1891 / 212 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Die Anwendung der Elektrizität auf den Gebieten des Na>- rihtenwesens, der Beleu<btung, der Elektrochemie und Metallurgie, des Eisenbahnwesens, der Marine, des Bergbaues, der Heilkunde, sowie für motorishe und sonstige Betriebszwe>e hat in den leptea Jahren einen man kann wobl sagen erstaunlihen Aufs<hwung genommmen Auch für die äußerst wichtige Frage der Arbeitsübertragung werden #< dur den bier im Großen angestellten Versu hoffentli< weitere Fortschritte ergeben.

In fast allen Theilen der alten und neven Welt verbreiten fich bereits die elektrote<hnis<en Anlagen ; wichtige Zwe>>e der Civilisation find durch dieselben gefördert; große Kapitalien finden in ihnen nuß- bare Anwendung; bedeutende Kräfte und Intelligenzen sind in nitt geringer Zahl in ihnen vertreten und dem Leben wie der Wissen- schaft gewähren fie in gleiher Weise Förderung.

Es ift ein erhebendes Gefühl, daß das 19. Jahrhundert, welches uns so viele bedeutende Entde>ungen und Fortschritte auf dem Gebiet der exakten Wissenschaften und der Lebenépraxis gebrabt hat, allerdings zum Theil mit Beeinträchtigung der idealen und metaphy- sischen Gebiete, eine Beeinträchtigung, die ih jedo< nur als vorüher- gebend anzusehen vermag es ift erbebend, sage i<, daß das jeßige Jahrhundert mit jenem großen Ergebniß der Dienstbarmahung der Elektrizität für die Zwe>e der mens<hlihen Kultur feinem Schlusse entgegengebt. Der Funke, den Volta's erfinderisher Geist dem zögernden Metall entriß, hat sich in einen Lichtbogen verwandelt, der nit nur in das Dunkel der Vergangenheit aufhellend zurükftrahlt, sondern au< in das uferlose Meer der Zukunft eine Leuchte der Wissenschaft die Pfade weist.

_ Dankkar gedenken wir gewiß und gern der hervorragenden Männer aller Nationen, wel<e dur< die Ideen ihres Geistes und die Ergebnisse ihrer Arbeit seit anderthalb Jahrhunderten zur Entde>kung dieser wunderbaren Kraft, zur Erforshung ihrer Geseße und Wirkun- gen und zur Verwerthung der leßteren im Leben der Menschheit bei- getragen haben. In ihrem Beispiel und in dem Hinbli> auf das bisher und zwar in verhältnißmäßig kurzer Zeit Erreichte, wie diese große Ausstellung es so sichtbar bekundet, liegt ein gewaltiger Sporn für weitere ForsGungen und Anstrengungen auf diesem Gebiet.

Aber, meine Herren, Sie werden gewiß Alle mit mir darüber einvers- standen sein, daß diese großen Ergebnisse au nicht zu einer Uebers{<ätung des bisher Erreichten verleiten dürfen, sondern daß uns die Lösung großer und s{wieriger Probleme erst no< bevorsteht. Ich brauche dieselben in diesem Kreise nicht ers aufzuführen. Gestatten Sie mir nur, der äußerst wichtigen Frage des Verhältnisses der erreihten nuß- baren Wirkung zu dem stattgehabten Kraftverbrau< Erwähnung zu thun. Die Angriffe auf unsere Kohlenbestände sind gewaltige. Wenn man die beutige Verwendung der Kohlen, wie sie bei der stets zunehmenden Zahl und steigenden Leistung der Maschinen, z. B. bei dem traneozeanishen S<nelldampferverkehr besteht, mit ins Auge faßt, so wird man ernstli<h vor die Ihnen Allen längst entgegengetretene Frage geftellt, ob es niht mögli sei, bei Umfetßung der Verbrennungswärme in Elektrizität für unsere Anlagen und Maschinen den Nuteffekt zu erhöhen, also den Kohl enverbrau< zu ver- ringern. Denn bis wir vielleiht die direkte Sonnenwärme, an Stelle der in früheren geologishen Epohen aufgespeiterten, oder irgend eine andere Kraft, als Energiequelle werden verwenden können, darüber wird wohl no< geraume Zeit vergehen, obgleih die Schlag- weite des Geistesfunkens der Menschheit unberehenbar ist.

Auch eine andere Betrachtung bietet sih dar, meine Herren. Ih spreche bloß aus, was son in vershievenen Kreisen empfunden wird ; näm- lih ob denn alle elektrotehnis<en Anlagen, wie sie gemacht und nc< mehr wie sie namentli projektirt sind, wobei ja mitunter auch die Spekulation die Initiative ergreift, in diesem Umfange wirklich dur< dringende Bedürfnisse geboten sind, oder ob man hier nit in der That der Gefahr einer gewissen Ueberproduktion wie des Luxus und der Lebensvertheuerung entgegengeht. Einführung von Verbesserungen, so erfreuli< fie stets sein wird, darf mit der Befriedigung von Bedürfnissen niht verwehselt werden. Wie es Menschen giebt, deren Wesen ih nit einheitli<h äußert, \ondern bei denen man das Gefühl hat, es steht no< immer ein Anderer binter ihnen, so \{eint mir binter dem Erfindungsgeiste unserer Zeit niht selten au< deren Erwerbsdrang zu stehen.

