei Wochen auf Grund des Auftrags⸗ und jands befragt worden sind, unter Berücksichtigung der hen Fachpresse:
ieebafte Beschäftigung, welche die Entwertung der Mark
dandel Zeit schwacher Tätigkeit fast allen Zweigen von Industrie
gebracht hat, verminderte sich im Oktober noch nicht.
s Staatssekretär zur Verfügung gestellt
Er befürchte, daß sich der Minister Bölitz
Es müsse sachlich gearbeitet werden.
Die Eindeckungseinkäufe und bestellungen, welche die mit der Mark⸗ senkung notwendig steigende Teuerung veranlaßte, hreiteten sich viel⸗ mehr zu krassen Ausverkaufserscheinungen aus, gegen die versucht werden mußte, mit besonderen Maßnahmen anzukämpfen. Ein Kennzeichen für den Berichtsmonat ist der abermalige kiefe Sturz der Mark nach der Entscheidung über Ober⸗ schlesien, durch die Deutschland über vier Fünftel der oberschlesischen Steinkohlenförderung, über die Hälfte der ober⸗ schlesischen Kokereien und zwei Drittel der Brikettfabriken, etwa sieben Zehntel der Roheisenerzeugung wie der Stablerzeugung Ober⸗ schlesiens und die gesamten schlesischen Zink⸗, Blei⸗ und Shberhüten verliert. Die Anzeichen einer schweren Zukunft kündigen sich nicht nur in den wirtschaftlichen Befürchtungen der verschiedensten Kreise von Fachleuten an, sondern melden sich bereits in einem Anwachsen von Kohlen⸗ und Rohstoffnot in verschiedenen Gewerben. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten, die auf Ewund der Erbsbungen über die Ausgaben für Ernährung, Heizung, Beleuchtung und Wohnung festgestellt wird, ist von 1062 im September auf 1146 im Oktober gestiegen. Die Erhöhung beträgt gegenüber dem Oktober 1920 35,9 vH, gegenüber dem Januar 1921 (944) 21,4 vH. Im einzelnen ist besonders zu berück⸗ sichtigen, daß die Inderziffer für die Ernährung allein im Oktober auf 1532 gestiegen ist. Aus den einzelnen Berichten typischer Industrie⸗ betriebe an das Reichsarbeitsblatt“ wird eine Verbesserung der Geschaftsverhältnisse ersichtlich. Von den 1,20 Mill. Arbeitern und Angestellten am 15. Oktober, über die von 1559 typischen Betrieben verschiedener Industrien berichtet worden ist, gehörten etwas über 578 000 oder 48 vH Betrieben mit gutem Geschäftsgang an gegen etwa 38 vo im Vormonat. Befriedigende Be⸗ schäftigung wiesen die berichtenden Betriebe für rund 405 600 oder 33 vH. der Beschäftigten auf gegen 427 000 oder 35 vH im September. In Unternehmungen mit schlechter Beschäftigungslage waren 202 000 Arbeiter und Angestellte oder 17 vH gegen 283 000 oder 23 vH im Vormonat tätig. Die Unternehmungen mit schlechtem Geschäftsgang hatten seit dem 15. November 1920, wenn auch in verschieden starkem Maße, ständig zugenommen. Erst seit dem 15. August ist wieder eine Abnahme ein⸗ getreten. Wird die Anzahl der am 15. November in schlecht be⸗ schäftigten Betrieben tätigen Arbeiter mit 100 angesetzt, so ergibt sich für den 15. Dezember eine Steigerung auf 103, für den 15. Januar auf 114, für den 15. Februar qguf 135, für den 15. März auf 149, für den 15. April auf 168, für den 15. Mai auf 175, für den 15. Juni auf 183 und für den 15. Juli auf 189. Am 15. August sank die Ziffer auf 167, am 15. September auf 121 und am 15. Oktober sogar auf 87. “ 9 ET1“ Arbeitsstreitigkeiten. Im Ausstand bei der Reichsversicherungsanstalt
ist hiesigen Blättern zufolge eine Verschärfung eingetreten. Die
ausständigen Angestellten und Beamten faßten gestern in einer Versammlung folgende Entschließung: „Die Versammlung be⸗ schließt, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, bis die Durchführung der Besoldungsordnung im Rahmen der Beschlüsse des Gesamt⸗ direktoriums und Verwaltungsrats vom 7./8. Juni garantiert und die Zusicherung gegeben ist, daß Maßregelungen oder Benachteiligungen frgendwelcher Art nicht erwachsen. Die Spitzenorganisationen und Beamtenvertretungen werden beauftragt, von der Aufsichtsbehörde bindende Erklärungen über die Zukunst und Sicherung der nicht lebenslänglich Angestellten bei Organisationsänderung und im Fall einer ö zu erlangen. Das Direktorium der Anstalt hat jetzt die mittleren und unteren Beamten aufge⸗ fordert, sofort ihren Dienst wieder aufzunehmen und zunächst ihre Bereitwilligkeit dem Bürodnektor mitzuteilen.
