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y111141XA“ 11““ f Internationalen Konferenzen der Metallarbeiter⸗,
Transportarbeiter⸗ und Bergarbeiterverbände zu. Pflicht der deutschen wie der internationalen Arbeiterklasse ist es, alle Kräfte einzusetzen, um Kriege in Zukunft unmöglich zu machen. Die deutschen Metallarbeiter werden mit allem Nachdruck darauf dringen, daß die Umstellung früherer Kriegs⸗ industrien zur Produktion nützlicher und gesellschaftlich notwendiger Gegenstände restlos erfolgt. Der Kongreß fühlt sich einig mit den Betriebsräten der Deutschen Werfe wie anderer Betriebe, die aufs schärfste darüber wachen, daß diejenigen Friedensbedingungen strikt befolgt werden, die verlangen, keinerlei Gegenstände zu produ⸗ zieren, die für Kriegsbedarf in Frage kommen. Der Kongreß muß jedoch aufs entschiedenste vrotestieren gegen Forderungen der Interalliierten Kontrollkommission, die nicht die Verhinderung einer Anfertigung weiteren Kriegsmaterials erzielen, ondern folgenschwere, unberechtigte Eingriffe in die Produktion der deutschen Wirtschaft daistellen und gleichzeitig in ihren Wirkungen die deutschen Arbeiter ernst ich schädigen. Dies trifft insbesondere zu auf a) das Verbot des Baues schnell laufender Dieselmotoren, die der Friedensindustrie dienen sollen, und b) die Forderung weiterer Zerstörung von Maschinen, Ein⸗ richtungen und Gebäuden der Deutschen Werke, die für die Erzeugung von Friedenswaren in Betracht kommen. Das Interesse der Arbeiter erfordert dringend, daß diese unberechtigten Verbote und Forderungen
aufgehoben werden.“
9
Saarlonis, 6. Dezember. (W. T. B.) Heute mittag gegen 12 Uhr erfolgte im Betriebe A der Dynamitfabrik vorm. Alfred Nobel & Co. in Saarwelligen eine schwere Explosion eines Oelbehälters. Eine Anzahl Leicht⸗ verletzter konnte sich aus den Trümmern retten. In dem brennenden Betriebe sollen sich noch etwa 50 Personen befinden. Da mit der Gefahr neuer Explosionen zu rechnen ist, können Rettungsmann⸗ schaften an die Unglücksstelle nicht heran. Ein Teil des Waldes steht in Flammen. — Der „Dillinger Anzeiger“ meldet über das Unglück: Der Brand entstand in der Nitrokörperschmelze. In einem Augenblick explodierten die gesamten dort lagernden Spreng⸗ stoffe und der Brand dehnte sich auf die weitere Umgebung aus. Bisher sind 13 Leichen geborgen, von denen etwa die Hälfte nicht festgestellt werden kann, da sie durch die erlittenen Verletzungen bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind. Die Zahl der Verwundeten läßt sich noch nicht feststellen, da die meisten von ihnen sofort geflüchtet sind. Die Fabrik ist zum größten Teil zerstört. Die Häuser der näheren Umgebung sind zum Teil abgedeckt. Zahl⸗ reiche Fensterscheiben sind zertrümmert. Vereinzelt sind auch ganze Gebäude eingestürzt. Der Schaden ist ungeheuer; an eine Wiederaufnahme der Arbeit ist für geraume Zeit nicht zu denken. Französische Truppen und Saarpolizei haben das Gelände gegen die Scharen heranströmender Neugierigen abgesperrt. — Auf die Nachricht von dem Unglück begab sich der Präsident der Regierungskommission, Rault, in Begleitung des Mitgliedes der Regierungskommission Dr. Hector, des Direktors der Abteilung des Innern Dr. Selfau, des Direktors der Obersten Polizeiverwaltung Adler und des Oberberghauptmanns Frantzen an die Unfallstelle. Der erste Besuch des Präsidenten galt den Opfern der Explosion. An der Unfalltelle wurden sofort die notwendigen An⸗ ordnungen zur Absperrung und Sicherung getroffen. Der Präsident überreichte dem Bürgermeister im Namen der Regierung als erste Unterstützung zur Linderung der durch die Explosion entstandenen Not einen Betrag von 40 000 Mark. Auf die Anregung des Präsidenten wurde eine Sammelliste in Umlauf gesetzt.
Amsterdamer
Bern, 6. Dezember. (W. T. B.) Die frühere Kaiserin Zita hat an den Bundesrat ein Gesuch um Bewilligung für die Einreise in die Schweiz gerichtet, um der Operation an ihrem sechsjährigen Sohne Robert beiwohnen zu können. Dieses Gesuch wurde von mehreren medizinischen Autoritäten unterstützt. Der Bundesrat hat das Gesuch unter der Bedingung genehmigt, daß sofort nach erfolgter Operation und Beseitigung der Lebensgefahr die Ausreise aus der Schweiz zu erfolgen hat.
Handel und Gewerbe. Fonds⸗ und Aktienbörse.
Berlin, 7. Dezember 1921.