F< bin fern davon zu verkennen, daß die Spekulation eine wichtige Triebfeder der Unternehwungen ist, sowie daß au die Kon- kurrenz auf diesem Gebiet si< sebr fru<htbringend erwiesen hat ; do sollte im freien Spiel der wirtbsc<aftlihen Kräfte nie vergessen

werden, daß dasselbe aub Pflichten auferlegt. Kämpfe sind überall nothwendig im Leben; aber wie das Völkerre<t gewisse Regeln vor- \hreibt, nah wel<hen die Kämpfe zwischen den Nationen geführt

werden, so möchie es sih auch auf dem hier' in Rede stehenden biet empfehlen, die allgemeinen Geseße

walten zu laff}

Ges- en,

ohne welche ein einträhtiges Zusammenwirken der Menschen überhaupt

niht mögli ift. Meine Herren !

für die freie Entwi>kelung der wichtigen elektrotehnis<hen Indu

bekundet und deren Bedeutung in vollem Maße anerkannt.

derselben, soweit mir bekannt if, strebt dana,

gee dieser Industrie ein

em

verkebrs, dur<führen zu wollen.

die Staatsregierungen au< wichtige und höher stehende Interessen

Allgemeinheit zu vertreten und wahrzunehmen, und es ist

Alle Regierungen haben ein lebhaftes Intere

strie

Keine für einzelne y Monopol oder Regal, abgesehen von erkfömmli®en und Nothwendigen des allgemeinen Nachrichten- Auf der anderen Seite aber haben

der aus

diesen gewihtigen Rücksichten gewiß zu wünschen, daß sie in der Aus- übung der desfallsigen Pflihten Unterstüßung und niht Gegenwirkung

finden. Daß diese Gesichtspunkte entsprehend gewürd

igt,

werden, wovon ih überzeugt bin, dürfte gerade für die hier vertretenen

Interessen sel b von Wichtigkeit sein.

Das Auftreten einer neuen Idee oder Form der Kraft im Kaltur- leben der Menschheit ist fast nie ohne ZuEungen und Geburtéewehen abgegangen; aber diese sind auch immer noch ohne dauernde Schädigung

des Gesammt-Organismus bei versöhnlihem Geiste glü>kli< ü wunden worden. Wir wissen ja, daß Ströme Ribtung dur< den Kommutator werden können. Die Kämpfe stehen in der Zeit und vergehen in

SE Aber was hinter ihnen ste>t: die Ideen, die nur der innere

Sinn wahrnimmt, die bleiben und werden unveräußerlihes Gut Menschheit.

Geehrte Herren! Die Entde>kung neuer Gesetze und die Er \<ung witiger Wahrheiten ist, Sie wissen das, ni<ht die S größerer Versammlungen. N Pes Stille des Studirzimmers, im Laboratorium, in der

att, wie Friedri der Große Aber der

sagte, dazu.

ber-

wechselnder in gleihgerihtete umgewandelt

der der

for-

ache

Sie pflegt zu ge|<ehen dur den SiQuen

erk- und mitunter bilft ja au< Seine Majestät der Zufall, Werth

solWer Kongresse liegt in dem Auétaush der Ideen und in dem Kampf

der Meinungen vor der Oeffentlichkeit, in der freien Wirkung

der

geistigen Polarität, in der Geltendmachung der Strömungen, sowie

in dem Kontakt der Individualitäten.

Die angemeldeten Vorträge

betreffen meistentheils Fragen von großer und gegenwärtiger Wichtigkeit, deren Besprechung im Kreise so gründlicher Fahkenner sicherlich reihen

Stoff zum Nacdenken und Handeln liefern wird. Wir haben

es

bier hauptsähli< mit der Anwendung der Elektrizität zu thun.

Es \<ließt örterungen, sammenhange stehen, diese ja ni<t einnehmen eigentlihe Wesen dieser

soweit sie mit unserer

und Themata wie die über

Naturkraft, wenn au

das wissenshaftlißhe Fragen und theoretishe Er- Hauptaufgabe im Zu- niht aus. Einen zu breiten Raum werden

das

neuere

Fors<unaen dem etwas näher gekommen zu sein \{einen, werden

wie Alles, was in das metaphysishe Gebiet überg1eift, wohl bef Hauptaufgabe is schaffen und nüyßen.

vermieden werden. Unsere Vieles ift erreiht, aber no< viel mehr bleibt zu erreichen.

Meine Herren! Majestät dem Kaiser Wilhelm I. in Seinem Palais zu Berlin ersten Spre<hversube mit den eben damals nah Deutschland kommenen Fernspre<hern vorzuführen. diesen Versuchen das lebhafteste Interesse,

er

Im September 1877 hatte ih die Ehre, Seiner

die ges

Der hbochselige as widmete erkannte sofort mit dem

ibm eigenen praktishen Bli>ke die ungeheure Wichtigkeit des unschein-

baren Werkzeuges für das gesammte Nachrihtenwesen und sagte zum

S@luß lä(elnd zu mir:

„Die Herren, die dies in die Welt bringen,

können froh sein, daß se niht vor 400 Jahren gelebt haben ; damals würden sie wahrscheinli als Hexenmeister verbrannt worden sein.“ Solcher Hexenmeister, meine verehrten Herren, zählt diese ausgezeichnete Ver-

sammlung viele

und hervorragende unter sh. Freuen Sie si,

daß Sie in einew Zeitalter geläuterter Ansichten leben und wirken

Éönnen.

Aber vergessen wir nicht, wie viel wir der Nahwelt schuldig

bleiben, wie viel und wie Großes noch zu erreichen ist! Lassen Sie uns,

und damit möchte ih \<ließen, meine Herren, niht müde werden in Arbeit, und setzen wir dem demüthigenden ignorabimns, mit wel Vorkämpfer der modernen Naturwissenshaft vor den höchsten Fra

der

<em

gen

des Daseins resignirt Halt gemacht haben, das aufrichtende laboremus

tapfer entgegen.

__ I erkläre ten internationalen Elektriker-Kongreß von Frankfurt für eröffnet und bitte*die geehrte Versammlung, E nunmehr dur die Wahl des Vorsitzenden und des Bureaus, jowie der betreffenden Stellvertreter zu konstituiren.“ :

H Münden, 8. September. Seine Majestät der Kaiser zeichnete heute Mittag gegen 12 Uhr das Hanfstaengl" sche Atelier in der Maximilianstraße dur< einen längeren Besuch aus und gewährte Hrn. Hofrath Hanfftaengl mehrere Sihungen in ver- \{tedenen Uniformen Behufs Herstellung von lebensgroßen photo- graphischen Bildnifsen.

Nach S@&luß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Weimar, 9. September. (W. T. B.) £ Zor- mittag 11 Uhr hat hier die feierlihe Beiseßung, Seiner Hoheit des verstorbenen Prinzen Alexander von. Sachsen - Weimar in der Fürstengruft stattgefunden. Der Großherzog, der Erbgroßherzog, der Prinz Her- mann, der Vater des Verstorbenen, und die übrigen Prinzen des Großherzoglihen Hauses wohnten der Feier bei. Der König von Württemberg hatte seinen Flügel-Adjutanten Frei- herrn von Watter als Vertreter entsandt. Das Königlich Sälhsishe 19. Husaren- und das Königli<h Sächsische 17. Ulanen-Regiment, dessen Offiziercorps der Verstorbene vordem angehörte, waren dur< Deputationen vertreten.