In Düsseldorf ist, wie „W. T. B.“ erfährt, die über⸗ wiegende Mehrheit der Metallarbeiter gestern in den Aus⸗ stand eingetreten (vergl. Nr. 267 d. Bl.).
Der seit sieben Wochen’ andonerüde,; Ausstand der
Transportarbeiter in Braunschweig ist, „W. T. B.“
zufolge, beendé t. Die Arbeit sollte gestern, wieder auf enommen
Die Verhandlungen über die neuen Bedingungen sind noch
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werden. Die 8 nicht abgeschlossen.
In Rom wurde, wie dem allgemeine Ausstand am 13. d. M. beendet. Alle Arbeiten wurden wieder aufgenommen, Straßenbahnen und Eisen⸗ bahnen sind im Betrieb. Auch die Zeitungen sind erschienen. Die Stadt hat ihr gewohntes Aussehen angenommen.
In New York sind 60 000 Arbeiter der Be⸗ kleidungsindustrie in den Ausstand getreten. Nach einer von „W. T. B. übermittelten Havasmeldung wendet sich der Aus⸗ stand gegen die Stückarbeit. Nach einer Londoner Meldung des „Petit Journal“ besteht die Absicht, den Schneiderausstand auf Chicago und Philadelphia auszudehnen.
Gesundheitswesen,
8
W. T.
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Tierkrankheiten und Absperrungs⸗ maßregeln.
Dem Reichsgesundheitsamt ist das Erlöschen der Maul⸗ zund Klauenseuche vom Schlachtviehhofe in Chemnitz an 7. November 1921 gemeldet worden. “
Kunst und Wissenschat.