Die Meldung von dem Zusammenbruch der Pfälzischen Bank in Ludwigshafen bildete heute den Mittelpunkt des Interesses der Börse, die, wie nicht anders zu erwarten war, daraufhin einer wesentlichen Ermattung unterlag. Dieselbe ergriff fast alle Gebiete, zu⸗ mal auch die Bewegung der Devisen heute in gleichem Sinne wirkte. Vor allem unterlagen die Aktien des betroffenen Instituts einem Kurs⸗ sturz, der auch die übrigen Werte dieses Gebiets in Mitleidenschaft zog. Auch Bergwerks⸗ und Industriepapiere waren beträchtlich schwächer, 3z. B. Phönix, Rombacher, Harpener. Das Geschäft war unter dem Eindruck des Ereignisses erheblich ruhiger. Fremde Fonds Lör aege Heimische Anleihen waren behauptet. Der luß
88 18 E11616“ — Der Aufsichtsrat der Kaliwerke laut Meldung des „W. T. B.“ beschlossen, einer auf den 3. Januar 1922 einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung die Er⸗ höhung des Aktienkapitals um 7 Mill. Mark vom 1. Januar 1922 ab dividendenberechtigter Stammaktien in Vorschlag zu bringen. Die Er⸗ höhung soll in der Weise durchgeführt werden, daß die vorhandenen 7 Mill. Mark Vorzugsaktien Lit. B nach Vollzahlung in Stamm⸗ aktien umgewandelt und den Inhabern der Vorzugsaktien Lit B neue mit 25 vH eingezahlte Vorzugsaktien Lit B in ZEE mit den Beschlüssen der Generalversammlung vom 15. April 192 ausgeliefert werden. Die neuen Stammaktien sollen unter Aufgchlus des gesetzlichen Bezugsrechts von einem Bankenkonsortium zu 100 v gezeichnet werden mit der Verpflichtung, dieselben zwecks Beteiligung an anderen Kaliunternehmungen zur Verfügung des Vorstands und des Aufsichtsrats zu halten.
— Bei der Münchener Niederlassung der Pfälzischen Bank in Ludwigshafen haben sich, wie „W. T. B.“ meldet, durch unverantwortliche
Manipulationen des Münchener Devisenhändlers, der gecgen die bestimmten, von der Zentrale der Bank in Ludwigshafen gegebenen Instruktionen gehandelt und seine Baisseen age ments der Direktion der Bank verheimlicht at, sehr bedeutende Verluste im Termindevisen⸗ eschäft ergeben. Die Engagements sind jetzt eingedeckt, doch ürften sehr schwerwiegende Maßregeln für das Institut selbst notwendig werden, da das Aktienkapital und die Reserven verloren sind, so daß das Fortbestehen der Pfälzischen Bank als selbständiges Institut in Frage gestellt ist. Durch die Mithilfe der Rheinischen Creditbank und der Deutschen Bank soll dafür Sorge getragen werden, daß die unden der Pfälzischen Bank bei der Neuordnung keinerlei Verluste erleiden. Es soll beabsichtigt sein, daß die Filialen der Pfälzischen Bank in der Pfalz von der Rheinischen Creditbanz übernommen werden, während die Geschäfte in Frank⸗ urt a. M. und im rechtsrheinischen Gebiet auf die Filialen er Deutschen Bank übergehen. Im Zusammen⸗ ang damit wird die Rbheinische Creditbank, die eine Vermehrung des Aktienkapito « um 60 Mihionen Mark ausgeschrieben hat, diese Vermehrung auf 120 Millionen Mark erhöhen, die on der Deutschen Bank übernommen werden sollen. Von den neuen Aktien soll ein Teil den alten Aktionären im Verhältnis von vier zu eins zu 200 po zum Bezuge angeboten werden. Die Rheinische Teditbank wird von den Vorgängen bei der Peagischen Bank mofern betroffen als sie fünf Millionen Mark Pfälzische Bankaktien⸗ esitzt. Die Pfälzische Bank selbst erläßt laut Meldung des W. T. B.“ folgende Erklärung: „Bei unserer Münchener Nieder⸗
1 G “ A“ 8 8 11“ 7 38 sung sind unter Verletzung schärfster Vorschriften und geflissent⸗
licher Verheimlichung vor der Zentraldirekrion Devisenengagements eingegangen worden, die nach bereits erfolgter Abdeckung gemäß unseren Feststellungen einen Verlust der Bank von 340 Millionen Mark ergeben. Weitere Verluste sind der Verwaltung nicht bekannt und nach ihrer besten Ueberzeugung nicht zu befürchten. Um einer Erschütterung des süddeutschen Wirt⸗ schaftslebens zu begegnen hat die der Ptiälzischen Bank nahestehende Rhemische Cred tbank, obwohl sie, abgesehen von dem Besitz von 5 Millionen Mark Aktier der Pfälzischen Bank, an dem Verlust materiell nicht beteiligt ist, gemeinschaftlich mit der Deutschen Bank der Pfälzischen Bank die Summe zur Verfügung gestellt, um die jener Verlust den Betrag des Aktienkapitals und der bilanzmäßigen Reserve übersteigt und nicht durch vorhandene stille Reserven und den Geschäftsgewinn der Pfälzischen Bank im Laufe des Geschäftsjahres gedeckt wird. Im Zusammenhang hiermit ist, da eine Fort⸗ führung der Pfälzischen Bank als selbständiges Unternehmen mangels genügender Betriebsmittel sich mit Sefsng nicht bewirken läßt, die Ueberleitung der Geschäfte auf die Rheinische Creditbank und auf einigen Plätzen, insbesondere im rechtsrheinischen Bayern, auf die Deutsche Bank in die Wege geleitet. Abgesehen von jenem Verlust bei der Münchener Filiale waren bei der Pfälzischen Bank im laufenden Geschäftsjahre der Geschäftsgang, Umsatz und Gewinn durchaus befriedigend.“
— Wie der Eisen⸗ und Stahlwaren⸗Industriebund in Elberfeld mitteilt, hat auf Antrag der beteiligten Kreise die Außenhandels⸗ stelle zu Elberfeld für Kleineisen⸗ und Stahl⸗ waren für den Verkauf von Schnürriemenband⸗ blech und⸗nadeln in das Ausland folgende Bestimmungen
etroffen: Die Preise für die schwach valutierenden Länder sind, wie
folgt⸗ erhöht worden: für Bandblech Stärke 0,10 mm auf schwarz 21,50 ℳ, braun 22,50 ℳ, weiß 24,50 ℳ; für Schnürriemen⸗ nadeln in Stärke 0,10 mm gerade Nadeln auf schwarz 24 ℳ, braun 25 ℳ, weiß 27 ℳ, Spitznadeln auf schwarz 24,75 ℳ, braun 25,75 ℳ, weiß 27,75 ℳ. Außerdem sind Mengenrabatte zugelassen, welche betragen: Bei Lieferungen von 100 bis 499 kg 5 %, 500 bis 1499 kg 7 ½ %, 1500 bis 4999 kg 10 %, 5000 und mehr Kilo 15 %. Voraussetzung ist, daß es sich um geschlossene Aufträge handelt, bei denen die Lieferung in einer Sendung erfolgt. Endlich ist bestimmt worden, daß bei Lieferungen in Postpaketen ein Aufschlag von 1 ℳ pro Kilo wird, der bei Lieserung in stark valutierende Länder zum Tageskurse des Bestellungstages umzurechnen ist. Die Be⸗ stimmungen sind am 1. Dezember 1921 in Kraft getreten. Die früher mitgeteilten Uebergangsbestimmungen, insbesondere über die Annahme laufender Offerten, finden entsprechende Anwendung.
— In der außerordentlichen Generalversammlung der Schult⸗ heiß⸗Patzenhofer⸗Brauerei⸗Aktiengesellschaft, Berlin, vom 6. Dezember 1921 führte der Vorsitzende des Auf⸗ sichtsrats u. a. aus: Die Schultheiß⸗Patzenhofer⸗Brauerei⸗Aktien⸗ gesellschaft schlägt ihren Aktionären vor, das Aktienkapital um das 1 ⅛ fache, von 40 auf 100 Millionen Mark Stammaktien zu erhöhen und außerdem 50 Millionen Mark Vorzugsaktien auszugeben. Die große Geldentwertung und die sich daraus ergebende außer⸗ ordentliche Steigerung aller Betriebs⸗ und Vertriebskosten bringt den großen Kapitalbedarf mit sich; die Beträge für die Beschaffung von Rohmaterialien sind ganz enorm gestiegen. So betrug z. B. der Hopfenpreis im Herbst 1920 im Durchschnitt 2500 ℳ pro Zentner und setzte bei Beginn dieser Kampagne schon mit 8000 ℳ ein. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei Gerste und Malz. Der Bedarf für Braustoffe erreicht bei der Gesellschaft im laufenden Ge⸗ schäftsjahre die Summe von fast 300 Millionen Mark. Die neuen Stammaktien sollen durch Perwttelng eines Bankenkonsortiums den alten Aktionären zum Kurse von 175 % in der Weise angeboten werden, daß auf zwei alte drei neue Aktien entfallen. Die Vorzugs⸗ aktien, die bisher bei Schultheiß⸗Patzenhofer noch nicht bestanden und der Abwendung einer Ueberfremdung dienen, erhalten einfaches Stimm⸗ recht; sie werden mit 25 % eingezahlt und sind mit einer Vorzugsdivi⸗ dende von höchstens 6 % des eingezahlten Betrages sowie dem Rechte auf
Nachzahlung ausgestattet. Die vorstehende Maßnahme stellt einen Aus⸗
schnitt dar aus einer Gesamttransaktion der Interessengemein⸗ schaft Ostwerke⸗Schultheiß⸗ Fatzen dofer Kahl⸗ baum. Auch bei den beiden anderen Konzerngesellschaften: den Ostwerken und der Kahlbaum⸗A.⸗G., ist aus ähnlichen Gründen ein ganz außerordentlicher Geldbedarf erwachsen. Die Ver⸗ waltungen der beiden Gesellschaften schlagen daher eben⸗ falls ihren Aktionären die Erhöhung des Aktienkapitals um das 1 ½ fache vor. Außerdem soll der dort bereits vorhandene Bestand an Vorzugsaktien ebenfalls auf 50 Millionen Mark gebracht werden. Nach Durchführung der Kapitalserhöhungen wird sich alsdann das Aktienkapital belaufen: bei Schultheiß⸗Patzenhofer und den Ostwerken auf je 100 Millionen Mark und bei Kahlbaum auf 80 Millionen Mark Stammaktien und auf je 50 Millionen Mark Vorzugsaktien bei jedem der drei Unternehmen.
Köln, 7. Dezember. (W. T. B.) Am morgigen Donners⸗ tag, Mariaä Empfängnis, findet hier keinerlei Börsen⸗ versammlung statt. Ebenso werden an diesem Tage die Devisen nicht notiert.
Wagengestellung für Kohle, Koks und Briketts am 5. Dezember 1921:
Ruhrrevier Oberschlesisches Revier Anzahl der Wagen
Gestellt. 17 09
Nicht gestellt. 9 599
Beladen zurück⸗ 8 geliefert.. 16 178
Die Elektrolytkupfernotierung der Vereinigung für deutsche Elektrolytkupfernotiz stellte sich laut Berliner Meldung des „W. T. B.“ am 6. Dezember auf 7195 ℳ (am 5. Dezember auf 6852 ℳ) für 100 kg. 8 “
Berichte von auswärtigen Wertpapiermärkten.
Köln, 6. Dezember. (W. T. B.) (Amtliche Devisenkurse.) Ree 7852,10 G., 7867,90 B., Frankreich 1663,30 G., 1666,70 B., Zelcien 1583,40 G., 1586,60 B., Amerika 219,78 G., 220,22 B Engtand 894,10 G., 895,90 B., Schweiz 4245,75 G., 4254,25 B., Italien 954,00 G., 956,00 B., Dänemark 4015,95 G., 4024.05 B. Norwegen 3146,85 G. 3153,15 B., Schweden 5269,70 G., 5280, 30 B. Spanien 3096,90 G., 3103,10 B., Prag 249,47 G., B., Budapest 26,97 G., 27,03 B., Wien (neue) 7,48 G., Danzig, 6. Dezember. (W. T. B.) Noten: Amerikanische 226,77 G., 227,23 B., Englische 919,05 G., 920,95 B., Bellgavische —,— G., —,— B., Polnische 6,53 ½ G., 6,56 ½ B. — Aus⸗ zahlungen: Warschau —,— G., —,— B., Posen —,— G., —,— B, Fü ⸗ v. gen. 2 18 br Wien, 6. Dezember. (W. T. B.) Türkische Lose —, Mairente 113, Februarrente 113, Oesterreichische Kronenrente 1ir. Oesterreichische Goldrente 1900, Ungarische Goldrente —,— Ungarische Kronenrente 1500, Anglobank 14 600, Wiener Bankverein 8 950, Oesterreichische Kreditanstalt 11 350, Ungarische Kreditanstalt 20 050, Länderbank —,—, Oesterreichisch⸗Ungarische Bankt 25 000, Wiener Unionbank 8800, Lloyd Triestina 37 500, Staatsbahn 33 000, Süd⸗ bahn 14 500, Südbahnprioritäten 15 400, Siemens u. Halske 11 800, Alpine Montan 55 000, Poldihütte 38 000, Prager Eisen 11 900, Rima Murany 28 900, Skoda⸗Werke 43 800, Brüxer Kohlen 5800, Salgo⸗Kohlen 5800, Daimler Motoren 7200, Veitscher Magnesit —,—, Waffenfobrik 10 500, Galizia⸗Petroleum 32 800. 18 S, Dezember. (W. T. B.) Notierungen der Devisen⸗ zentrale: 1 Imn eset G., Marknoten 39,74 G., Wien 1,24 G.,
W1“
899
Polnische Noten 2,46 . Amsterdam 3280, London 371 PYork 91,50. 1—
London, 6. Dezember. (W⸗T.B.) Devisenkurse. Paris zh Belgien 56,05, Schweiz 21,10, Holland 11,35 ½, New York 9 Spanien 28,74 ½. Italien 94,12 Deutschland 855,00. 1
London, 6. Dezember. (W.T. B.) Silber 35 ⁄, Silz Lieferung 36 %.
London, 5. Dezember. (W. T. B.) Privatdiskont 4 % fundierte Kriegsanleihe 79 ⅜, 5 % Kriegsanleihe 891% Siegesanleihe 73,75.
Paris. 6. Dezember. (W. T. B.) Devisenkurse. Deut⸗ 5 ⅞, Amerika 1335,00, Belgien 95 ⅞⁄, Enagland 54,23, 8 478,25, Italien 57 9⅞, Schweiz 257,50, Spanien 188,50.
Zürich. 6. Dezember. (W. T. B.) Devisenkurse. 2,25, Wien 0,15, Prag 5,70, Holland 185,75, New York; London 21,05, Paris 38,80, Italien 22,25, Brüssel 37,2, hagen 97 50, Stockholm 124,25, Christiania 75,25. Madri Buenos Aires 167,50, Budavpest 0,70, Bukarest —,—, Agram
Amsterdam, 6. Dezember. (W. T. B.) Devjf London 11,37, Berlin 1,27 ½, Paris 21,10 Schweiz 54,00, Wie Kopenhagen 52,55, Stockbolm 67,10, Christiania 40,50, Ne 279,00, Brüssel 20,20, Madrid 39,40. Italien 12,05.
Amsterdam, 6 Dezember. (W. T., B.) 5 % g ländische Staatsanleihe von 1915 87,25, 3 % Niederländ. 6 anleihe 573⁄16, 3 % Deutsche Reichsanleihe Januar⸗Juli⸗ —,—, Königlich Niederländ. Petroleum 406,75, Holland⸗ Linie 153,50, Atchison, Topeka & Santa Fé 101,00, Rock Southern Pacisic —,—, Southern Railway 22,37,
Fr Anaconda —,—, United States Steel Corn — Fest.
Kopenhagen, 6. Dezember. (W. T. B.) Devsse London 21,75, New York 536,00, Hamburg 2,37, Pariz Antwerpen 39,10, Zürich 103,50, Amsterdam 192,25, S 128,35 Christiania 77,60, Helsingfors 9,85.
Stockholm, 6. Dezember. (W. T. B.) Devisenkurse. 16,98, Berlin 1,85, Paris 31,00, Brüssel 30,00, schwen 80,65, Amsterdam 150,25, Kopenhagen 78,50, Christianin Washington 419,00, Helsingfors 7,60.
Cyristranra, 6. Dezember. (W. T. B.) Ders London 28,08, Hamburg 3,25, Paris 51,25, New Yort Amsterdam 248 50, Zürich 133,75, Helsingfors 12,75, An. 49,75, Stockholm 166,00, Kopenhagen 130,00.
2* 7
Pacific —,—,
Berichte von auswärtigen Warenmärktal
London, 5. Dezember. (W. T. B.) Bei der Fo der Wollauktion wurden heute 11 715 Ballen ang Die Nachfrage war lebhaft und allgemein. Die heimischen A nahmen den größten Teil von Merinos und Croßbreds d⸗ Preise blieben auf der gleichen Höhe wie am letzten Freitag. Liverpool, 3. Dezember. (W. T. B.) Baumy Umsatz —,— Ballen, Einfuhr 31 610 Ballen, davon amerl Baumwolle — Ballen. C“ 10,70, Jannuarste 10,65, Februarlieferung 10,61. — Ame kanische und brasll Baumwolle je 12 Punkte höher, ägyptische unverändert.
S
Aeronautisches Observatoriun. Lindenberg, Kr. Beeskow. 4. Dezember 1921. — Drachenaufstieg von 5 a bis 7
Relative Wind Seehöhe Luftdruck Temperatur Co Feuchtig⸗ 8 ei Richtun Se. oben unten 2% g 122 O 500 O 1 1500 OzS 1
Bedeck. — Sicht: 3 km.
11.“ ——
5. Dezember 1921. — Drachenaufstieg von 9 ¼ a bis 101
Relative Wind Seehöhe Luftdruck Temperatur C0 Feuchtig⸗ aes 2 oben unten 1 Richtung 122 760,4 95 SO 390 735 — 9,5 100 SO 660 710 — 1,7 . 60 SSW 890 690 — 0,4 50 SWzS Bewölkt. — Sicht 6 km. 6. Dezember 1921. — Pilotballonaufstieg von 9 a 15 biz! - Relative Wimd Seehöhe Luftdruck Temperatur 00 Feuchtig⸗ 8 oben unten keit Richtung 500 Wz S 1000 WNW 2000 NW 3000 NWzN NWzN
Bewölkt. — Sicht: 6 .(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten “ und Zweiten Beilage.)
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haus. (unter den Linden.) Donnerstag: 251.
“ Die Meistersinger von Nürnberg. r.
Freitag: Der Zaubergeiger. — Bajazzi. Anfang 1 Schauspielhaus. Am Gendarmenmarkt.) Donnerst.: A
bezugsvorstellung. Peer Gynt. Anfang 7 ½ Uhr. Freitag: Peer Gynt. Anfang 7 ½ Uuhr.
F
Verantwortlicher Schriftleiter: Direktor Dr. Tyrol. Charb⸗
ä den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Ges k Fag. echnungsrat Mengerinag in Berlin.
Verlag der Geschäftsstelle (Mengerinca) in Berlu Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagsansti 18 Berlin Wilbhelmstr. 32. 8 Fünf Beilagen (einschließlich Börsenbeilage)
Iet
und Erste, Zweite, Dritte und Vierte Zentral⸗Handelsregi
6.
zum Deutschen Reichsanzeiger und Preußi
ste Beil
11“
Er ager
Verlin, Mittwoch, den 7. Dezember
—⸗—-—-—V
Nr. 2
lMet Neecviͦnee edene eeneene
1”
Staats
Nichtamtliches.
(Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Preußischer Landtag.
78. Sitzung vom 6. Dezember 1921, Nachmittags 1 Uhr. (Bericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger“).)
Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Lesung
einer
Wasserkräften an der unteren
orlage, betreffend den Ausbau von Fulda.
Die Vorlage sieht vor die Bewilligung von 311 Millionen Mark für Vorarbeiten. Es sollen errichtet werden, ein Kraft⸗ werk bei Guxhagen, bei Freienhagen (Cassel) und bei Wahn⸗ hausen Gwischen Cassel und Hann.⸗Münden) sowie eine Stau⸗
jährlich rund
anlage bei 69 Millionen Ki reiche, zum Teil
würden die
Es sollen
öu“ ilowattstunden erzeugt werden, wodurch zahl⸗
unwirtschaftlich arbeitende größere und kleinere Dampfkraftanlagen stillgelegt werden können. Erspart
Nach kurzen Bemerkungen der Abgg.
(Soz.).
Weissermel (D. Nat.),
örderung und der Eisenbahntranspori von 100 000 Tonnen Steinkohle werden. se pori
g. Grzesinski Riehl (Ztr.) und
Kalle (D. Vp.), die die Vorlage vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus begrüßen, legt ein Vertreter des Handelsministeriums die Bedeutung des gewaltigen Projektes dar. Er weist darauf hin, daß außer den an⸗ geforderten 311 Millionen Mark später noch 400 Millionen bewilligt werden müßten.
Die Vorlage wird dem Hauptausschuß überwiesen.
Zur ersten Beratung ste
ullgemeinen Entwurf s
schaftlichen Anteile (Kuxe) regelmäßig 100 beträgt, durch
7 hierauf die Novelle zum Berggesetz von 1865. Nach dem oll § 101 des Gesetzes, wonach die Zahl der gewerk⸗
die
Satzung aber mit Genehmigung des Oberbauamts auf 1000 bestimmt werden kann, dahin abgeändert werden, daß sie auch auf ein von 1000, höchstens jedoch auf 10 000 fest⸗
gesetzt werden
In der Besprechung erklären sich fast sämtliche Redner für sofortige Verabschiedung der Vorlage, über deren Not⸗ wendigkeit man kein Wort zu verlieren brauche. Auf —
des Abg. Otter⸗Bochum
(U. Soz.) wird der Entwurf jedo
schließlich an den Ausschuß für Handel und Gewerbe ver⸗
wiesen.
Eine weitere Vorlage bezweckt eine Aenderung der Schiedsmannsordnung von 1879 dahin, daß die Geldstrafen für unentschuldigtes Ausbleiben den heutigen
Geldverhältnissen
gebühren von 75 bzw. 30 werden. Die Vorlage geht an den Rechtsausschuß.
entsprechend auf 3 bis 10 ℳ, die Schreib⸗ Pfg. auf 2 bzw. 1 ℳ heraufgesetzt
Da die auf der Tagesordnung nunmehr folgenden Ab⸗
stimmungen über den Haushalt des Ministeriums des und des Ministeriums für Volkswohlfahrt erst um 4 uinen sollen, tritt das Haus zunächst in die zweite Lesung landwirtschastli
es Haushalts Hauptausschuß hat
Verwaltung
der ein. Der
eneer
hr be⸗
en bei
den dauernden Ausgaben eine Erhöhung des Fonds für landwirtschaftliche Mittelschulen und zur Förderung
des landwirtschaftlichen einmaligen Ausgaben die Einstellu 1 700 000 ℳ zur Förderung der Landwirtschaft d
bei den
Schul⸗ und Beratungswesens,
— von
h Aus⸗
führung von Meliorationen, Umlegungen und Wasserleitungen und von 100 000 ℳ zur Errichtung eines fahrbaren Hebe⸗ krans für Fischereifahrzeuge in Eckernförde vorgeschlagen. Außerdem hat der Ausschuß 36 Anträge und 14 Ent⸗
schließun
zur Annahme e
fohlen. Die Anträge bezwecken
Sicherstellung der Volksernährung, schleunige Aufbringung der Getreideumlage, Förderung des Genossenschaftswesens und des Siedlungswesens u. a. m. Aus dem Hause liegen weitere Anträge vor, darunter ein solcher der Kommunisten auf so⸗ fortige entschädigungslose Enteignung des Großgrundbesitzes.
Abg. v. d. Osten (D. Nat.) gibt als Berichterstatter des Hauptausschusses eine ausführliche mündliche Darlegung über die im Ausschuß gepflogenen Erörterungen, die sich über den Ernte⸗
ausfall, die Förderun
der landwirtschaftlichen Erzeugung, den
Kampf gegen den Wucher, die Heimstätten⸗ und Siedlungsfragen, die Zulassung ausländischer Arbeiter, die völlige Aufhebung der Zwangswirtschaft, den Realkredit, die Rückwirkung der Wert⸗ verschiebungen usw. erstreckt haben.
Die Redezeit wird für jede Fraktion auf eine Stunde
festgesetzt.
Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten Dr. Wen⸗ orff: Meine Damen und Herren! Aus dem soeben gehörten ericht werden Sie bereits entnommen haben, daß die Beratung des
landwirtschaftlichen Haushalts im Hauptausschusse eine sehr eingehende
nd ausführliche gewesen ist.
Diese Tatsache wird auch durch den
Umfang der Drucksache Nr. 1171, auf der Sie die Beschlüsse des Hauptausschusses verzeichnet finden und auf die der Herr Bericht⸗ erstatter schon hingewiesen hat, sowie durch die außerordentlich mfangreichen Sitzungsberichte des Hauptausschnsses über denselben Gegenstand bewiesen. Während der Beratungen im Hauptausschusse ist von den Vertretern verschiedener Parteien die Auffassung geäußert orden, daß die Fragen der landwirtschaftlichen Verwaltung und vor llen Dingen der land wirtschaftlichen Erzeugung los⸗ ulösen seien von dem parteipolitischen Stande⸗ unkt. Ich begrüße diese Auffassung und schließe mich ihr an. Bravo! bei den D. Dem.) Auch ich bin der Meinung, daß diese ichtigen Fragen tatsächlich von der parteipolitischen Schablone los⸗ elöst zu behandeln sind. (Sehr richtig!) Ich bitte um die ver⸗ rauensvolle Mitarbeit aller Mitglieder dieses hohen Hauses, die mit nir der Ueberzeugung sind, daß die Landwirtschaft ein so lebens⸗ ichtiges Glied unseres Volkskörpers ist, daß sie dringend der tärkung bedarf, die mit mir die Auffassung hegen, daß die land⸗ irtschaftliche Erzeugung mit allen Mitteln gefördert werden soll um Besten des Volkes, zur Stärkung unserer Volksernährung, um onsere Volksernährung je länger je mehr von der Einfuhr aus⸗ ündischer Nahrungsmittel unabhängig zu machen.
—
*) Mit Ausnahme der durch Sper sn der )Sperrdruck hervorge
Herren Minister, die im Wortlauts⸗ wiedergegeben sind. 8 . 8 1
1
nen Reden
Landwirtschaft mit Mais erfolgen
Meine Damen und Herren, wenn die landwirtschaftliche Er⸗ zeugung gehoben werden soll, gebraucht die Landwirtschaft Platz, um
sihre Arme rühren zu können; ich neige also nicht der Auffassun 2 daß es angängig und zweckentsprechend sein würde, die Landwirtschaft mit Fesseln der Zwangswirtschaft zu belasten. (Sehr richtig!
bei den Deutschen Demokraten.) Nur auf dem Wege der allmähli völligen Ueberführung zur freien Wirtschaft wird es tatsächlich vmasch sein, der Landwirtschaft die Wege zu öffnen, um ihre volle Leistungs⸗ fähkgkeit zu betätigen. (Sehr richtig!; im Zentrum und bei den Deutschen Demokraten. — Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Aber — auch das darf ich in diesem Zusammenhange hervorheben — die Landwirtschaft wird sich dabei der großen Verantwortung bewußt sein müssen, die mit der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln auf sie gelegt ist, sie wird ihrerseits alles daran setzen müssen, auch von sich aus durch Einsetzung aller Kräfte die landwirtschaftliche Er⸗ zeugung zu stärken und sie wird auf der anderen Seite bereit sein müssen, den berechtigten Wünschen, der Leistungsfähigkeit der Ver⸗ braucher dadurch Rechnung zu tragen, daß sie nicht maßlose Preis⸗ forderungen stellt, die in den wirtschaftlichen Verhältnissen keine Stütze finden. Ich bin der Meinung, daß Vorgänge, wie wir sie kürzlich leider in der Kartoffelversorgung erleben mußten, nicht wieder vorkommen dürfen. Wenn auch die Zwangswirtschaft nicht wird wieder aufleben, so erachte ich es doch für angezeigt, durch Zu⸗ sammenwirken der Verbraucher und der Er⸗ zeuger unter Zuziehung des legitimen Handels, durch das Mittel der freien Vereinbarung einerseits die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen, anderseits dafür Preise festzusetzen, die den berechtigten Ansprüchen beider Teile, sowohl der Verbraucher als der Grzeuger gerecht zu werden geeignet sind. Jedenfalls werde ich es als meine Aufgabe betrachten, diese Vermittlungsbestrebungen von beiden Seiten zu fördern und dadurch zur Beruhigung der Be⸗ völkerung und zur Sicherstellung der Ernährung an meinem Teile beizutragen. (Bravo!)
