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für die Wissenschaft geschehen ist, für die Kunst eine Notgemein⸗ Aufgabe des Reiches, hier ganz entschieden einzugreifen. Aber ich gebe die Versicherung, daß auch von mir alle Bestrebungen aufs lebhafteste gefördert werden sollen, um der großen Not der
*ℳ 2
;.
Würdigung unserer Wissenschaft hervor, daß die⸗ Wissenschaft uns wieder emporführen soll aus der Tiefe, daß sie uns neue Wege weisen soll, daß sie uns selbst wieder stärken soll in dem Glauben van unsere ungebrochene geistige Kraft. Dazu muß sich die Kunst
2
.
8.
vinzialschulkollegien, Prü
2
wahr!); Berlin hat hier hohe künstlerische und auch hohe soziale Aufgaben zu erfüllen und sollte sich der Verantwortung gegenüber der Künstlerschaft und gegenüber der Kunst bewußt sein. (Sehr wahr!)
Ueber allen diesen unmittelbaren Staatsaufgaben auf dem Gebiete der Kunst steht aber bei mir die aufrichtigste Teilnahme an der materiellen Not unserer gesamten Künstlerschaft. (Bravo!) Ob es möglich sein wird, wie es
schaft der Kunst zu schaffen, steht noch dahin. Eigentlich ist es ja
Künstlerschaft entgegenzutreten. Schmerzlich ist es für das preußische Kultusministerium vor allen Dingen, daß die Kaufkraft
des Geldes es ihm nicht mehr wie bisher möglich macht, durch
eigene Aufträge für die vorbildliche Lösung künstlerischer Aufgaben
selbst einzutreten. Im vollen Bewußtsein der großen hier liegenden Staatsaufgaben werde ich mich bemühen, eine Ver⸗
stärkung der staatlichen Mittel für diesen Zweck zu erreichen.
Meine Damen und Herren! Ich hob soeben bei der
gesellen. Die Kunst muß uns vieles ersetzen, was wir verloren
baben, sie soll uns zum reinen Idealismus hinführen. Haben
wir das, dann haben wir zwei Güter, Kunst und Wissenschaft, die uns niemand rauben kann. 8
(Bravo!) 15*
Haushaltsplanabschnitts „Pro⸗ E. höhere Lehr⸗ anstalten, Turnwesen“ hat der Minister für Wissenschaft,
Bei der Besprechung des
Kunst und Volksbildung Dr. Boelitz ausgeführt: Es ist im Laufe der Verhandlungen eine Reihe von Fragen
an mich gerichtet worden, die ich kurz beantworten möchte. Frau Jensen hat soeben von der Sabotierung der
Grundschule gesprochen und hat mich gefragt, in welcher
ich es heute an dieser Stelle noch einmal —, daß ich mich selbst⸗ verständlich als Minister auf den Standpunkt des und für die loyale
Weise ich das Grundschulgesetz durchführen werde. Ich habe im
Ausschuß erklärt — und wenn Gewicht darauf gelegt wird, erkläre
Gesetzes stelle
Durchführung des Grundschul⸗
gesetzes allenthalben eintreten werde. Daß Oberlehrer die Grundschule sabotieren, ist uns im Ministerium vollständig unbe⸗
kannt; es wäre uns von Wichtigkeit, Näheres darüber zu hören.
Wohl aber wissen wir — das ist uns mehrfach berichtet worden —, daß Eltern selbst ganz links gexichteter Kreise die Privatschule
der Grundschule vorziehen.
(Sehr richtig! rechts.) 7 Hinsichtlich der zweiten Frage, die Frau Abg. Jensen. an
mich gerichtet hat, ob bei der Aufnahme in die höhere Schule die Schüler der Grundschule bevorzugt werden sollen, stehe ich auf ihrem Standpunkt, daß unter sonst gleichen
Bedingungen die auf der Grundschule vorbereiteten Kinder den ersten Anspruch auf Aufnahme haben. Nach dem Abbau der Privar⸗ schulen wird über diese Dinge überhaupt nicht mehr zu reden sein.
Dann ist hinsichtlich der verheirateten Lehterinnen
Feine Frage an mich gerichtet worden. Preußen wird sich zweifel⸗ los an die Reichsverfassung halten, und ich kann mitteilen, daß
ein Beschluß des Staatsministerinms vorliegt, daß jetzt nach der Reichsverfassung die Heiratsklausel bis zu einer endgültigen reichs⸗ gerichtlichen Entscheidung in den Kontrakten keine Gültigkeit hat.
Im übrigen ist über die Frage der Mädchenschule heute wiederholt gesprochen worden. Die Frage hat wie im Ausschuß, so auch hier eine große Rolle gespielt, und es ist eine Reihe von Fragen an mich gerichtet worden. Namentlich die Zukunft des Lyzeums und des Oberlyzeums hat die Rednerinnen und Redner lebhaft beschäftigt. Ich möchte auch hier wiederholen, was ich im
Ausschuß gesagt habe, daß das Ministerium nicht daran denkt, die
Lyzeen aufzuheben.
Lyzeen und Oberlyzeen sollen, wie ich bereits
ganz besondere Aufmerksamkeit. Unser Streben geht unter, allen
Umständen dahin, die Bildungshöhe der Lyzeen und Oberlyzeen
und überhaupt die Bildungshöhe des gesamten Mödchenschulwesens
zu halten. Dabei denken wir nicht nur an Studienanstalten, sondern
an alle Arten von Mädchenschulen. Wir hoffen aber, daß eine größere Anzahl unserer Lyzeen und Oberlyzeen sich nach dem Typus
der deutschen Oberschule umstellen werde, die die Deutschtunde in den Mittelpunkt des gesamten Unterrichts stellen wird: deutsche Sprache und Literatur, deutsche Kunst und deutsche Musik, kurzum
eines fremden Volkes zeigen. schwerwiegende Frage nach der zweiten Sprache auf. Sie wissen,
Fals eine Schule mit nur einer fremden Sprache eingesetzt habe. Kier zeigen sich nun aber in der Praxis Schwierigkeiten ganz Einmal kommt von den Hochschulen die Be⸗
die ganze Deutschkunde, die deutsche Kultur. Daneben soll die deutsche Oberschule die stärkste Betonung der Kultur Es taucht hier allerdings die
daß ich mich als Abgeordneter allezeit für diese deutsche Oberschule
erheblicher Natur. fürchtung, daß die Bildungshöhe dieser vierten höheren Schule, wenn sie nur eine einzige Sprache habe, empfindlich leiden würde,
1
schulkolkegien herbeiführen.
Im Gegenteil, die Ausgestaltung der Lyzeen und Oberlyzeen erscheint dem Ministerium außer⸗
ordentlich wichtig. im Ausschuß gesagt habe, auf direktem Weg zur Universität führen. Der Frauenschule als der Krönung der Lyzeen gilt daneben uͤnsere
wertig erscheinen könnte gegenüber den drei anderen Lehranstalten, dann würden die angehenden Lehrer diese Schule nicht für ihre Ausbildung bevorzugen. Der zukünftige Lehrer, der von den vier Schulen, die ex wählen kann, dann die deutsche Oberschule wählen müßte, würde gegenüber anderen benachteiligt sein, weil er nicht die Möglichkeit hätte, auf der Universität den Doktorgrad zu er⸗ langen. Es ist da außerordentlich bezeichnend, daß das moderne Hamburg, das uns immer als Muster hingestellt wird, in der Frage der Aufbauschule bereits eine Entscheidung getroffen hat, die uns in üunserer skeptischen Haltung in der Sprachenfrage bestärkt hat.
Es wird aus Hamburg gemeldet: „Mit der Anerkennung der Auf⸗ bauschule als einer den anderen gleichwertigen Anstalt ist die Bahn
für die Entwickelung frei. — Aufbauschule ist hier im Sinne der
deutschen Oberschule als Aufbauschule gemeint. — Allen Abitu⸗
rienten der Aufbauschule steht der Kaufmannsberuf, das Bankfach,
die höhere Postlaufbahn offen, außerdem der Besuch der Tech⸗ nischen, der Kunst⸗, Musik⸗, Handels⸗ und Landwirtschaftlichen
Hochschulen. Auf den Universitäten können sie Mathematik, Natur⸗ wissenschaft und Pädagogik studieren. Wer zwei Sprachen erlernt
hat, hat dieselbe Berechtigung wie die Abiturienten der Real⸗ gymnasien und Oberrealschulen.“
Da wir nun selbswerständlich, wenn wir eine vierte höhere Lehranstalt schaffen, für die Anstalt auch sämtliche Berufe offen halten wollen, würden wir in die Not⸗
wendigkeit versetzt sein, daß eine Reihe von Abiturienten später auf den Unsversitäten Nachexamina machen müßte, und gerade diese Nachexamina bringen ja außerordentliche Schwierigkeiten. Ja,
Hamburg fügt sogar hinzu: „Nur für Theologie, alte Sprachen und Geschichte würde eine Nachprüfung auch in Griechisch erforder⸗ lich sein.“ Also auch Hamburg fordert für das Studium der Ge⸗ schichte Kenntnis des Griechischen. 16 Das Ministerium hat daher auf Grund einer eingehenden Sachverständigenkonferenz in Berlin und auf Grund des Votums
der Hochschulen sich zur bedingungslosen Forderung nur einer fremden Sprache nicht entschließen können. (Zuruf links.) — Es wird mir zugerufen: Sehr bedauerlich! Ja, meine Damen und Herren, ich empfinde dieses Bedauern selbst. Wenn man für eine
Ider gekämpft hat, und man sieht dann die ungeheure Schwierig⸗
keit, die sich aus langwierigsten Verhandlungen und sorgsamsten
Erwägungen ergibt, die Schwierigkeit, die vor allom aus der Praxis kommt — in der Theorie halte ich diese Schule immer noch für gut —, und wenn man dann fürchten muß, daß diese Schule über⸗
haupt nicht besucht wird, wenn weder die zukünftigen Lehrer diese
Schule besuchen, noch die Mädchen in diese Schule gehen wollen, und wenn, die Umgestaltung unserer Mädchenschule in das Ober⸗
lyzeum nach dem Typus der Oberschule in der Praxis scheitern
würde, dann stehen wir vor der einfachen Unmöglichkeit, das Expe⸗ riment zu wagen, diese Schule zu schaffen. u“
Es ist auch heute der Erlaß vom 25. September hier angeführt, und es ist von mir gefordert worden, daß ich ihn
zurückziehen soll; dieser Erlaß habe große Beunruhigung hervor⸗ gerufen. dieser Erlaß nichts anderes will, als ein Gutachten der Provinzial⸗ Wenn ich nun diesen Erlaß zurück⸗ ziehe — übrigens sollten die Gutachten bis zum 1. Dezember er⸗
Ich habe im Ausschuß bereits darauf hingewiesen, daß
stattet werden — dann würden wir diese Gutachten nicht be⸗
kommen, und es wäre doch wenig erfreulich, daß wir, wenn die Provinzialschulkollegien sich die genauesten Unterlagen für ihre
Berichte geschaffen haben, nicht über die Stimmung im Lande genau unterrichtet werden. In diesem Erlaß steht von einer Ver⸗ ringerung der Dauer der Lyzeen überhaupt nichts. Ein Gedanke klingt allerdings in diesem Erlaß an, und das ist der: wenn in
Zukunft nach dem Grundschulgesetz unsere Knaben erst mit dem fünften Schuljahr die erste fremde Sprache zu erlernen anfangen,
dann dürfen unsere Mädchen, soweit sie durch private Vorschulen
und private Schulen vorbereitet werden, nicht bereits mit dem
vierten Jahr mit der ersten fremden Sprache beginnen. Das
mag Ihnen doch sehr sympathisch sein, die Sie davon sprechen,
daß das Mädchen wesentlich schwächer sei als der Knabe, daß die
Konstitution des Mädchens es nicht erlaube, dasselbe in sechs
Jahren zu leisten, was der Knabe in sechs Jahren leistet. So wäre es doch ein Widerspruch in sich, wenn wir die Knaben erst nach vier Jahren die fremde Sprache beginnen ließen und die Mädchen bereits nach drei Jahren. (Sehr gut!)
Es ist weiter davon gesprochen und gefordert worden, daß ein besonderer Lehrplag für Mädchen für die deutsche Oberschule vorgelegt werde. Diese Frage wird im
Ministerium lebhaft erwogen. Da aber vorläufig vom Staat erst
fünfzig solcher Aufhauklassen nach dem Typus der deutschen Ober⸗ schule geplant sind und unter diesen fünfzig Klassen nur eine Mädchenschule ist — weil es staatliche Lehrerseminare sind, die
umgebaut werden —, so hat man einen besonderen Plan bis dahin
nicht entworfen. Es liegen aber jetzt dem Ministerium Pläne vor, und diese Pläne werden bei uns forgsam geprüft werden.