In der am 27. Oktober abgehaltenen Gesamisitzung der vreußischen Akademie der Wissenschaften sprach Herr Schuchhardt über Rethra und Arkona. Von den beiden großen slawischen Heiligtümern im östlichen Deutschland nimmt Herr Schuchhardt das erstere auf dem Schloßberge bei Feldberg (Mecklen⸗ burg⸗Strelitz) an. Arkona hat er in mehrwöchiger Ausgrabung zu⸗ sammen mit Robert Koldewey erforscht und dort auch die Fundamente des Swantewit⸗Tempels gefunden. — Herr Stumpf berichtete über eine Arbeit Prof. W. Koehlers aus der Anthropoidenstation auf Teneriffa: „Ueber eine neue Methode zur psycholo⸗ gischen Untersuchung von Menschenaffen.“ Anstatt Tiere von der hohen Begabung der Anthropoiden bei Versuchen über Wahrnehmung und Gedächtnis einer rein mechanischen Wahldressur zu unterwerfen, kann man die gleichen Unterluchungsziele durch eine einfachere Methode erreichen, bei welcher die Tiere stets nach einem einsichtigen Motiv wählen. Während Schimpansen die Anforderungen
es neuen Verfahrens erfüllen, dürften schon die meisten der übrigen Wirbeltiere dabei versagen. — Der Vorsitzende Herr Roethe legte eine Abhandlung des Herrn Zimmermann über die Knick⸗ festigkeit von Stäben mit elastischer Einspannung vor. Es wird gezeigt, wie sich die Knickbedingungen von Stäben mit, beliebiger Felderzahl und mit de gjepener elastischer Einsrannung einzelner oder aller Knotenpunkte allgemein darsteuen lassen. Die Determinanten, deren Nullsetzung diese Knickbedingungen ergibt, sind so regelmäßig gebaut, daß man sie auch für verwickeltere Fälle anschreiben kann, ohne eine besondere Rechnung ausführen zu müssen. Für die darin auftretenden Hilfs⸗ werte hat der Verfasser Taseln berechnet, die die Anwendung des Versahrens erleichtern sollen. — YVorgelegt wurden von Herrn Heymann sein Buch „Die Rechtsformen der militärischen Kriegswirtschaft als Grundlage des neuen deutschen Industrie⸗ techts“ (Marvburg 1921); von Herrn Engler „Das Pflanzen⸗ reich“ Hest 77 (Leipzig 1921) sowie seine „Beiträge zur Flora von Afrika“ Heft 48 (Leipzig 1921); von Herrn Hellmann sein „Klima⸗Atlas von Deutschland“ (Berlin 1921) und vom Vorsitzenden die Schrift des korrespondierenden Mitglieds der Akademie Herrn 82* chin⸗Ebengreuth „Die Zerreißung der Steiermark“ (Graz 921). 1
Die Akademie hat durch den Tod perloren: die ordentlichen Mit⸗ glieder der pbilosopbischehistorischen Klasse Herrn Michael Tangl qgam 7. September und Herrn Johann Jakob Maria de Groot am 24. September; ferner das korrespondierende Mitglied der physikalisch⸗mathematischen Klasse Herrn Julius F am & Oktober. 6 X““
B.“ telegraphiert wird, der
von Hann in Wien
In der am 3. November abgehaltenen Sitzung der philo⸗ sophisch⸗historischen Klasse sprach Herr Hintze „Ueber die Amtsverfassung in den deutschen Ländern des 13. bis 18. Jahrhunderts in ihrem Verhältnis zur Kreisverfassung. Die Amtsversassung unterscheidet sich von der schon vom 14. Jahrhundert an im deutschen Nordosten sich aus⸗ bildenden Kreisverfassung durch ihren vorwiegend, herrschaftlich⸗ anstaltlichen Charakter, während der Kreis sich zu einem körperschaft⸗ lichen Verband entwickelt. Die Amtsverfassung ist die ursprünglichere und anfangs allegemeine Fceus. Trotz mancher Verschiedenheiten handelt es sich auf dem alten Reichsboden und in dem kolonialen Neuland doch in der Hauptsache um ein und dieselbe Institution; sie., charakterisiert sich durch den Dienstvertrag statt der Verlehnung, durch die Verbindung der obrigkeitlichen Funktionen mit der fürstlichen Domänenverwaltung und durch das Vorwalten der polizeilich⸗mili⸗ tärischen Gewalt, die an eine Burg anknüpft. Die Auflöfung im Nordosten ist nicht allein durch die Aushildung der Gutsberrschaft bedingt, sondern zugleich auch durch den privilegierten Gerichtsstand der niederen Ritterschaft, der hier nicht so früh und so vollstäͤndig wie im Westen erfolgt ist. Kommunalverhände sind die Aemter im Westen und Süden Dentschlands im allgemeinen nicht gewesen. Die kleve⸗märkischen Erbentage und die württembergischen Amtskorporationen sind durch ganz besondere Umstände bedingt und können als Ausnahmen ange⸗ sehen werden. Ansätze zu Kreisverbänden sind im Westen und Süden kaum vorhanden und jedenfalls vertümmert. Die sogenannten Kreise in Bayern, Württemberg, Baden sind, keine echten Kreise int historischen Sinne. Der Kreis als Selbstverwaltungsverband hatteo im Westen und Süden nicht Piatz neben dem Amt; als lokale, Einheit des landständischen Systems war er dort ebenso durch die Form der territorialen Staatsbildung ausgeschlossen wie durch die soziale Struktur des Landes. — Herr von Wilamowitz⸗ Moellendorff überreichte seine „Geschichte der Philolegie“ (Leipzig und Berlin 1921).