Galgocz, 9. September. (W. T. B.) Der Kaiser ist heute Vormittag 9 Uhr hier eingetroffen. Am Bahnhofe waren zum Empfange erschienen der Erzherzog Friedrich, der Minister - Präsident Graf Szapary, der Landes- veztheidigungs - Minister Freiherr von Fejervary, der höhere Klerus, die Mitglieder der Behörden und eine große Zahl von Abgeordneten. Von der versammelten Volksmenge wurde der Kaiser enthufiastish begrüßt. An die anwesenden Bischöfe und Abgeordneten richtete der Kaiser eine Ansprache.

Paris, 9. September. (W. T. B.) Der ehemalige Präsident der Republik Grévy ist gestorben.

St. O 9, September. (W. T. B.) Die von hier na< au erhalb verbreitete Nachricht, die Eisenbahntarife für Getreide, welhes in die Häfen des Schwarzen und des Asowshen Meeres befördert wird, würden erhöht werden, wird von der „Börsen- zeitung“ kategoris<h für unrichtig erklärt. Das Blatt meint, allenfalls dürfte eine Revision der Getreidetarife im Verkehr der Centralgouvernéments mit den baltischen Häfen und der Westgrenze des Landes vorgenommen werden.

Marseille, 9. September. (W. T. B.) Als das Publikum gestern Abend na< Schluß der Vorstellung den Circus verließ, bra<h die Treppe ein. Wie verlautet, sind 23 Personen verwundet und zahlreiche leihte Ver- legungen vorgekommen.

Kopenhagen, 9. September. (W. T. B.) Das cilenische Kriegs\hiff} „Presidente Pinto“ ankerte gestern auf der Außenrhede. Der dänishe Kreuzer „Hekla“ lief alsbald aus, um zu überwachen, daß das Schiff weder Geschüße einschiffe no< Mannschaften anwerbe. Heute früh ist der „Presidente Pinto“ abgesegelt und passirte, vom observirenden „Hekla“ gefolat, Vormittags Helsingör.

New-York, 9. September. (W. T. B.) Einem Tele- gramm des „Herald“ aus T Eau iga pa (Honduras) zufolge ist bei der am Sonntag stattgehabten Wahl eines neuen Präsidenten der Kriegs - Minister, General Ponciano- Ee, welchen die Progressisten aufgestellt hatten, gew ählt worden.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

A

Morgens 8 Uhr.

| j

Wetterbericht vom 9. September, or

Wind. Wetter. |

|

Stationen.

Bar. auf0 Gr.

u. d. Meeressp

red. in Millim. Temperatur in 9 Celsius

5\Regen 2 bede>t

Plas@&ke.

Mullaghmore | 758 SO Aberdeen . . | 764 Christiansund | 767 SW 1\wolkig Kopenhagen . | 769 |W 2Dunít Sto>holm . | 765 |[NNW 4\wolkenlos aranda . * 762 |¡ND 2'bede>t t.Petersburg| 756 |N 1 Nebel Moskau . . | 756 1'bede>t Cork, Queens- A1 E Gherburg . . | 766 elder j 769 B O mburg . . | 770 Swinemünde | 770 Neufahrwafser!| 767 Memel …… .. |_764 n E ünster. . . | 769 Karlsrube . . | 769 Miesbaden . | 770 München . . | 771 O Chemniy . . | 762 still heiter) | Berlin | 771 |WNW 2wolkenlos | Wien .….. | 769 |[NW 1\wolkenlos | Breslau .…. |_ 771 _[W 2sbede>t | le d’Aix . . | 764 |O 3 wolkenlos | Nizza .….. | 766 |D 2 wolkenlos | E 1 Or ftill|wolkenlos |

7 Ubr,

s

M. Grube.

4 Regen 3 halb bed. 1 wolkenlos till Dunst 1 wolfig!) 2 beiter?) 1 wolkenlos 4 beiter 1 wolkenlos | 1\wolkenlos | 3'wolkenlos | till \wolfenl.3) | 1 wolkenlos

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der Excellenz.

V

Sornabend:

Freitag: 2. Tropfen Gift.

1) Früh Nebel. 2) Thau. ?) Thau. 4) Thau.

Vebersi<ht der Witterung.

Wind und Wetter von ganz Europa steben unter dem Einflusse eines umfangreiben barometris<hen Maximums, dessen Kern mit 772 mm über dem centralen Deutschland lagert, sodaß der Witterungs- charafter unserer Gegenden beständiger geworden ift. Ueber ganz Central-Euroya und Umgebung ift das Wetter rubig, vorwiegend heiter und tro>en.. In T euts{land ist in den westli<hen Gebietstheilen die Temperatur allenthalben gestiegen, in den östlihen dur<s<hnittli< etwas gefallen; in Mittel- Deutschland liegt sie no< überall unter dem Mittel- werthe. Nennentwerthe Niedershläge werden aus Deutschland niht gemeldet.

Deutsche Seewarte.

Sonnabend :

unterhaltung. D. Kalisch. Anfang 7 Ukr.

Theater-Anzeigen.

Königlihe Schauspiele, Donnerstag: Opern- aus. 175. Vorstellung. Zar und Zimmermanu. Komische Oper in 3 Akten von A. Lortzing. Dirigent: Musikdirettor Wegener.

Schauspielhaus. VBarnhelm, oder: Das Soldateuglü>. in 5 Aufzügen von G. } Anfang 7 Uhr.

Freitag : Opernhaus. 176, Walküre in 3 Akten von R. Wagner.