Ich wiederhole, was ich im Ausschuß hinsichtlich der Erziehung
der Mädchen gesagt habe, daß die psychischen Geschlechtsunterschiede ihre Berücksichtigung finden müssen. Am besten geschieht das innerhalb des Lehrplans, indem man Freiheit bei Auswahl des Lektürestoffes und der Art der Stoffbehandlung läßt. Der weib⸗ lichen Eigenart wird ferner aber vor allem durch die Zusammen⸗ setzung des Lehrkörpers Rechnung zu tragen sein. .
Es hat dann eine Rednerin gesagt, ich hätte mich scharf gegen die Koedukation gewandt. Bis heute ist die Einführung der generellen Koedukation im Ministerium nicht geplant gewesen. Eine
Die Berichte der Direktoren der höheren durchweg günstig. Nur wenige Bedenken werden ausgesprochen,
S
wir erklären doch, daß wir den Friedensvertrag durchführen wollen und müssen. Wenn also die harte Not uns zwingt, um die kulturelle Höhe unseres Volkes zu erhalten, hin und wieder; Notlösungen zu greifen, so sollte man sich dessen freuen und nicht von einer „verschleierten“ Koedukation reden. Es sind ja in allen Fällen bestimmte Kautelen vorgesehen. .
Schließlich haben wir den Versuch gemacht, in solchen Städten, in denen es keine andere höhere Lehranstalt gibt, als eine Lehr⸗ anstalt für Knaben, Mädchen, die Erlanbnis zu geben, die höher⸗ Knabenschule zu besuchen. Am 1. Mai d. J. besuchten 1921 fung⸗ Mädchen auf 198 preußischen Anstalten höhere Knabenschulen
Lehranstalten lauten fost
Der Versuch ist zweifellos zu begrüßen. Weiteren Versuchen stehe
ich freundlich gegenüber. Aber sie stellen nur Notlösungen dar (uruf.) Es muß die Mädchenschulreform in Angrif
genommen werden, und ich gebe Ihnen die Gewißheit, daß sie i Angriff genommen werden wird.. .
Nun noch eine jetzte Frage wegen des Kottbuser Er⸗ lasses! Die Uingestaltung nach dem von Kottbus vorgeschlagenen Lehrplan war selbstverständlich wie bei jeder Umwandlung stufen⸗ weise gemeint. Kottbus hat die drei Klassen des Oberlyzeums auf
einmal umgewandelt. Daraus ergeben sich nun Schwierigkeiten nach der ersten Reifeprüfung. Die Anerkennung dieser Zeugnise
ist zurzeit nicht möglich, aber auch nicht nötig, weil die Mädchen zunächst alle in die Seminarklassen eintreten wollen. Nach dem dritten Jahre wird zweifeklos die Anerkennung der Reifezeugnise erfolgen. 11“ Im übrigen muß ich erklären, daß über die Zuerkennung der Reife für die Universität das Ministerium für Wissenschaft, Kunft und Volksbildung nicht allein zu entscheiden hat, sondern daß auch andere Ressorts mitentscheiden, z. B. das Justizministerium. Die Krisis, in der sich die Oberkyzeen befinden und von der
mehrfach gesprochen worden ist, kann am allerbesten dadurch über⸗
wunden werden, daß man bald an die Arbeit geht, die Lyzeen
und Oberlyzeen in deutsche Oberschulen umzu⸗ wandeln. Voraussetzung ist dabei natürlich, daß sie wirkliche
höhere Schulen werden und daß im Lehrkörper genügend viele
8
(Zentr.) und 1 treffend Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Gesetze über
akademisch gebildete Lehrer vorhanden sind. Wird diese Voraus⸗ setzung erfüllt, dann können auch die Lyzeen und Oberlyzeen aus dem schwierigen Zustande, in dem sie augenblicklich zweifellos sind, in einen besseren Zustand übergeführt werden. (Bravol)
83. Sitzung vom 14. Dezember 1921, Mittags 12 Uhr. (Bericht des Nachrichtenbürps des Vereins deutscher Zeitungsverleger')!
Auf der Tagesordnung steht zuerst der Antrag Dr. Porsch 885 nossen auf Annahme eines Gesetzes, be⸗
Seaberangaguschläͤge zu den Gebühren der Notare, Rechtsanwälte
und Gerichtsvollzieher und zu den Gerichtskosten. — Der
Antrag wird in drei Lesungen ohne Erörterung erledigt.
Nunmehr, wird die Beratung des Kultusetats fort⸗
rüfungsämter, öhere Lehranstalten und
ge beim Abschnitt „Provinzialschulkollegien,
Turnwesen“..
Abg. Goktscha 11 (Dem.): Wir verkennen nicht die Be⸗
deutung der formalen Bildung des humanistischen Gymnasiums, aber auch dieses muß si
den Gegenwartsaufgaben anpassen. Wir betonen ausdrücklich, daß auch in den Realanstalten sogenannte humane Bildung gefördert werden kann. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß auch die Religion zur wahren. Menschheitsbildung gehört, wie es schon Schleiermacher betont hat. Im naturwissen⸗
hesel hen Unterricht muß auf der Oberstufe auch die Biologie
latz finden. Den ringenden jungen Menschen müssen die
Probleme der Weltanschauung näher gebracht werden. Unsere
die ST
Jugend müssen wir vor Pessimismus und Skeptimismus be⸗ wahren. Der Unterricht auf der Oberstufe muß unbedingt freier gestaltet werden. Die Prüfung bedarf einer Reform. Gewiß ist der junge Mensch stolz auf das, was er leistet, aber manchmal it es leider ein falscher Stolz. Oft kommt sich der junge Nensch vor wie eine geladene Leydener Flasche, die man nur anzuzünden braucht und es kommt ein Funken hexaus. Nun hat aber nur das selbst Erarbeitete Wert. Die Prüfungen sollen Leistungs⸗ prüfungen sein. Zu meiner Freude habe ich gehört, daß die Regierung eine Reform der Reifeprüfung vornehmen will. Wir wollen eine nationale Erziehung im Sinne Fichtes, wir wünschen Hingabe an das Ganze, an den Dienst für Wahrheit und Menschen zu erziehen. Zur harmonischen Ausbildung. des Menschen gehört auch die körperliche Ausbildung. Auch wir wollen Bildung der Fran hochhalten, aber wir wollen
nicht vergessen, daß das deutsche Volk, auch Hausfrauen und Mütter nötig hat. Wir wünschen, Finfluß der Frau 1 der Schule verstärkt wird. Die Schulgeldfrage wird eine ernse Prüfung nötig machen. Wir freuen uns über die Erklärung des Ministers, daß er für die materielle Not des pädagogischen Nac⸗ wuchses volles Verständnis hat. Wahre Demokratie will, daß das Volk bis in die tiefsten Schichten der höheren Bildung teilhafti wird. Dann wird die Demokratie zur Aristokratie in des Fhetes schönster und bester Bedeutung. (Beifall bei den Demokraten) Zur gv Verhesareczunf über Lehrerbildungs wesen und Volksschulwesen erklärt K Abg. Simon⸗Neusalg (Soz.): Der neue Minister hat sich als Koalitionsminister bezeichnet. Wie steht er zur Verweltlichun der Schule? In den Landschulen ist von Oeffentlichkeit des Unter⸗ richts, von Mitwirkung der Eltern kaum die Rede. Es steht alles noch auf dem Papier. Der Gedanke der Versuchsschule sellie vom Staate gefördert und praktisch erprobt werden. Den 89 lehrern muß die Unterrichtsverwaltung jedes nur mögliche vas gegenkommen bezeigen. Für den Abbau der Mittelschulen 1 wir ein: Die Volksschule muß die Höhe der Leistungen der Wite schule erreichen. Die Anspannung der Lehrer in den Volksschule
flege des sütr sehen, wir das unbedingte Sicheinsetzen für die löõsende
Minister in das Rückschritt ist ordneten Bahnen. Dazu sind schulen wirklich nicht notwendig. endlich damit vor, die bisherigen Versäumnisse auf dem Gebiet der Lehrerbildungsform gut zu ma
Gutes geleistet, aber ihre stelung mitten in das 1 werden, die Lehrer müssen ihre Vorbildung auf höheren .San en
Lehrer . auch wir mit Entschiedenheit ab, denn es stellt keine Lösung
1
der gezeichnet bewährt. hemokratis lehnen wir a 1 Fehetene Lehrer und Schulleiter aus diesem Grunde nicht gegen
en ir Perabschiedung des Gesetes, bett, die Zusammensetzung der Stuldeputationen, ist außerordentlich beklagenswert.
te, ” die es vor dem Kriege erreicht hatte.
19 Damen und Herren! Aus der großen Fülle der Fragen und
besttauckt sind lassen Sie mich in Anbetracht der Geschäftslage des i näher eingehen möchte, die Frage der zukünftigen Ge⸗ saltung unserer Lehrerbildung. Fragen, die
in Ausschuß ihre Klärung gefunden.
0
u wollen und sie dort erneut vorzubringen, zumal da ja, wie Sie wisen der Etat für das Jahr 1922
nicht dur
sezung von Schulaufsichtsbeamtenste cher das nach Erweiterung der Rechte der Elternbeiräte den Ausbau der
Pege wird auch die preußische Volksschule ihren Dienst am Reiche Gottes erfüllen und eine wahrhaft unter dem Zeichen steht: „Bete und arbeite“
sebeahnr neen darf, ebensowenig wie die
ein. (Beifall
eiheitlichen, der jeden nach seiner Fasson selig werden ließ? Die Einheitsschule läßt sich ja heute nicht verwirklichen, aber die Realisierung des Gemeinschafts⸗ und Arbeitsschulgedankens wird die Einheitsschule erreichen helfen. Volkshochschulen sollten mög⸗ lcchst in jedem Regierungsbezirk ins Leben gerufen werden. Abg. Gottwald⸗Berlin (Zentr.): Unsere Volksunterweisung erschent auch heute noch als sehr billig, vefn se kostet etwa das Zehnfache der 1“ während die Post ihre Gebühren ver⸗ zwanzig acht und auch damit ihre Ausgaben nicht voll decken kann. Üm unsere Kultur aufre tzuerhalten, müssen wir auch für die Hebung der Volksbildung alle Kräfte einsetzen. Die Noat der Zeit it gerade, die uns dazu zwingt. Ich bin allen neuen Gedanken auf pidagogischem Gebiet durchaus zugänglich, will aber von einer kememung des Reichsschulgesetzes im Sinne des Vorredners nichts wissen. it Versuchsschulen ist man in Breslau vorgegangen, und das überraschende Ergebnis war, da die katholische funktionierte, wahrend es bei der evangelischen Schwierigkeiten gab, ein Beweis dafür, daß die katholische ehrerschaft für jede gesunde Neuerung durchaus zu haben ist. Die Durchdringung der Lehrerschaft mit tschaftlichen Kenntnissen ist dringend notwendig. Die ation der Lehrer an der so⸗ Keecen chcüichen Farwltät in Frankfurt a. Main ist tunlichst zu erleichtern und zu beschleunigen. Die Bildungseinrichtungen der Hochschulen müssen auch der Volks⸗ hulehresgchaft zugänglich gemacht werden. — Der Redner ver⸗ wendet sich dann für die Nichtverkürzung der Beschulungsgelder im Sinne der Eingabe des preußischen Städtetages. Der Not der Ge⸗ meinden müsse vom Staate gesteuert und gleichzeitig für die Herbei⸗ führung größerer Gleichmäßigkeit im Schulwesen Sorge geträgen werden, über der Zusammenlegung von Schulklassen dürfe die Gründung neuer nicht B werden. — Für den Religions⸗ interricht der katholischen Minderheiten ist immer noch nicht ge⸗ nügend Pfcra Starkes Befremden hat der Fall der Umwandlung einer katholischen Lehrerstelle in eine evangelische durch die Regierung in Wiesbaden erregt. 1 Ein Vertreter der Unterrichtsverwaltung ent⸗ gegnet, daß in diesem Nassauer Falle lediglich nach den bestehenden eetlichen Bestimmungen verfahren worden ist. Es werde aber eine nochmalige Prüfung des Falles erfolgen, um event. zu einer Ver⸗ ständigung E. Flan en. 11“ — Abg. Kickhöffel (D. Nat.): Die alten Lehrerbildungs⸗ anstalten, die nun mit dem 1. April 1922 einer grund⸗ legenden Aenderung unterzogen werden sollen, hatten Vorteile, die inbedingt in die neuen Gebilde übernommen werden müssen. Gerade die alten Seminare boten in vorbildlicher Weise „freie Bahn dem Tüchtigen’. Der preußische Lehrerstand erzog sich insofern selbst, als die Lehrerbildner zum größten Teil aus der Lehrerschaft selbst hervorgingen. In der Uebergangszeit dürfen die jetzigen Lehrkräfte rücksetzung verbittert werden. Wenn man in die neue Form der Lehrerbildung die Vorzüge der alten hinüberrettet und ihr die 1 ulform . dann wird auch in Zukunft ein tüchtiger Volksschullehrerstan vorhanden sein. Die siebenklassigen Seminare lehnen wir ab und verwahren uns gegen die verheiratete Lehrerin in der Volksschule. Der wirtschaftlichen Not des Volksschullehrers muß mit aller Macht entgegengearbeitet und die Frage der Jung⸗ lehrer baldigst geregelt werden. Es geht nicht an, daß ein Lehrer, der die Familie für einen längst überwundenen Standpunkt erklärt, noch ferner an einer christlichen 7 unterrichtet. Bei der Be⸗ von en dürfen parteipolitische Rück⸗ hten nicht in Betracht kommen. Die Lehrerschaft bedarf um so mehr des Schutzes, je mehr im Lande die Autorität schwindet. Grund⸗ sätlich halten wir an der Mitwirkung der Eltern in der Schule fest,
im Sinne der 8 lehnen wir ab. 19 Grundlage der Erziehung. Redner trägt dann noch eine ihe von Wünschen speziell der Landlehrer vor und befürwortet Ferthi heng⸗ chulen auf dem Lande sowie stärkere andarbeitsunterrichts der Mädchen. In dem Geist von
Die Familie ist für uns die
ufgabe und die Hingabe des Einzelnen an das Ganze. Auf diesem christliche. Veggeschnle sein, die (Beifall 1n Abg. Hollmann (D. Vp.): Ruhe und Stetigkeit will der Schulwesen bringen. Nicht Stillstand oder gar damit gemeint, sondern ruhige Entwicklung in ge⸗ besondere Dezernate für Versuchs⸗ Die preußische Regierung geht
nachen. Die alten Seminare haben sehr Zäit ist vorbei, sie müsfen aus i rer Arbeits⸗ leben, mitten in die Arbeit hineingestellt
alten, ein verkapptes Aufbauschulen zu; Das siebenklassige Seminar
der Oberschule, erhalten, die aber nicht wieder ein ver
ortbildungsschulen werden dürfen.
Lehrerbildungsproblems dar. Wie freuen uns der völligen Durch⸗ hrung der staatlichen Schulaufsicht im Hauptamt und erwarten, aß schon der nächste Etat Mittel bereitstellen wird, um die vor⸗ idenen Lücken auszufüllen. Die Regierungsschulräte sollten der egel nach aus den Kreisschulräten entnommen werden. Den Abbau Mittelschulen machen wir nicht mit, denn sie haben sich aus⸗ Auch den Antrag der Unabhängigen Sozial⸗ der verlangt, daß aus der Kirche aus⸗ illen versetzt werden dürfen. Die andauernde Verzögerung 9 — Es gilt die Höhe der Leistungsfähigkeit des Volksschulwesens wieder Was das arme hundert Jahren vermochte, muß auch heute möglich ( bei der D. Vp.) “ Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Dr. Boelitz:
reußen vor
Probleme, die auch bei der Behandlung dieses Kapitels wieder auses nur eine große und bedeutsame Frage berausgreifen, auf die
Eine Reihe von heute wieder aufgeworden worden sind, hat ja bereits Bei anderen muß ich Sie uch beute bitten, sich bis zur Beratung des neuen Etats gedul den
bereits fertig vorliegt und eine
seit langem an ihre eigene
viel erreicht ist, wenn wirklich
gesagt werden. Unser Volksschullehrer ist nicht nur ein Lehrer, der den Kindern den Lehrstoff vermittelt, sondern er ist auch der Erzieher des Volkes, der ja mit Aufopferung an der Seele des Kindes arbeitet, und darüber hinaus ist er in Dorf und Stadt Führer des Volkes. Er hat diesen trefflichen Ruf als Führer des Volkes aus der alten Zeit in die neue Zeit hinübergerettet. Das erkenne ich freudig und dankbar an. -
Deshalb haben auch die Ansprüche, die die deutsche Lebrerschaf Ausbildung macht, bei der Regierung weitgehendstes Verständnis gefunden. Wir alle wissen ja — und es ist immer wieder zum Ausdruck gekommen —, daß der Lehrer unter der Abseitsbildung die Präparandie und das Seminar betritt, der die lange Straße geht, an deren Ende nur ein Ziel, seine Schule in Dorf oder Stadt⸗ 88 leuchtet, muß diesen Weg gehen, auch wenn er unterwegs fühlen ollte, einer von ihnen hat es schmerzlich entbehrt, daß keine Möglichkeit bestand, einen Weg nach rechts oder nach links zu gehen, der ihn zu
einem anderen Ziele führte. Es gab keine Brücke und keinen Steg.
Er mußte den langen, ihm einmal vorgezeichneten Weg gehen bis hin zu seinem Amt, das ihm von ferne winkte. Hier hat sich manch eine
Tragödie im stillen abgespielt. Diese Abseitsbildung zu beseitigen, ist die Hauptaufgabe, die wir uns gestellt haben.
. Dann ein Zweites: In unserer Lehrerschaft ist das Streben nach einer vertieften Allgemeinbildung außerordentlich stark vertreten, und dazu kommt die Forderung, daß die Allgemein⸗
bildung unter allen Umständen von der Fachbil⸗
dung getrennt werden müsse. Diese beiden Wünsche der
Lehrerschaft, Beseitigung der Abseitsbildung und Trennung der Allgemein⸗
bildung von der Fachbildung, werden in Erfüllung gehen. Dafür
bürgt unter allen Umständen die Reichsverfassung. Artikel 143 Absatz2 der Reichsverfassung besagt, daß die Lehrerbildung nach den Grund⸗ sätzen, die für die höhere Bildung allgemein gelten, für das Reich einheitlich zu regeln sei. Dieser Artikel verlangt also zunächst Aus⸗ bildung nach den Grundsätzen der höheren Bildung, und wir vertreten den Standpunkt, daß diese „höhere Bildung“ zunächst „höhere Schule mit Abschluß des Abituriums“ bedeutet. Zweitens aber ver⸗ heißt die Verfassung einheitliche Regelung der Lehrerbildung für ganz Deutschland. daß auch hinsichtlich der allgemeinen Regelung der Lehrerbildung für ganz Deutschland die finanziellen Nöte die Ausführung der Absicht der Verfassung bisher erschwert haben; aber die Länder müssen es sich angelegen sein lassen, bei ihren Reformbewegungen die Einheit⸗ lichkeit der Lehrerbildung unbedingt herzustellen. Also einmal, sagte ich, garantiert die Reichsverfassung dafür, daß die Wünsche der Lehrer erfüllt werden, dann aber bürgt auch dafür das Programm, das mein verehrter Herr Amts⸗
vorgänger vor wenigen Wochen im Hauptausschuß des Land⸗
tags als sein pe Dieses Programm über die zukünftige Lehrerbildung hat Ihnen allen im Druck vorgelegen, auch die Presse und die Oeffentlichkeit haben sich lebhaft mit ihm beschäftigt. Man kann von ihm sagen, daß, wenn auch vielleicht nicht alle Blütenträume reiften, doch ungeheuer
Programm gesagt worden ist..
Ich persönlich habe mich zu diesem Prograum als Abgeordneter und als Minister bekannt, ohne mich freilich auf Einzelheiten des
Programms dabei festzulegen. Auf jeden Fall wird, wie Sie wissen, zu Ostern 1922 der erste Versuch mit 50 Aufbauklassen gemacht werden, die nach dem Typus der deutschen Oberschule ein⸗ gerichtet werden sollen. Aber mit aller Deutlichkeit möchte ich noch einmal sagen, was ich schon im Ausschuß gesagt habe, daß selbstverständlich diese deutsche Oberschule nicht etwa die einzige Ausbildungsmöglichkeit unserer zukünftigen Lehrer darstellen soll, sondern daß unsere Lehrer das Recht haben, durch alle Arten unserer höheren Schulen hindurch⸗ zugehen, durch das Gymnasium, das Realgvmnasium, die Oberreal⸗
schule und die deutsche Oberschule So wird dem angehenden Lehrer
die Reiferrüfung den Abschluß der Allgemeinbildung bringen. Damit ist die Möglichkeit des Zugangs zur Universität jedem einzelnen, der den Lehrerberuf ergreifen will, von selbst gegeben. i1 Was nun die Fachbildung angeht, so stehe ich auch hier auf dem Standpunkt, den mein verehrter Herr Amtsvorgänger in seinem perfönlichen Programm entwickelt hat. Aber ich habe die Pflicht, bier offen vor Ihnen zu bekennen, daß in dieser Hinsicht noch alles im Stadium der Erwägungen und der Besprechungen ist. Ich möchte glauben, daß schwer sein wird, hinsichtlich der Gestaltung dieser Institute oder Akademien, mögen sie an die Universität angelehnt werden oder nicht, etwas Genaues zu sagen. Wir wissen noch gar nicht, welche Arten von Schulen wir nach dem Reichsschulgesetz bekommen werden. Wie können wir da die Frage der Fachausbildung für die Lehrer noch pöllig unbestimmter Schularten heute bereits endgültig lösen? Wünschen, meine Damen und Herren, mit Experimenten auf diesem Gebiete ietzt schon zu beginnen, stehe ich sympathisch gegenüber. Ich muß aber erklären, daß das Staatsministerium bisher noch keine Stellung zu diesen Wünschen genommen hat. sichtlich der Frage der Fachausbildung unbedingt der Mahnung meines Herrn Amtsvorgängers an, daß man sich über diesen zweiten Schritt nicht streiten und daß man sich nicht gegenseitig bekämpfen und dadurch unter Umständen den ersten Schritt illusorisch machen soll.
es vor Erlaß eines Reichsschulgesetzes sehr
Ich schließe mich hin⸗
Meine Damen und Herren, es liegt uns allen in der Unterrichts⸗
erreicht werden kann, was in diesem,
mit ganzer Kraft,
ungeheuer gelitten hat. Der Lehrer, der
daß er sich für einen anderen Beruf besser eignet. Und manch
Die Oeffentlichkeit ist hereits darüber unterrichtet,
persönliches Programm entworfen hat.
8
Religionsunterricht zu erteilen. (Zuruf bei den Komm.) — Ja, Herr Katz, wenn Sie länger im Hause wären, würden Sie wissen, daß ich seit drei Jahren beständig hierfür eintrete, (Abg. Katz: Ich warte auf das Aber!) ich bin aber über⸗ zeugt, daß auch unendlich viele Lehrer freiwillig den Religionsunterricht in unseren Schulen erteilen werden (sehr richtig! rechts), und die Anschauung, daß auch in unserer Lehrerschaft ein Geist herrscht, der von der Religion und den religiösen Kräften nichts wissen will, ist vollkommen abwegig. (Sehr richtig! rechts.) Ich glaube, wenn einmal die genaue Statistik vorgelegt wird, die in Bearbeitung ist, wie unsere Lehrer zur Erteilung des Religionsunterrichts stehen, dann werden Ihnen noch manche Lichter aufgehen. Wenn ich dabon sprach, daß die Gewissensfreiheit jedem einzelnen garantiert werden soll, so warne ich davor, den Sperrparagraphen, der in. Artikel 174 unserer Reichs⸗ verfassung steht, zum alten Eisen zu werfen und nun un⸗ gestim zur Gründung sogenannter welklicher Schulen zu schreiten. Sie wissen genau. daß in diesem Artikel 174 steht: „Bis zum Erlaß des Reichsschulgesetzes — des inr Artikel 146 Abs. 2 vorgesehenen Reichsschulgefetzes — bleißt es bei der bestehenden Rechtslage.“ Herr Minister Haenisch und mein verehrter Herr Amtsvorgänger haben all denen, die glaubten, daß sie am Religionsunterricht nicht teilnehmen dürften, weitgehende Konzessionen gemacht, Konzessionen, die in der Errichtung von Sammelklassen für solche Schüler bestehen, die am Religionsunterrichtnicht teilnehmen wollen. Ich habe gar keine Veranlassung, zu sagen, daß diese Sammelklassen etwa wieder eingezogen werden sollen. Man stelle sich auch nur einmal die Unordnung vor, die dadurch entstehen würde! Aber diese Sammelklassen sind keine weltlichen Schulen, sondern sie sind eben Notklassen. Weltliche Schulen gibt es nicht, und ich bin keineswegs gewillt, den Rahmen, den Ihnen Herr Haenisch konzediert hat, noch weiter zu spannen. Ich gebe zu, daß Teile des Lehrer⸗ standes durch die augenblickliche Lage in eine gewisse Schwierigkeit kommen, und daß sie mit einem gewissen Recht über eine zu lang⸗ same Verabschiedung des Reichsschulgesetzes klagen, ja, daß sie die Verabschiedung des Reichsschulgesetzes dringend fordern können. Mielleicht wäͤre es gut, wenn man nicht bald zum Ziele kommen sollte, ein R eichsnotgesetz einzubringen. Ich erkenne diese schwierige Lage an; aber ich weiß anderseits auch, daß unfere Lebrerschäaft sich in ihrer Pflichttreue und Hingabe durch die politischen Momente, die das Werk immer wieder verzögern, nicht irremachen lassen wird. (Sehr richtig! rechts). S 8 Daß ich für den Schutz der konfesstonellen Schule eintreten werde, versteht sich ganz von selbst. Ich weiß zu gut, was wir der konfessionellen Schule und der christlichen Simultanschule zu danken haben. Die weltliche Schule mag, wenn einmal das Reichsschulgesetz kommt, kommen, und sie wird kommen, und sis mag dann in einem Konkurrenzkampf zeigen was sie leistet und was sie vermag. Daß ich sis persönlich nicht als mein IJdeal bezeichne, wird mir niemand, auch nicht auf der linken Seilte dieses hohen Häuses, übelnehmen. 1 “ Es ist uns soeben von Herrn Abg. Simon ans Herz gelegt worden, wir möchten doch den Lehrern, die aus der Kirche auskreten, unter allen Umstaänden ihre Stellen erhalten. Ja, dem wiederstehen zwei Punkte, einmal Artikel 174 unserer Reichsverfassung und dann das Volksschulunterhaltungsgesetz. Sie werden nicht vom Ministerium verlangen, daß es sich über die Verfassung und über ein bestehendes Gesetz einfach hinwegfetzt, Härten hat man zu vermeiden gesucht und hat sie wohl auch meist vermieden. Die pteußische Regierung ist, soweit ich unterrichtet bin, in allen Fällen außerordentlich entgegengekommen, mehr vielleicht als die Regierungen anderer Länder, in denen der Austritt aus der Kirche zugleich auch Grund für sofortige Entlassung der Lehrer war⸗ 6 Hinsichtlich der Frage der kollegialen Schulleitung hat Herr Abg. Simon auch eine ausführliche Antwort erbeten. Ueber diese Frage ist im Ausschuß eingehend gesprochen worden. Sie wissen, es sind drei Versuchsbezirke eingeführt: Düsseldorf, Wiesbaden und Hannover. Diese Versuche und die Ergebnisse dieser Versuche sollen abgewartet werden. Nach Osten werden Referenten des Ministertums diese Bezirke besuchen, und dann werden nähere Mitteilungen über die Erfahrungen mit der kollegialen Schulleitung erfolgen. “ Hinsichtlich es Militärwaisenhauses in Potsdam sagte Herr Abg. Simon schon, daß es nicht meinem Ressort unter⸗ steht, sondern dem Wohlfahrtsministerium. Ich bin also nicht in der Lage, Näheres darüber zu sagen. ““ Den Versuchsschulen stehe ich sympathisch gegenüber, aber ich muß ihre Einrichtung an bestimmte Bedingungen knüpfen, namentlich in solchen Versuchsschulen, in denen höhere Zielforderungen gestellt werden als in Volksschulen, weil sie dann über ihre Be⸗ stimmung hinauswachsen und dadurch die Staatsleistungen in Frage gestellt werden würden. Ernste Worte sind hinsichtlich der Flücht lingslehrer ge⸗ sprochen worden. Dieser ganze, Fragenkompler wird auf Grund einer Antrage des Herrn Abg. Lukassowitz im Einverständnis mit dem Herrn Finanzminister beantwortet werden. Die Antwort wird, wie ich hoffe, bald erfolgen und auch sicher wohl befriedigend lauten. Hinsichtlich der Person des Herrn Stadtschulrats Paulsen ist ganz richtig gesagt worden, daß er jetzt die Schul⸗ aufsicht in den Bezirken 1 bis 6 hier in Berlin hat. Es ist nun gefordert worden, daß ihm auch die Bezirke 7 bis 20 unterstellt werden sollten. Nun unterstehen aber diese Bezirke in der Mehrzahl
und schon heute ist mitgeteilt worden, daß die Fakultäten Promotion von Schülern, die mit diesem Zeugnis des Maturums auf die Universität gehen, nicht zulassen werden. Ja weiter, es gibt Länder, wie Baden, die die Immatrikulation solcher Schüler mit dem Zeugnis einer preußischen Oberschule an ihren Universi⸗ täten nicht gestatten werden. Auch von der Schweiz sind uns dahin gehende Mitteilungen geworden. . 2 Dazu kommt ein zweites. Aus den Kreisen der Mädchenschulen werden die lebhafteen Bedenten geltend gemacht. Wenn wir nun, so sagen die Vertreter der Mädchenschulen, den direkten Weg zur Universität bekommen, und unsere Mädchen sollen dann nicht in der Lage sein, auf den Universitäten alles zu studieren, dann werden die Mädchen natürlich nicht eine Schule mit nur einer fremten Sprache wählen, sondern sie verlangen eine Schule mit zwei fremden Sprachen. 1 Weiter sind aus den Kreisen der Lehrerbildner in letzter Zeit lebhafte Besorgnisse geäußert vrden. Die Lahrerbildner sagen, wenn hier wirklich eine neue Schule geschaffen wird, die dadurch, daß ihr nicht volle akademische Berechtigung zukommt, minder⸗
epe E. verwaltung daran, einen kenntnisreichen und arbeitsfreudigen Lehrerstand zu bekommen, der mit Begeisterung und Hingabe an dem schweren Amt arbeitet, das ihm zufällt. Manches, was ihn in der Vergangenheit ein⸗ geengt bat, ist gefallen, und wenn versucht wird, gewisse Kreise der Lehrer⸗ schaft mit dem Gedanken gruselig zu machen, Wich wfürde für die Wieder⸗ b Schließlich möchte ich Herrn Abgeordneten Gottwald auf den einführung der geistlichen Schulaufsicht eintreten — wie immerhin recht schweren Vorwurf, den er bezüglich der Beschäftigung ich es gestern im „Vorwärts“ gelesen habe —, so lese man bitte nach, was der Junglehrer erhoben hat mit wenigen Worten antworten. ich im Jahre 1919, also vor drei Jahren, über die Notwendigkeit der Er meinte, das Ministerium sei an der großen Not, die durch die Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht gesagt habe. große Zahl der Junglehrer entstanden sei, schuld. Das Ministerium Ich werde doch heute, wenn ich vor drei Jahren für die Aufbebung haete sehen und wissen müssen, daß einmal die Zeit kommen würde, eingetreten bin, nicht jetzt dafür eintreten, daß sie nachträglich etwa in der Tausende von Lehtern vorhanden seien, die nicht beschäftigt wieder eingeführt wird. ““ “ werden können. Demgegenüber muß ich die Unterrichtsverwaltung Es ist heute über die konfessionelle Schule, die entschieden in Schutz nehmen. Sie hat wirklich vor Jahren nicht Simultanschule und über die weltliche Schule gesprochen daran denken können, daß einmal eine ungehéeure Zahl von Ost⸗ worden. Es ist von Nöten gesprochen worden, die unsere Lehrer flüchtlingen ins Land kommen würde, die in Preußen untergebracht
haben, die aus der Kirche ausgetreten sind. Ich wünsche — und werden müssen, und sie hat weiter nicht daran denken können, daß uns möchte es noch einmal erklären — absolute Garantie der einst weite Teile unseres blühenden Vaterlandes entrissen werden Gewissensfreiheit, es soll niemand gezwungen werden,] würden und damit Tausende von Stellen, die mühelos mit dem b
ist die gleiche wie in den höheren Lehranstalten, also die ms henfliche Unterrichtsstundenzahl die gleiche sein un der über 24 nicht hinausgehen. Die erhe egemeinschäften debten Lehrerschaft sind eine sehr refg. Erscheinung; die über C. Lehrerionferenzen sind ein Zopf, der längst hätte abge chnguh werden müssen. Der Besuch der Universitäten ist den Vol durc lehrern, möglichst zu erleichtern. Der Volks schullehrer muß rden ee ne gssch sozial und lüuntervee sheute au 8 Die Schulaufsichtsbeamten drangsalieren vielfach noch heute ar olksschule an, denn ich weiß genau, daß über 90 vH unserer gehrkräfte, die ihne eutschnationaler Seite 0 g. le an, weiß genau, daß übe H unserer. FSeee. dentschnatioidemotente 8s durch die Volksschule hindurchgehen. Der Stand der Volks⸗ denunziert worden sind; ebenso sabotiert man häufig von a 2 ist daher für die Gesamtkultur unseres ganzen Volkes aus⸗ aggebend. (Sehr richtig!) Hier knüpfe ich nun an das an, was
hier in den Konferenzen noch jede pazifistische Be trebung. In Unxrecht wird gegen den Berliner Sverstodtschulrat braien g 8 Herr Abg. Hollmann gesagt hat, daß für den Stand unserer olkeschule der Geist, der Bildungswille und die sittliche Kraft aus⸗
Mann, der viele neue pädagogische Anregungen gibt, Hntrfgit Wird ihm endlich Ge eben werden, Cemeinscefs, — 9. 2 hngedend sind, die von unserer Lehrerschaft ausgehen. Der ist der Schule hängt in erster Linie von unserer Lehrerschaft ab.
en ei werden, ühe vmn schulen praktisch einzurichten?. In Berlin ist eine 88 geit Rektoren noch immer nicht bestätigt. Der Minister seic 8 Geit
as von der Bewährung der Lehrerschaft während des Krieges und Kriege von dieser Stelle mehrfach mit großer Anerkennung
von Weimar und den Geist von Potsdam verbinden; welch wergt worden ist, das kann auch von ihrer Bewährung in dieser
1 von Potsdam meint er damit, den militärisch⸗dynastischen oder de Syerrdruck hervorgehobenen te — ⸗ sünaen Zeit der materiellen und sittlichen Not unserer Tage
staatlichen Schulaufsichtsbeamten, und es ist nicht möglich, daß Herren der staatlichen Schulaufsicht dem städtischen Dezernenten unterstellt werden. Sobald eine Ersetzung dieser Beamten einmal durch städtische Beamten erfolgen sollte, wird die Frage erneut geprüft werden.
nwirkung auf diesen neuen Etat nicht mehr möglich ist.
Die Frage der Lebrerbildung ist — und das ist ja heute auch beschiedentlich zum Ausdruck gebracht worden — das A und O unserer ganzen Volksschulreform. Ich habe gestern von der Reform er Hochschulen und von der Reform der Mädchenschulen gesprochen. e die wichtigste Reform sehe ich die Reform der
völlige Berücksichtigung der Psyche der Knaben und Mädchen ist bei der generellen Koedukation auch nicht möglich. Glauben Sie mir, ich spreche aus persönlicher Erfahrung, weil ich eine Anstalt mit Koedukation geleitet habe. Es ist also nicht nur graue Theorie, sondern es steht fünfjährige Praxis hinter meinem Urteil. Innere, aber auch äußere Gründe sprechen dagegen. Auch die Disziplin würde vor schwerste Aufgaben gestellt werden, die nicht ganz einfach zu lösen sind. Daß hin und wieder in kleineren Städten versucht werden sollte, etwa absterbende Realschulen mit absterbenden Lyzeen zu verbinden, ergibt sich einfach aus der trost⸗ losen finanziellen Lage unseres Staates, und da möchte ich heute von dieser Stelle mit allem Ernste auf diese Notlage hinweisen. Es kommt mir bei den Etatsberatungen manchmal so vor, als wenn wir mitten in friedlicher, glücklicher Zeit über Reformen ver⸗ handelten. Dabei ist die finanzielle Notlage so schwer, daß schon vor zwei Jahren der Finanzminister Dr. Südekum von der kulturellen Verblödung unseres Volles gesprochen hat, die kommen müsse, wenn wirklich dieser Friedensvertrag durchgeführt wird; und
J Mih Augmchme der durch der Hermn Minister die im Worilanie weeberdeceben 2