Bei Paul Cassirer wird eine umfassende Cozanne⸗ Ausstellung aus deutschem Privatbesitz vorbereitet, die zeigen soll, wie sorgfältig und planvoll in Deutschland vor dem Kriege ge⸗
sammelt wurde. 8 “
9 11“ 6 2 „.
Literatur. b „Der erfolgreiche Kaufmann. Ein Ratgeber und Weg⸗ weiser für junge Kaufleute, von O. S. Marden (Stuttgart, Verlag: von Julius Hoffmann). Die Schrift behandelt in einer Reihe von leichtfaßlichen Aufsätzen die kaufmännischen Lebensregeln, die von an⸗ gehenden Kaufleuten zu befolgen sind, wenn sie zum Erfolge gelangen wollen. Sie erörtert die grundlegenden Voraussetzungen für diese Lauf⸗ bahn, die Erfordernisse für das weitere Vorwärtskommen und er⸗ läutert an treffenden Beispielen, was in gegebenem Falle förderlich erscheint und wie die mancherlei Hindernisse auf diesem Gebiete zu überwinden sind. Der Verfasser bespricht die natürliche Veranlagung und Ausbildung zum Kaufmann, die wich⸗ tigsten Stücke der kaufmännischen Erziehung, das äußere Auftreten, den Kampf mit dem Wettbewerb u a. Die Schrift zeugt von scharfer Selbstbeobachtung und Menschenkenntnis, und dürfte, soweit auf diesem durchaus praktischen Gebiete theoretische Regeln überhaupt helfen können, auch durch die einleuchtende Art, in der sie den Gegen⸗ stand behandelt, ihren Zweck, anregend und belehrend zu wirken, vollauf alean. L111A“
Verkehrswesen.
Das Reichspostministerium hat Mitte Oktober mit dem Ver⸗ kehrsbeirat über die Erhöhung der Post⸗, Telegravphen⸗ und Fernsprechgebühren verhandelt. Dabei wurde, wie „W. T. B.“ meldet, über Post⸗ und Telegraphengebühren Einver⸗ ständnis erzielt. Die Erhöhung der Fernsprechgebühren hielt der Verkehrsbeirat für verfrüht, ohne aber an den in Aussicht genommenen Gebührensätzen etwas zu ändern. Inzwischen ist die neue Besoldungs⸗ erhöhung eingetreten, die mit der Lohnerhöhung und der Steigerung
der Materialpreise einen neuen Jahresfehlbetrag von 3 ¾ Milliarden Mark hervorruft.
Die Reichsregierung konnte es angesichts dieser Sachlage bei den ursprünglich geplanten Gebührensätzen, bei deren Einführung schon 17 Milliarden Mark ungedeckt geblieben wären, nicht bewenden lassen und hat deshalb beschlossen, diese Gebübremätze um 50 vH zu erhöhen. Demzufolge ist im Vergleich zu der Vor⸗ kriegszeit bei der Berechnung der künftigen Gebührensätze statt des Verhältnisses 1:10 ein solches von 1:15 zugrundegelegt worden. Diese Verhältnisrechnung wird indessen nicht bei allen Gebührenarten streng durchgeführt; zum Teil ist wie beim Paketverkehr eine mäßigere Steigerung vorgesehen.