Wenn ich sage: an meinem Teile, so möchte ich diese Gelegenheit benutzen, um einem Irrtum zu begegnen, der jedenfalls außerhalb dieses hohen Hauses vielfach gehegt wird, dem Irrtum nämlich, als ob der preußische Landwirtschaftsminister die zuständige Stelle wäre, der die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln obliegt. Die Zuständigkeit für diese Fragen an und für sich eignet dem Herrn Reichsernährungsminister und ist, soweit sie auf das Land Preußen delegiert ist, dem Herrn preußischen Staatskommissar für Volksernährung übertragen, der, wie aus den Verhandlungen des Hauptausschusses hervorgeht, zurzeit nicht dem Landwirtschafts⸗ ministerium, sondern dem Staatsministerium unterstellt ist. Es wird Sache des hohen Hauses sein, darüber zu befinden, ob es diesen Zustand auch für das neue Rechnungsjahr aufrechterhalten oder sich dem Antrag des Hauptausschusses anschließen will, den Sie auf Drucksache Nr. 1171 unter Ziffer 12 finden, und der dahin geht, daß die verbleibenden Geschäfte des für das nächste Etatsjahr aufzu⸗ hebenden Staatskommissariats für Volksernährung dem Landwirtschafts⸗ ministerium zur Abwicklung übertragen werden sollen. Solange die Zuständigkeitsverhältnisse so sind, wie sie zurzeit Rechtens sind, werde ich es als meine Aufgabe ansehen und dementsprechend verfahren, daß ich in allen diesen Fragen mich in engster Fühlung mit dem Herrn Reichsernährungsminister wie auch mit dem Herrn preußischen Staatskommissar halte. Es wird mein Bestreben sein, die be⸗ rechtigten Wünsche der Landwirtschaft hinsichtlich der Wagen⸗ gestellung, der Bemessung der Tarife und aller weiteren wichtigen wirtschaftlichen Dinge, die auch im Hauptausschuß behandelt worden sind, wie die Belange der Verbraucherschaft hinsichtlich der Ver⸗ sorgung mit Nahrungsmitteln zu erschwinglichen Preisen in steter Fühlungnahme mit den genannten beiden Herren m fördern. (Sehr gut!)
Damit hängt aufs engste ein Teil der Fragen zusammen, die der Herr Berichterstatter hier besonders mit Recht hervorgehoben hat. Es kommt zunächst die Frage der Versorgung der Landwirtschaft mit Futtermitteln in Betracht. Der Bedarf hieran ist in diesem Jahre infolge der ungünstigen Rauhfutterernte besonders groß. Ich habe bereits im Zusammenhang mit Anfragen und Anträgen, die in der letzten Zeit im hohen Hause gestellt worden sind, Verbindung mit dem Herrn preußischen Staatskommissar dahin gesucht, daß einmal der Landwirtschaft die Kleie aus dem Umlage⸗ getreide zu entsprechend ermäßigten Preisen zur Verfügung gestellt werden, und daß auch die Belieferung der Landwirt⸗ schaft mit Mais in möglichst weitem Umfange erfolgen soll. Vor allen Dingen muß noch eine Nachprüfung vorgenommen werden, ob nicht von der meines Erachtens reichlich engherzigen Auslegung der Bestimmung über die früheren Maisbelieferungsscheine ab⸗ gewichen werden kann, und ob auf diese Maisbelieferungs⸗ scheine, sofern sie bis zum 31. August d. J. zur Vorlage gelangt sind, nicht auch jetzt noch die Belieferung der soll. Ich glaube, daß es sowohl zum Besten der Verforgung unserer Landwirtschaft als auch zur besseren Versorgung der Bevölkerung mit tierischen Erzeugnissen, vor allen Dingen mit Milch und Butter, wird beitragen können, wenn auf diese Weise dafür gesorgt wird, der dringenden Futtermittelnot der Landwirtschaft zu begegnen. Damit wird auch dem unwirtschaftlichen Abschlachten vorgebeugt, einem Vorgang, der, wie der Herr Berichterstatter bereits zutreffend hervorgehoben hat, leider hat einsetzen müssen. Es liegen über die Zunahme der Schlachtungen im letzten Vierteljahr Zahlen vor, die immerhin sehr bedrohlich erscheinen und mit Recht die Gefahr in die Nähe rücken, daß wir im nächsten Jahr mit tierischen Erzeugnissen noch erheblich schlechter versorgt sein werden, weil die Viehhaltung wegen Futter⸗ mangel nicht unbeträchtlich hat eingeschränkt werden müssen.
Meine Damen und Herren, wenn ich neulich davon gesprochen habe, daß es die Aufgabe des Landwirtschaftsministeriums sein muß, die Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung zum Besten der Volks⸗ ernährung mit allen Kräften zu betreiben, so kommen dafür ver⸗ schiedene Mittel in Betracht. Der nächste Weg dazu ist die Ver⸗ mehrung der Kulturfläche. (Sehr richtig! bei den
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D. Dem.) Ich weiß mich eins mit diesem Hohen Haufe, ich den allergrößten Wert darauf lege, daß die Anbanfüäche dmih Kultivierung von Moor⸗ und Dedlandflächen erheblich vermehrt wird. (Sehr richtig!) Ich werde es begrüßen wenn mich dieses Hohe Haus darin unterstützen wird, die böchst. möglichen Geldmittel bereitzustellen, die für diesen Zweck nutzbringend im besten Sinne des Worts angelegt sein werden. (Sehr wahr!) Die dafür aufgewendeten Mittel sind werbendes Kapital, sie sind nicht einmal herausgegebene Erwerbslosenunterstützung, sondern es werden dadurch dauernde Werte geschaffen, es wird die Vermehrung der landwirtschaftlichen Erzeugung bewirkt, und damit nähern wir uns dem Ziel, dem wir alle nachgehen, uns unabhängig von der Ein⸗ fuhr aus dem Aus ande zu machen, einer Einfuhr, die wir bei den heutigen Preisen, deren Steigerung noch nicht abzusehen ist, je länger, um so weniger erschwingen können.
Eng zusammen mit der Frage der Besiedlung und Kulkivierung der Moore und Oelländereien hängt das weite Gebiet der Land⸗ gewinnungs⸗, der Eindeichungs⸗, der Küstenbefestigungsarbeiten an unserer Nordseeküste. Ich bin durchaus gewillt, auf diesem Wege planmäßig und, soweit es mit den dafür freizumachenden Mitteln irgend möglich ist, in großzügiger Weise fortzufahren.
Meine Damen und Herren, neben der Vermehrung der Anbau⸗ fläche hat die Bodenverbesserung einherzugehen, Meliorationen aller Art, Entwässerungen und Bewässerungen, die wiederum eine produktive Anlage von Kapital darstellen, durch welche die landwirt⸗ schaftliche Erzeugung vermehrt werden kann. In dieser Beziehung darf ich darauf hinweisen, daß diesem Hohen Hause allernächstens ein Gesetzentwurf zugehen wird, der einen Kredit von 100 Millionen für die Zwecke der Bodenverbesserung und zur Unterstützung von Ver⸗ einen, von Genossenschaften und anderen Körperschaften öffentlichen Rechts, die auf diesem Wege vorgehen, verlangen wird. Man kann gewiß zweifelhaft sein, ob nicht die angeforderte Summe von 100 Millionen bereits, ich möchte fast sagen, während der Zeit der Drucklegung des Gesetzentwurfs durch die fortschreitende Ent⸗ wertung des Geldes überholt ist, also als zu niedrig angesprochen werden muß. Aber das sind schließlich Fragen, die wir nachber i der Ausschußberatung einer näheren Prüfung unterziehen können. 8 Wichtig und notwendig erscheint es jedenfalls, auf diesem Wege voran. zugehen und mit staatlichen Mitteln die stärkere Ausführung vo Bodenverbesserungen aller Art auch tatsächlich zu unterstützen.
Neben diesen von mir als unmittelbar bezeichneten Maßnahmen eine Steigerung der ländlichen Erzeugung herbeizuführen, gibt es ein ganze Reihe mittelbarer Wege, die auch schon im Hauptausschuß be⸗ handelt sind und von dem Herrn Berichterstatter erwähnt wurden
befinde, daß es auch mein Bestreben sein wird, diese vielleicht von d
oder anderen Seite mehr als klein bezeichneten Mittel zu fördern, die tatsächlich geeignet sind, dem großen Zweck, dem wir nachstreben zur Durchführung zu verhelfen. 1
So wird im Landwirtschaftsministerium auf die Förderun des Genossenschaftswesens entscheidender Wert gelegt. Das entspricht einer Anregung und einem Beschlusse des Haupt⸗ ausschusses. Es ist dafür ein besonderer Ausschuß eingesetzt, und es ist anch in Aussicht genommen, aus weiten Kreisen der Genossen⸗ schaftsvertreter von Zeit zu Zeit Besprechungen in diesem Genossen schaftsausschuß im Landwirtschaftsministerium zu veranstalten und damit das Genossenschaftswesen lebendiger zu gestalten, vor allen Dingen die Genossenschaften im Lande zu verbreitern, zu stärken und in ihrer segensreichen Wirkung zu erhöhen. 8
Zu den mittelbaren Wegen gehört ferner die Hebung unseres landwirtschaftlichen Bildungswesens. Auch darauf ist bereits im Ausschuß eingehend hingewiesen worden. Zurzeit ist ein Gesetzentwurf in Vorbereitung, der sich damit beschäftigt, das ländliche Fortbildungsschulwesen in die Wege zu leiten und die Gemeinden zu ermächtigen, solche ländlichen Fortbildungsschulen zu schaffen. Auf die Notwendigkeit des Aus baus des ländlichen Mittelschul⸗ wese ns ist gleichfalls im Ausschuß Bezug genommen. Nach dieser Richtung hin werden wir der erhöhten Aufwendung von Mitteln bedürfen, um einem erfreulicherweise zutage tretenden Bedürfnis Rechnung zu tragen und die allgemeine landwirtschaftliche Bildung auch bei den Betriebsin habern der kleineren und mittleren Wirt⸗ schaften zu heben. Es wird hierbei vor allen Dingen Wert darauf zu legen sein, daß unmittelbare Beratungen der Betriebsinhaber durch die landwirtschaftlichen Lehrer draußen im Lande stattfinden daß Anleitungen zu Düngungsversuchen gegeben werden, und daß diese Düngungsversuche unter sachverständiger Leitung angestellt fort⸗ geführt und nachgeprüft werden.
1 Wichtig wird es meines Erachtens auch sein, dem Obstban eine erhöhte Pflege zuzuwenden und weitere Mittel dafür Win den nächstjährigen Haushalt einzustellen. Gerade auf diesem Gebiet werden wir in der Lage sein, erheblich größere Erträge aus dem heimischen Boden herauszuholen, als es bisher der Fall war.
Was endlich das höhere landwirtschaftliche Bil⸗ dungswes en anlangt, so benutze ich gern diese Gelegenheit, um meinem Herrn Amtsvorgänger den Dank — ich darf wohl sagen, der Landwirtschaft — dafür auszusprechen, daß es seinen Bemühungen gelungen ist, zwei der ersten Hochschullehrer, die Herren Professoren Aereboe und Hansen für die Berliner Hochschule vom nächsten Semester ab zu gewinnen und damit dazu beizutragen, der Land- wirtschaftlichen Hochschule in Berlin die führende Rolle zuzuweisen die ihr zum Besten der Landwirtschaft zukommt. 1*
In diesem Zusammenhang komme ich auf die Frage des Ausbaus der Institute in Dahlem einerseits und die Frage der Beschaffung eines Versuchsgutes für die Landwirtschaftliche Hochschule Berlin andererseits. Was das erstere angeht, so werden die Bauten, die zurzeit in Dahlem in der Aus⸗ führung begriffen sind, jedenfalls zu Ende geführt werden. Ob es allerdings darüber hinaus schon in alleruächster Zeit möglich sein wird, weitere Institute nach Dahlem zu verlegen, erscheint zum mindesten
zweifelhaft angesichts der gewaltigen Kosten, die diese Neueinrichtung von Gebäuden und allem was dazugehört, bedinat. Man wird sich 8— .“