Scauspielbaus. Male: Die Augen des Herzens. in 1 Aufzvg von H. Gallina. Aus dem Italienischen von J. Stinde. In Scene gesezt vom Ober-Regisseur j __ (Adelaide: als Gast.) Hierauf, Zum erften Male: Am Fenster. Lustspiel in 1 Aufzug von Felix Philippi. In Scene geseßt vom Regisseur Plashke. Zum Schluß, neu einstudirt: Herrn Kaudels Gardineupredigten. Lustspiel in 1 Aufzug von G. von Moser. In Scene geseßt vom Regisseur : Anya Schramm, als Gast) Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Donnerstag: Die Kiuder

Freitag: Wildfeuer. Faust.

Die nächste Aufführung von Fauft's Tod findet am Montag statt.

Berliner Theater.

Tell. Anfang 7 Uhr. Abonnements - Vorstellung.

Sonnabend : Wilhelm Tell. Tessing-Theater.

Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Freitag: Zum ersten Male: Francillon. Lusft- spiel in 3 Akten von Alexander Dumas lis, 7t Falsche Heilige. 4 Akten nah A. W. Pinero von Sounrtag: Francillon.

Wallner-Theater. Donnerstag: Zum 1. Male: Der Maun mit hundert Köpfen. 3 Akten von Henri Moulin und Edmond Delavigne. Hierauf : Mufikalisch - deklamatorische Abeud- fti rah vter gg in 1 Akt von

eu

Freitag u. folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.

Donnerstag: Boccaccio.

F. von Suppé.

Anfang 7 Uhr. Freitag: Voccaccio. 189. Vorstellung. Miuna von Luftspiel

Regie: Hr.

Die Anfang

E. Lessing.

Vorstellung. Pariser Sittenbild

Zum ersten

183, Vorstellung. Familienbild

burq. Anfang 74 Uhr.

Fr. Anna S<hramm,

sänger Dierich, als Gäste.)

Andrade.

Krause. (Kunigunde: Fr.

Lucia vou Lammermoor. Täglich:

Abends bei bhbrillanter

siten, Beleuchtungseffecten 2c. Donnerstag: Wilhelm

Ein

Donnerstag: Die Ehre.

des ganzen Garten-Etablissem

Ubr. Lustspiel in Freitag: Dieselbe Vorftellun

far Blumenthal.

Posse in

ständig neuen Kostümen.

Bufkacz.

bearbeitet von H. Graef. | Anfang 7# Uhr

Freitag: Dies elbe Vorstellun

Friedrich - Wilhelmfstädtishes Theater. Komische Operette in 3 Akten von F. Ae und R. Genée.

egie: Hr. Binder. Hr. Kapellmeister Federmann. Anfang 7#- ühr.

Sonnabend : Giroflé Girofla.

Residenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- burg. Donnerftag: Zum 15. Male: Frou - Frou. in 5 Aufzügen von Meilhac und Ludov!c Halévy. Deuts von Eduard Mauthner. In Scene geseßt von Sigmund Lauten-

Freitag u. folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.

Kroll's Theater. Donnerstag: Euryauthe. (Eglantine: Fr. Moran-Olden; Adolar: Hr. Kammer-

Freilnds Vorlehtes Gastspiel des Sgr. Francesco d’ Der Barbier von Sevilla. Sornabend: Lettes Gastspiel des Hrn. Emil Göze.

„Sroßes Goncert* im Sommergarten,

eclekirisher

desselben. Anfano 52, der Vorftellung 7 Ubr. Montag: Schluß der Opern-Saison.

Belle-Atliance-Theater. Donnerstag: Zum 42. Male mit dur@weg neuer glänzender Ausstattung an Dekorationen, Kostümen, Ballets, Waffen-Requi- úung-Deutschlaud zur See. Großes Ausftattungs-Zeitbild in 4 Akten (7 Bildern) von Ernft Niedt, Im 6. Bilde: ersten Male in Deutsbland: Großes Pferderennen auf der Bühne von lebenden

Im prachtvollen, glänzenden Sommergarten (vor- nehmstes und großartigstes Sommer-Gtablifsement der Residenz): Großes Doppel - Concert. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Brillante Illumination

ents. S des Goncerts 6 Uhr. Anfang des Theaters

g.

Adolph Ernst-Theater. Donnerstag: Zum 10. Male: Der große Prophet. Gesangsposse in 4 Akten von Leon Treptow. Couplets von Gustav Görß. Musik von Gustav Steffens. Die neuen Dekorationen find aus dem Atelier der Herren Wagner und In Scene geseßt von Adolph Ernst.

g.

Pferden.

Thomas-Theater. Alte

Direkiion: Emil Thomas. Donnerstag: Zum

42. Male: Jm fiebenten Himmel. Posse mit

Gesang in 3 Akten (4 Bildern) von Jean Kren.

Musik von Jobannes Doebber. In Scene geseßt

vom Direktor Emil Thomas. Anfang 74 Ubr. Freitag: Dieselbe Vorstellung.

Jakobstraße 30,

Mußk von Dirigent :

Urania, Anftalt für volksthümlihe Naturkunde,

Am Landes - Ausftellungs - Park (Lehrter Bahnbof). Geöffnet von 12—11 Uhr. Täglih Vorstellung im ri nene Theater. Näheres die Anschlage- ¡ette

Henry

[32023]

Nur no<h kurze Zeit. National: Panorama Herwarthstraße 4. am Königsplay.

„Das alte Rom“ mit dem Triumphzuge Kaiser Constantins.

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v. Morg. 9 Uhr bis zur Dunkelheit. Eintr. tägl. 50 $. Soldaten u. Kinder 25 „S.

M

Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Therese Rihter mit Hrn. Ritter- gutsbesiger Willi von Sameßki (Waldenburg i S(hl.— Nieder- Kunzendorf bei Münsterberg). Freiin Elsa von Gemmingen-Hagenschieß mit Hrn. Gerihts - Referendar Felix Grafen von Stosch (Befsenbah—Polnish Keffel).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Pastor Baumgart (Freibur i. Schl.). Hrn. Ernst von Kalitsch (Taschenberg). Eine Tochter: Hrn. Wilhelm Witt<how von Brese-Winiary (Kaisermühl).

Gestorben: Hrn. Rittmeister a. D. von Herßberg Tochter Ilse (Lottin). Fr. Clotilde von Gaffron und Oberstradam, geb. von Hanstein (Dresden- Blasewitz). Hr. General der Kavallerie z. D. Rudolph von Schön (Berlin).

Beleuchtung

Zum

Redacteur: Dr. H. Klee, Direktor. Berlin:

Mit voll- Verlag der Expedition (Scholz).

Dru> der Norddeutshen Buchdru>kerei und Verlags? Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Vier Beilagen (eins<hließli< Börsen - Beilage).

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staals-Anzeigér.

M 212.

Königreich Preufßen.

Privilegium

wegen Ausfertigung auf den Inhaber lautender Kreis-

i i des Kreises Templin im Betrage von anleihescheine de 000 K

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen 2c. Nachdem die Vertretung des Kreises Templin auf dem Kreis- tage am 12. November 1890 beschlossen hat, die zum Bau einer Kreis<haussee von der Niederbarnim- Templiner Kreisgrenze über Fa!kenthal und Liebenberg bis zur Templin-Ruppiner Kreisgrenze in der Rihtung auf Babnhof Löwenberg erforderli<en Mittel im Wege einer nleibe zu beschaffen, wollen Wir auf den Antrag der

Kreisvertretung, ; zu diesem Zwe>k auf jeden Fnhaber lautende, mit Zins- \heinen versehene, Seitens der Gläubiger unkündbare Anleihe-

scheine im Betrage von 128 000 ausstellen zu dürfen,

da si< hiergegen weder im Interesse der Gläubiger, no< der Schuldner Etwas zu erinnern gefunden hat, in Gemäßheit des $. 2 des Gesetzes

- yom 17. Juni 1833 zur Ausftellung von Anleihesheinen zum Betrage

von 128 000 4, in Buchstaben: „Ein Hundert Acht und Zwanzig Tausend Mark“, welhe in folgenden Abschnitten:

90 000 M zu 1000 A

15 000 M zu 500 M

923 000 M zu 200 M

zusammen 128 000 H

na< dem anliegenden Muster auszufertigen, mit Vier vom Hundert jährli< zu verzinsen und na< dem festgestellten Tilgungsplan mittels Verloosung jäbrlih vom 1. April 1892 ab mit wenigstens Eins vom Hundert des Kapitals, unter Zuwachs der Zinfen von den getilgten Schuldverschreibungen, zu tilgen sind, durch gegenwärtiges Privilegiuth Unsere landesberrlihe Genehmigung ertheilen. Dieselbe erfolgt mit der re<tli<hen Wirkung, daß ein jeder Inhaber dieser Anleihe- scheine die daraus hervorgegangenen Rechte geltend zu machen be- fugt ist, ohne zu dem Nachweise der Uebertragung des Eigenthums verpflichtet zu sein. :

Dur vorstehendes Privilegium, wel<es Wir vorbehaltli< der Re>te Dritter ertheilen, wird für die Befriedigung der Inhaber der Anleibescheine eine Gewährleistung Seitens des Staats ni<ht über- nommen.

Urkundli@ unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedru>tem Königlichen Insiegel.

Gegeben Kap Kunnen, den 28. Juli 1891.

An Bord Meiner Yacht „Hohenzollern“. (L. S.) Wilhelm R. j Herrfurth. Miquel. Thielen.

Provinz Brandenburg. Regierungsbezirk Potsdam. Anleihesc<ein des Kreises Templin . ._„te Ausgabe Bu(stabe . .… . Nr... über .… . . Mark Reichswährung. S Ausgefertigt in Gemäßheit des landesberrlihen Privilegiums vom... (Amtéblait der Königlichen Regierung zu Potsdam vom ¿s Abit 189 . Nr. . . Seite . . . und Geseg-Sammlung für 189 . Seite . . . laufende Nr. . ._.).

Auf Grund des von dem Bezirks-Aus\{usse zu Potsdam bestätigten Kreistagébeshlusses vom 12. November 1890 wegen Aufnahme einer Sculd von 128 000 4 bekennt sich der Kreisauss{<uß des Kreises Templin Namens des Kreises dur diese, für jeden Inhaber gültige, Seitens des Gläubigers unkündbare Verschreibung zu einer Darlehns- \{uld von Mark, wel<e an den Kreis baar gezahlt worden und mit Vier vom Hundert jährli zu verzinsen ist.

Die Rücfzahlung der ganzen Schuld von 128 000 #4 erfolgt na< Maßgabe tes genehmigten Tilgungsplans mittels Verloosung der Anleibescheine in den Iabren 1892 bis spätestens 1934 eins<ließ- lih aus einem Tilgungssto>e, welher mit wenigstens Eins vom Hundert des Kapitals jährlih unter Zuwadis der Ziysen von. den getilgten Schuldverschreibungen gebildet wird. Die Ausloofung ge\<ieht in dem Monat Februar jeden Jahres. Dem Kreise bleibt jedo das Recht vorbehalten, den Tilgungésto>k zu verstärken oder au< Ge no< im Umlauf befindliche Anleihescheine auf einmal zu ündigen.

Die dur die verstärkte Tilgung ersparten Zinsen wasen eben- falls dem Tilgungssto>e zu.

Die ausgeloosten, sowie die gekündigten Sqchuldvers<@reibungen werden unter Bezeihnung ihrer Buchstaben, Nummern und Beträge, sowie des Termins, an wel<hem die Rü>fzahlung erfolgen soll, öffentli bekannt gemacht. Diese Bekanntmachung erfolgt se<8, drei, zwei und einen Monat vor dem Zahlungstermine in dem „Deutschen Reichs: und Preußischen Staats:Anzeiger“‘, dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und dem Templiner Kreisblatte. Geht eines dieser Blätter ein, so wird an dessen Statt von der Kreisvertretung mit Genchmigung des Königlihen Regierungs- Präsidenten in Potsdam ein anderes Blatt bestimmt.

Bis zu dem Tage, wo solchergestalt das Kapital zu entrichten ist, wird es in halbjährlißen Terminen, am 1. April und am Li ara von heute an gere<net, mit Vier vom Hundert jährlich verzinit. : :

Die Auszahlung der Zinfen und des Kapitals erfolgt gegen bloße Rückgabe der fällig gewordenen Zinsscheine beziehungsweise dieser Schuldverschreibung bei der Kreis-Kommunalkasse zu Templin, und zwar au< in der na dem Eintritte des Fälligkeits- termins folgenden Zeit. Mit der zur Empfangnahme des Kapitals eingereihten Schuldvershreibung sind au die dazu gehörigen Zinsscheine der späteren Källigkeitstermine zurüd- zuliefern. Für die fehlenden Zinsscheine wird der Betrag vom Kapital abgezogen, Die gekündigten Kapitalbeträge, welhe inner- halb dreißig Jahren na dem Rückzahlungstermine nit erhoben wer- den, sowie die innerhalb vier Jahren nah Ablauf des Kalenderjahres, in welchem sie fällig geworden, nicht erhobenen Zinsen verjähren zu Gunsten des Kreises. Das Aufgebot und die Kraftloserklärung ver- lorener oder vernihteter Schuldverschreibungen erfolgt na< Vorschrift der 88, 838 und ff. der Civilprozeßordnung für das Deutsche Reih vom 30. Januar 1877 (Reichs-Ge|epblatt Seite 83) bezw J. 20 des Ausführungsgesezes zur Deutschen Civilprozeßordnung vom 24. März 1879 (Gesez-Samml. Seite 281). i /

Zinsscheine können weder aufgeboten no< für kraftlos erfläct werden. Doch soll Demjenigen, welcher den Verlust von Zins- scheinen vor Ablauf der vierjährigen Verjährungsfrist bei der Kreis- verwaltung anmeldet und den stattgehabten Besitz der Zinsscheine dur Vorzeigung der Schuldverschreibung oder sonst in laubhafter Weise darthut, na< Ablauf der Verjährungsfrist der Betrag der ange- aA und bis dahin nicht vorgekommenen Zinsscheine gegen Quittung ausgezahlt werden. A0 i: j

Mit dieser Sculdverschreibung sind halbjährige Zinsscheine bis zum Schlusse des Jahres . . .. ausgegeben; die ferneren Zinsscheine werden für fünfjährige Zeitabschnitte ausgegeben werden. Die Aus- gabe einer neuen Reibe von Zins\<einen erfolgt bei der Kreis- Kommunalkafse in Templin gegen Ablieferung der, der älteren Zins-

Berlin, Mittwoch, den 9. September

\{einreihe beigedru>ten Anweisung. Beim Verluste der Anweisung erfolgt die Aushändigung der neuen Zinsscheinreihe an den Inhaber der Schuldverschreibung, sofern deren Vorzeigung re<tzeitig geschehen ift. Zur Sicherheit der hierdur< eingegangenen Verpflichtungen haftet der Kreis mit seinem Vermögen und mit seiner Steuerkraft.

Defsen zur Urkunde haben wir diese Ausfertigung unter unserer Unterschrift ertheilt.

Templin, den . . ten :

Der Kreisaus\<uß des Kreises Templin.

Anmerkung: Die Anleihescheine sind außer mit den Unter- \<riften des Landraths und zweier Mitglieder des Kreisaus\hufses mit dem Siegel des Landraths zu versehen.

Provinz Brandenburg. Regierungsbezirk Potsdam. i Zinss<hein ._. ._. Reibe zu der Schuldverschreibung des Kreises Templin Buchstabe Nr über Mark : Hundert Zinsen über .. ._._. Pfennig.

Der Inhaber dieses Zins\cheines empfängt gegen dessen Rückgabe in der Zeit vom 1. April (bezw.) 1. Oktober 1. ab die Zinsen der vorbenannten Schuldverschreibung für das Halbjahr vom . . ten

bis , „ten mit . . . . Mark .. Pfennig bei der Kreis-Kommunalkasse zu Templin. Templin, den . . ten i i Der Kreisausschuß des Kreises Templin. (Unterschriften.) /

Dieser Zinsschein ist ungültig, wenn defsen Geldbetrcz nit inner- balb vier Jahren na< Ablauf des Kalenderjahres der Zälligkeit er- hoben wird. i

Anmerkung. Die Namensunterschriften der Mitglieder des Kreisaus\<usses können mit Lettern oder Facsimilestempeln gedru>t werden, do< muß jeder Zinsschein mit der eigenhändigen Namens- unterschrift eines Kontrolbeamten versehen werden.

te Ausgabe,

Provinz Brandenburg. Regierungsbezirk Potsdam. Anweisung zum Kreisanleiheshein des Kreises Templin . te Ausgabe, Buchstabe . . Nr. . . . über . . . Mark.

Der Inhaber dieser Anweisung empfängt gegen deren Rückgabe zu der obigen Schuldverschreibung die . te Reihe von Zinsscheinen für die fünf Jahre 1... bis1... bei der Kreis- Kommunalkafsse zu. .. sofern nicht re<tzeitig von dem als solchen si ausweisenden Inhaber der Schuldverschreibung dagegen Widerspru erhoben wird.

Templin, den . .ten T 2 :

Der Kreisaus\<huß des Kreises Templin. (Unterschriften.) E

Anmerkung. Die Namensunterschriften der Mitglieder des Kreisaus\{<u}es können mit Lettern oder Facsimilestempeln gedrud>t werden, to<h muß jede Anweisung mit der eigenhändigen Namens- unterschrift eines Kontrolbeamten versehen werden.

Die Anweisung ist zum Unterschiede auf der ganzen Blatt- breite unter den beiden leßten Zins\{heinen mit davon abweichenden Lettern in nahstehender Art abzudru>en :

. . „ter Zinsschein. | .. „ter Zinsschein.

Anweisung.

Statiftik und Volkswirthschaft.

Der Bedarf an Brotfrucht.

Die Berliner Börsen-Zeitung stellt folgende Rehnung auf, welche zeigt, wie wenig çerehtfertigt die Spekulation der Haussepartei in Roggen und die Antikornzollbewegung find.

Als Ertrag der Roggenernte werden 100 Millionen Centner, der Weizenernte 40 Millionen, also zusammen 140 Millionen bere<net. „Diese Schäßung is gewiß mäßig, wenn man erwägt, daß die aller- \hle<teste Ernte im leßten Jahrzehnt, diejenige von 1880/81, immer no< einen Betrag von annähernd 144 Millionen Centner ergeben hat. Von diesem Ernteertrage von 140 Millionen Centner soll die Aussaatmenge fehr rei<hli< mit 25 Millionen Centner in Abzug gebra<ht werden, sodaß 115 Millionen Centner Brotmaterial zum Verbrau verbleiben. Der Durchschnitt der Jahre 1880/90 hat an Weizen und Roggen einshließli< Mehreinfuhr von rund 20 Millionen Ctr. und abzüglich.des Saatguts mit 25 Millionen Ctr. einen Durwschnittsverbrauh ergeben von 159 Millionen Ctr. Nun ist aber in Folge verspäteter Ernte nur sehr wenig neues Getreide zu Markt gekommen. i

Au die nähsten Wochen werden no< wenig Zufuhren vom Lande bringen. Man kann daher annehmen, daß die Landesernte Falls das nâ<ste Erntejabr dea gewöhnlihen Verlauf nimmt, kaum auf elf Monate zu reiben braucht. Die diesjährige Ernte de>t also bei ungünstigster Schäßung einen Monatsverbrau< 105/11 Millionen Centner, während der durdschnittlihe Monatsverbrauh des leßten Sahrzehnts 159/12 = 134 Millionen Centner beträgt. Wir hätten also nur nôthig, allmonatlih 235/44 Millionen Centner Brotfrucht einzuführen. Das würde für 11 Monate einen Import von 3902 Millionen Certner Brotfru<t ergeben, d. h. eine Importmenge, die au< im Iahre 1884/85 erreicht wurde. -

Ein so grofer Import, welcher si<h na< dem bisherigen Dur- shnitt8verhältni}sse etwa auf 20 Millionen Centner Roggen und 102 Millionen Centner Weizen vertheilen würde, ist aber durhaus niht als unbedingt nöthig zu bezeihnen. Es kann doran im Gegen- theil re<t erhebli< gespart werden Denn es ränkt si< 1) in theuren Jahren naturgemäß der Verbrauch ein, Diese Einschränkung erreiht, wie die Erfahrungen früherer Jahre ergeben, mindestens 5°/o, ohne der Bevölkerung au nur zum Bewußtsein zu fommen. Es würde sich die bis zur nöhsten Ernte nöthige Verbrau<h8menge dementsprehend um 8 Millionen Centner vermindern, und hierdur< wird die Volks- ernährung in keiner Weise beeinträchtigt, denn es tritt in etwas stärkerem Maße als in billigen Fahren an Stelle der eigentlichen Brotfrucht Hafer oder Maismehl. Die Verwendung dieser Mehlsorte fand schon früber auf dem Lande in kleinerem Maßstabe statt. Sie hat in der letzten Zeit sehr zugenommen und wird si in Folge lebhafter An- regung aus landwirth\<aftlihen Kreisen in der bevorstetenden Ver- brau8periode vorausfihtli< so steigern, daß ein Minderverbrauh von 8 Millionen Centner Brotfruht sehr knapp berehnet erscheint, zumal die Preise von Hafer und Mais in Folge reicher Ernten ver- hältnißmäßig gering sind. Der Verein Deutsher Stärke- interessenten regt ferner unterstüßt dur< die in landwirtbschaft- lihen Kreisen gema<hte Erfahrung, daß dur Beimischung von Kartoffeln das Brot wohls<hme>ender und \{<hmeidiger wird, obne an Nährwerth zu verlieren mit Erfolg die Verwendung von Kartoffelmehl an, wobei zu erwähnen ist, daß die früheren Befürch- tungen wegen der Kartoffelernte si keineswegs zu bewahrheiten scheinen. Hierdur< kann die Verminderung des Verbrau<s an

Brotfruht unshwer auf 10 Millionen Centner gesteigert werden.

1891.

2) Es ist niht nöthig, 4 Millionen Centner Roggen zu Branntwein zu verbrennen. Mag für besondere Freunde des reinen Kornbranntweins eine Million Centner Roggen verbrannt werden. 3 Millionen Centner Roggen können im Brennereibetriebe sehr wohl dur< Mais ersezt werden, Die Verwendung des billigen Mais zur Brennerei wird dann au bei uns sowohl als in Oesterrei in der näbsten Zeit in sehr viel stärkerem Maße ftatt- finden als früher. 3) Kein Landwirth witd bei den jeßigen Preisen daran denken, seinen Pferden als \{<weres Futter Roggen zu geben. Hierdur< können bei mäßiger Schäßung, d. h. wenn nur 1 Million \<were Roggen- Rationen zu -6# 4 erspart würden, der Volksernährung 2 Millionen Centner erhalten werden. 4) In Folge Einführung der Ho<hmüllerei vermindert \si< das Ergebniß an Brod- mebl bei der Vermahlung von Roggen und Weizen von Fahr zu Jahr. Ein Mohlergebniß von nur 65 Pfund auf den Centner Brotfru<ht is nihts Ungewöbnlihes, Es liegt auf der Hand, daß dieses Mahlergebniß ohne die Volksernährung oder au< nur die Güte des Brotes irgend zu beeinträchtigen, namentlih bei Verwendung von Mishmebl (aus Weizen und Roggen) dur{- \cnittlih um 5 9/6 gesteigert werden kann. Hierdur< würde si der SFmport-Bedarf abermals um 8 Millionen Centner, also im Ganjen um 10 + 3 + 2 + 8 = 23 Millionen Centner verringern, also nur auf 74 Millionen Centner stellen . :

Führen wir mehr Brotfru<t ein, so ist das nur ein Beweis k tas der als S<re>gespens hingestellte Nothstand nicht vor- anden ift.“

Bei der Invaliditäts- und Altersversiherungs8anfstalt Berlin sind bis Ende August 1559 Anträge auf Sewährung von Alterêrenten eingegangen. Von diesen Anträgen sind 1192 an- erkannt, 334 als unbegründet zurü>gewiesen, 17 anderweit erledigt und 16 unerledigt auf den Monat September übernommen.

Das sähsishe Sparkassenwesen von 1849 bis 1888.

In dem neuesten Heft der Zeitschrift des Königlich sächsischen Statîstishen Bureaus behandelt der Geheime Regierungs-Rath Dr. V. Böhmert das sä<sishe Sparkassenwesen. Nah einigen eino leitenden Bemerkungen, in welhen auch das in neuester Zeit so viel besprochene Scerl’|<he Sparsystem fritisirt wird, erseßen wir aus einem ges<hi<tli<hen Abschnitt über die Entstehung und die erste Ent- wi>tlung des sä<hsishen Sparkafsenwesens, daß die ersten \ähsishen Sparkassen in Dresden, Annaberg und Königsbrück ziemlih zu derselben Zeit errictet worden sind; die Ein- [eitungen dazu wurden \Gon im Jahre 1818 getroffen. Die Ent- wi>elung des \ädhsishen Sparkassenwesens läßt sh in statistischer Hinsit in zwei Perioden theilen, von 1821 bis 1849 und von 1849 bis 1888. In der ersten Periode war der Sparsinn und auch die Sparkassenstatistik no< wenig ausgebildet Vom Jahre 1849 aber zeigt sich ein außerordentli starkes Anwatsen der Sparkassen und deren Benugung. Die Zahl der Sparkassen hat si< in dem 40 jährigen Zeitraum von 1849 bis 1888 von 49 auf 211 Sparkañen erhöht. Das Guthaben der sämmtlihen Einleger stieg von 11 700 815 auf 523 077 375 , die Zahl der zu honorirenden Konten von 81 517 auf 1471968. Die rascheste Zunahme hat in den Jahren von 1871 bis 1874 stattgefunden. Das Jahr 1874 bezeihnet den Höhepunkt, Von da an tritt wieder eine rü>schreitende Bewegung ein, wel<he b namentli< in dem Verhältniß der Rückzahlungen zu den Einzahlungen abspiegelt. Der Durchschnittswerth eines Sparkassenbuches bat n< von 143,55 A (1849) auf 355,36 M (1888) erhöht. Die bôchsten Dur schnittswerthe zeigen die wirthshaftlih ungünstigen Jahre 1878 und 1880 mit 372,26 bezw. 372,40 4, was wohl damit zufammen- hängen mag, daß in Folge der wirthshaftli<hen Krisis der kleine Mann gezwungen mar, seine geringen Ersparnisse. zurüd- zuziehen, während größere Einlagen fh nit in sol zwingender Nothlage befanden. Das Durcbschnittsguthaben pro Kopf der Be- völkerung ist stetig gestiegen, nit ein Jahr der betrahteten 40 weist einen Rü>gang auf. Ebenso hat die Zahl der Sparer_ stetig_zu- genommen, denn die Anzahl der Bewohner, auf die ein Sparkafssen- bu entfällt, wird von Jahr zu Jahr eine geringere; während 1849: 23,24 Bewohner entfiel, fam 1888 \{on auf 2,24 Bewohner ein Sparkassenbuh. Vergegenwärtigt man \si< weiter, daß 1849 auf einen _Kopf der Bevölkerung 6,18 , 1888 aber 158,94 4 in _den Sparkassen angelegte Ersparnisse entfielen, so dürfte dicse intensive und exten}ive Sparsamkeit der \äcsishen Bevölkerung als gute Gewähr für eine künftige friedliche soziale Entwickelung unseres Volkes gelten. Eine am Sölufie des Aufsatzes befindlihe graphische Tafel veranshaulidt in lehrreicer Weise die Entwickelung des Sparkassenwesens fowie deren Verthei- lung und Benutzung in den einzelnen Bezirken des Königreichs,

1 Sparkassenbu<h auf

Zur Arbeiterbewegung. h /

Aus Bochum wird der „Rh.-Westf. Ztg.“ über einen Aufruf berichtet, den die Delegirten der Bergleute des Wattenscheider Reviers an alle Bergleute von Watten- \heid und Umgegend richten, und in welhem um Unter- stüßung für einen Saalbau zu Versammlungszwe>en ge- beten wird. Aus dem Jnhalt des Aufrufs theilt das Blatt Folgendes mit :

Seit vier Monaten seien alle Bemühungen, z Abhaltung einer Versammlung zu bekommen, vergebens gewe|]en. Troß der unbestreitbaren Thatsabe, daß die, Herren Saal- besiger nur dann existenzfähig blieben, wenn die Bergleute ihr Geld bei ibnen verzehrten, weigerten dieselben sich denno, ihnen Sáâle zur Verfügung zu tellen. Die Delegirten meinen, es müje 4000 Bergleuten eine Kleinigkeit sein, einen Saal aus eigenen Mitteln erbauea zu können. Eine solche stattlihe Macht dürfe fic nicht auf Gnade und Ungnade ergeben, und es fei deshalb Pflicht eines jeden Bergmanns, der Saal- und Wohnungsbau-Genossenscbaft beizutreten.

Die „Rh.-Westf. Ztg.“ weist dann auf die Schwierigkeiten hin, die nöthigen Geider aufzubringen und bemerkt: Die Bergleute sind des Zahlens müde. Der Kassirer des Ver- bandes deutscher Bergleute {reit in jeder Ausgabe der Zeitung der deutschen Bergleute um Zahlung der ständigen monatlichen Beiträge, und dieser Rückstand soll gar nicht klein sein. Annähernd 20 000 Bergleute im Verbande sollen über drei Monate keine Beiträge mehr gezahlt haben und viele zahlen sehr unregelmäßig. Die meisten Verbandsmitglieder wollen nun einmal mit dem jeßigen sozialdemokratishen Vorstande nihts mehr zu thun haben. Au Frau Jhrer und die in nächster Zeit ersheinenden sozialdemokratischen Redner werden wohl wenig an dem Rügange der Arbeiterbewegung im Jndustriebezirk ändern können.

Einer Meldung des „Vorwärts" aus Bremerhaven zu- folge baben die Kohlenarbeiter von Bremerhaven- Nordenham am Dicnstag die Arbeit eingestellt. Als Grund der Arbeitseinstelung wird Lohnabzug angegeben. Nah der Darstellung- des Blatts erhielten die Kohlenarbeiter bis jeßt für Verladen von Kohlen von der Landseite aus Tags 8 S,

einen Saal zur

Nawts 11 H pro Tonne, von der Wasserseite aus Tags 10 S, Nachts 13 &Z pro Tonne; jeyt sollten für das Verladen der Kohlen