Flugpost in Belgisch Kongo. In Belgisch Kongo be⸗ stebt eine im Anschluß an die Postdampfer von Antwerpen ver⸗ kehrende Flugpost Kinshasha Stanleyville mit Zwischenlandungen in Kwamouth, Bolobo, Lukolela, Gombé, Coquilhatville, Mobeka. Lisala, Bumba und Basoko. Die Flugzeuge erreichen den Endpunkt elf Tage früher als die gewöhnlichen Verkehrsmittel und bieten Vor⸗ teile für die Briefbeförderung nach den Bezirken Mittel Kongo, Aequator, Ubangi, Lulonga, Bangala, Unter Uelle, Aruwimi, Stanleyville und Lowa. Mit der Flugpost werden Briefsendungen jeder Art befördert, wenn der Absender sie mit dem Vermerk „Par avion via Kinshasha“t in hervortretender Schrift versieht. Die Fluggebühr beträgt 3 Frank für je 20 g jeder Sendung, ist aber nicht vom Absender, sondern erst vom Empfänger zu bezahlen.
Theater und Musik.
Im Opernhause wird morgen, Mittwoch (Bußtag), „Tristan und⸗Isolde“, mit den Damen Leider und Metzger⸗Latte mnann als Gästen, den Herren Bolz, Helgers, Scheidl, Pusch, Lücke, Krasa und Noës besetzt, aufgeführt. Musikalischer Leiter ist Dr. Max von Schillings. Anfang 6 Uhr. Für Donnerstag ist „Mignon“, mit den Damen Marherr⸗Wagner, Kist⸗Sposl als Gast und den Herren Ziegler, Lücke, Düttbernd, Krasa in den Hauptrollen angesetzt. Musikalischer Leiter ist Dr. Carl Besl. Anfang: 7 ½ Uhr. 1
Im Schauspielhause wird morgen „Torquato Tasso“ in bekannter Besetzung gegeben. Ansang 7 ½ Uhr. — Am Donnerstag wird „Peer Gynt“ mit Günther Hadank in der Titelrolle wiederholt. Anfang 7 ½ Uhr. 1 1
Der Spielplan der Mein hard⸗Bernauer⸗Bühnen erfährt am morgigen Bußtag folgende Umgestaltung: Im Berliner Theater wird Oscar Wildes Tragödie „Salome“ mit Ludwig Hartau und Margarete Schlegel in den Hauptrollen auf⸗
eführt, während im Komödienhause Strindbergs „Mit dem Feuer spielen“ und Paul Czinners „Satans Maske“ gegeben werden. Im Theater in der Königgrätzer Straße wird Carl Sternheims Schauspiel „Manon Lescaut; mit Maria Orska in der Titelrolle gespielt. ,
„Die wunderlichen Geschichten des Kapell⸗ meisters Kreislter“, phantastisches Melodram nach E. T. A. Hoffmanns Leben und Erzählungen von Carl Meinbhard und Rudolf Bernauer, wird Ende Januar im Theater in der Königgrätzer Straße zum ersten Male aufgetührt werden. Für das Werk, das eine starke musikalische Untermalung fordert. zat G. N. von Reznicek die Musik geschaffen. Die notwendig werdende vpöllige Umgestaltung des Bühnenraumes und des technischen Apparates stammt von Svend Gade. Die Anordnung der choreo⸗ graphischen Bühnenbilder wird mit Genehmigung der Intendanz der Staatsoper dem Ballettmeister Heinrich Kröller übertragen. Die genannten beiden Verfasser übernehmen die künstlerische Gesamt⸗ pielleitung. G .
„Im Deutschen Theater findet morgen, Mittwoch, die erste Auftührung von Strindbergs „Ostern“ (übersetzt von Emil Schering) statt. Die Besetzung ist folgende: Frau Heyst: Emilia Unda, Elis: Hans Schneikart, Eleonore: Roma Bahn, Christine: